Energiegenossenschaften Bürger nehmen Energiewende in die Hand

Energiegenossenschaften boomen. Ob im hohen Norden oder im südlichen Bayern, überall organisieren sich Bürger, Kommunen, Banken und Unternehmen. Sie wollen die dezentrale Energieversorgung vorantreiben und die Wertschöpfung in der Region halten. Wie das Handwerk profitiert.

Karin Birk

Energie für den Bürger: Genossenschaften gestalten die klimafreundliche Zukunft in ihrer Region. - © Foto: Energiegenossenschaft Odenwald

"In diesem Jahr wurden in Deutschland rund 150 Energiegenossenschaften gegründet", sagt Eckhard Ott, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) in Berlin. Insgesamt ist die Zahl der Energiegenossenschaften mittlerweile auf rund  600 gewachsen. Mehr als 80.000 Bürger, zahlreiche Kommunen und Unternehmen zählen zu den Mitgliedern.

Guter Start

Eine von ihnen ist die Energiegenossenschaft Odenwald in Südhessen. Sie ging am 16. Februar 2009 an den Start und ihre Bilanz kann sich sehen lassen. "Heute erzeugen wir 13,5 Megawatt an Strom im Jahr. Das entspricht dem Verbrauch von rund 4.000 Privathaushalten", sagt Vorstandschef Christian Breunig. Die Genossenschaft steht zudem für mehr als 1.000 Aufträge an Handwerker in der Region.

Produziert wird der Strom in 74 Photovoltaikanlagen, zwei großen Freiflächenanlagen, vier Windkraft-Anlagen sowie einem Wasserkraftwerk. Rund 30 Millionen Euro hat die Genossenschaft mittlerweile investiert. Dabei gehen fünf Millionen Euro auf das Konto der 1.400 Mitglieder, die alle Anteile von mindestens 100 Euro gezeichnet haben. Der Rest wurde durch Kredite und Fördergelder regionaler Banken finanziert.

"Verzinst wird das eingebrachte Kapital bisher mit rund 3,5 Prozent bei zweijähriger Kündigungsfrist", sagt Breunig. Doch dabei bleibt es nicht. Ab 2013 sollen die Mitglieder den Strom zu Preisen beziehen können, die teilweise unter dem Marktpreis liegen sollen.

Vorbildhafter Ansatz

Wie aktuell der mehr als hundert Jahre alte Genossenschaftsgedanke ist, betont Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) auf einer Tagung des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands: "Die Energiewende kann nur als Projekt der ganzen Gesellschaft gelingen." Teilhabe und Mitgestaltung seien wesentliche Elemente für den Erfolg der Energiewende.

Deshalb will er den Ansatz auf andere Bereiche der Energiewende übertragen, so auf die Energieeffizienz, die Wärmeerzeugung, vor allem aber auf den Ausbau der Netze. "Genossenschaften sind eine Möglichkeit, meinen Vorschlag der Bürgerdividende beim Netzausbau umzusetzen", hebt er hervor.

Schon im Herbst hatte der Umweltminister mit dieser Idee Schlagzeilen gemacht. Grundstückseigentümer oder Bürger von Kommunen, die unmittelbar vom Netzausbau betroffen sind, sollten Anleihen zeichnen und so an der Energiewende etwas verdienen können.

"Die Genossenschaften helfen auf jeden Fall, die Akzeptanz der Energiewende zu vergrößern", sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Er weiß aber auch, dass gerade Kleinanleger sich mit geringen Beträgen beteiligen können.

So beträgt der Mindestbeitrag für einen Anteil bei der Energiegenossenschaft "Bürger Energie Zittau Görlitz"500 Euro. "Damit können sich auch die an der Energiewende beteiligen, die kein eigenes Haus haben", sagt Karl-Anton Erath, der im Vorstand der lokalen Volksbank sitzt und im Ehrenamt der Genossenschaft vorsteht.

Attraktive Rendite

Auch die Rendite ist laut Erath im Vergleich zum Sparbuch interessant. Es bleibe aber ein unternehmerisches Restrisiko, wenngleich es bei garantierten Abnahmepreisen gering sei. Profitieren würden auch die, die ihre Dächer für PV-Anlagen zur Verfügung stellten.

Wie ausbaufähig die Idee der Energiegenossenschaft ist, zeigt eine alte Brauerei, die die Energiegenossenschaft Odenwald zum "Haus der Energie" umbaut. Unter einem Dach sollen dort alle Interessierten Informationen zu erneuerbaren Energien bekommen.

Auch das Handwerk profitiert davon. Schon jetzt legen viele lokale Handwerker beim Umbau mit Hand an und verdienen Geld.