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Berufsbildungsbericht Besonders viele unbesetzte Lehrstellen im Handwerk

In der Wirtschaft bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Das gilt nicht zuletzt für kleine Betriebe.

Die Wirtschaft kann ihre Ausbildungsplätze immer schwerer besetzen. Während es für Betriebe "immer schwieriger wird", hätten Jugendliche "selten so gute Chancen" gehabt, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung des Berufsbildungsberichtes. So waren laut Bericht zu Beginn des Ausbildungsjahres 2016/2017 noch 43.500 Lehrstellen unbesetzt. So viele wie noch nie.

Gleichzeitig waren rund 20.600 Bewerber unversorgt. Der Grund: entweder passte der Berufswunsch nicht zum Angebot oder die Lehrlinge wohnten nicht dort, wo die Ausbildungsplätze waren.

Als Erfolg wertete Wanka hingegen, dass trotz abnehmender Schulabgänger-Zahlen die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge "ungefähr konstant" geblieben sei. Diese lag mit 520.300 insgesamt 0,4 Prozent unter dem Vorjahr.

Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk minimal gestiegen

Wie Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer sagte, wurden im Handwerk 2016 knapp 142.000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das waren 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegen den Gesamttrend seien die Ausbildungszahlen damit im zweiten Jahr in Folge gestiegen. Allerdings hätten im vergangenen Jahr rund 14.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden können, räumte er ein.

Damit lag der Anteil der unbesetzten Stellen im Handwerk mit 9,4 Prozent über jenem für die Gesamtwirtschaft mit acht Prozent. Dabei fällt es im Handwerk wie in anderen Wirtschaftszweigen insbesondere kleinen Betrieben schwer, Lehrlinge zu finden.

Größte Nachwuchssorgen im Lebensmittelhandwerk

Mit Blick auf die Branchen hat das Lebensmittelhandwerk die größten Nachwuchssorgen. So konnten laut Berufsbildungsbericht von den 10.076 Lehrstellen für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk 3.293 Lehrstellen nicht besetzt werden; wie im Vorjahr blieb damit jede dritte Lehrstelle unbesetzt.

Schwieriger war es nur bei den Restaurantfachfrauen mit 34 (35,2) Prozent und den Fleischern mit 33 (35,1) Prozent. Darunter lagen die Klempner mit 25,9 (30,6) Prozent, die Bäcker mit 24 (27,2) Prozent, die Beton- und Stahlbetonbauer mit 23,2 (17,0) Prozent, die Gerüstbauer mit 23,1 (22,0) und die Gebäudereiniger mit 21,8 (20,0) Prozent. Damit kamen laut Berufsbildungsbericht sieben von zehn Berufsgruppen mit besonderen Nachwuchsproblemen aus dem Handwerk.

Unterstützung für kleine Betriebe

Wenn gerade kleine Betriebe gar keine Lehrstelle besetzen können, fallen sie aus der Ausbildungsstatistik. Auch das führt dazu, dass insgesamt nur noch jeder fünfte Betrieb ausbildet . Eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe könne daraus aber nicht abgeleitet werden, heißt es beim Handwerk.

Das Handwerk ermutigt die Betriebe vielmehr, auch im nächsten Ausbildungsjahr Ausbildungsstellen anzubieten, und auf die Unterstützung der Kammern zurückzugreifen. Auch das Bundesbildungsministerium will die Unternehmen etwa durch Programme wie "Jobstarter plus" bei der Akquise und Ausbildung von Lehrlingen unterstützen.

Bald kommen mehr Flüchtlinge auf den Ausbildungsmarkt

Mit Blick auf das kommende Ausbildungsjahr könnte die Zahl der offenen Ausbildungsplätze laut Berufsbildungsbericht etwas zurückgehen. Als Hauptgrund wird vor allem die zunehmende Zahl von Geflüchteten genannt. Derzeit sind viele noch in Schulen und Vorbereitungskursen. Dies hat auch die auch die Zahl derjenigen im "Übergangsbereich" wieder auf knapp 300.000 (Vorjahr: 266.194) steigen lassen.

Zum Ende des Schuljahres könnten aber rund 20.000 Flüchtlinge eine Lehrstelle suchen, heißt es im Bericht. Auch das Handwerk bietet Flüchtlingen mit ausreichenden Vorkenntnissen Perspektiven, heißt es beim ZDH. Die staatlich geförderten Willkommenslotsen könnten den Betrieben entsprechende Hilfeleistung bei der Vermittlung bieten.

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