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Fristen beachten Verspätete Voranmeldung der Umsatzsteuer: Strafen drohen

Betriebsinhaber sollten auf die fristgemäße Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und die pünktliche Zahlung der Umsatzsteuer besonderen Wert legen. Denn verbummelt ein Handwerker die Abgabefrist oder den Zahlungstermin, kann das schnell teuer und unangenehm werden. Außerdem kann das Finanzamt bei der Abgabe der Steuererklärungen die allgemeinen Fristverlängerung außer Kraft setzen und die Steuererklärungen vorab anfordern.

Die monatliche oder vierteljährliche Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen löst in vielen Handwerksbetrieben meist Stress aus. Ist keine Bürokraft vorhanden und der Handwerker selbst hetzt von einem Auftrag zum anderen, bleibt die fällige Umsatzsteuer-Voranmeldung schon mal liegen oder die fällige Zahlung wird erst ein paar Tage später online überwiesen.

Für das Finanzamt sind das leider keine Kavaliersdelikte. Betriebsinhaber müssen dann mit folgenden Sanktionen rechnen:

  • Schätzung: Gibt ein Unternehmer trotz mehrmaliger Mahnungen des Finanzamts keine Umsatzsteuer-Voranmeldung ab, wird das Finanzamt die Umsätze und die Vorsteuerbeträge schätzen
  • Verspätungszuschlag: Im Rahmen der Schätzung oder wenn der Unternehmer die Umsatzsteuervoranmeldung verspätet einreicht, wird das Finanzamt einen Verspätungszuschlag festsetzen.
  • Säumniszuschlag: Einen Säumniszuschlag von einem Prozent pro Monat setzt das Finanzamt fest, wenn Sie die Zahlungsfrist nur um einen Tag überschreiten.
  • Steuerhinterziehung: Geben Sie wiederholt keine Umsatzsteuervoranmeldung ab, kann das Finanzamt diese Verspätung als Steuerhinterziehung einstufen und wird den Fall an die Bußgeld- und Strafsachenstelle weiterleiten.

So vermeiden Sie Verspätungs- und Säumniszuschläge

Musste das Finanzamt die Daten der Umsatzsteuervoranmeldung schätzen, können Betriebsinhaber mit folgenden Argumenten versuchen, dass das Finanzamt den Verspätungszuschlag entweder mindert oder ganz fallen lässt:

  • Geben Sie technische Probleme für die fehlgeschlagene elektronische Übermittlung Ihrer Umsatzsteuer-Voranmeldung an.
  • Schicken Sie vor Ablauf der Abgabefrist ein Schreiben an das Finanzamt und bitten Sie um Nachsehen, dass die Umsatzsteuer-Voranmeldung zu spät kommen wird. Gute Gründe: Akute Krankheit, Risiko des Auftragsverlusts.
  • Sind Sie das erste Mal auffällig geworden, bitten Sie um Rücknahme des Verspätungszuschlags und geloben Sie zukünftig Besserung.

Tipp: Den Säumniszuschlag bei zu später Zahlung der Umsatzsteuer ans Finanzamt können Sie nur verhindern, indem Sie dem Finanzamt eine Einzugsermächtigung erteilen. Das funktioniert nicht telefonisch, sondern nur schriftlich per Post oder Fax.

Dauerfristverlängerungsantrag bringt Verschnaufpause

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, den monatlichen Stress mit der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldungen deutlich zu entschärfen. Stellen Sie einen Dauerfristverlängerungsantrag. Stimmt das Finanzamt zu, müssen Sie die Umsatzsteuervoranmeldungen immer erst einen Monat später beim Finanzamt einreichen, als gesetzlich vorgeschrieben.

So funktioniert die Dauerfristverlängerung

Muss ein selbständiger Handwerker seine Umsatzsteuer-Voranmeldungen monatlich beim Finanzamt abgeben, ist diese spätestens am 10. des Folgemonats elektronisch zu übermitteln. Doch es gibt eine Möglichkeit, diesen Abgabetermin und die Abgabetermine für die nächsten Umsatzsteuer-Voranmeldungen um jeweils einen Monat zu verschieben.

Das Zauberwort lautet: Dauerfristverlängerung. Von dieser Regelung profitieren auch Unternehmer, die nur vierteljährliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen ans Finanzamt übermitteln müssen.

Statt der Umsatzsteuer-Voranmeldung übermitteln Sie dem Finanzamt bis spätestens 10. Februar des Folgejahrs einen elektronischen Antrag auf Dauerfristverlängerung. Damit das Finanzamt bei monatlicher Abgabeverpflichtung zustimmt, dass die Umsatzsteuer-Voranmeldungen immer einen Monat später eingereicht werden dürfen als gesetzlich vorgeschrieben, muss jedoch eine Sondervorauszahlung geleistet werden.

Sondervorauszahlung ist ein Muss

Sie müssen schnellstens die Zahllast zur Umsatzsteuer des abgelaufenen Jahres ermitteln und bis spätestens 10. Februar ein Elftel davon als Sondervorauszahlung ans Finanzamt überweisen. Doch keine Angst. Diese Sondervorauszahlung bekommen Sie wieder zurück. Diese wird auf die Zahlung aus der letzten Umsatzsteuer-Voranmeldung angerechnet.

Beispiel: Sie sind zur monatlichen Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet. Im Jahr 2017 mussten Sie für Umsätze 19.000 Euro ans Finanzamt abführen und konnten 4.000 Euro Vorsteuern geltend machen (= Zahllast 2017: 15.000 Euro). Möchten Sie eine Dauerfristverlängerung für 2018, müssen Sie folgendermaßen vorgehen:

  • Übermitteln Sie den Dauerfristverlängerungsantrag 2018 elektronisch bis spätestens 10. Februar 2017 ans Finanzamt. Am besten natürlich früher, um bei technischen Problemen nicht zu riskieren, diese Frist zu versäumen.
  • Überweisen Sie bis zum 10. Februar 2018 (besser früher) 1.363 Euro Sondervorauszahlung ans Finanzamt (Zahllast 2017: 15.000 Euro x 1/11).

Keine Sondervorauszahlung bei Quartalsabgabe

Sind Sie zur vierteljährlichen Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen verpflichtet, können Sie auch einen Antrag auf Fristverlängerung beantragen. Hier gibt es jedoch folgende Besonderheiten zu beachten:

  • Der Antrag auf Dauerfristverlängerung muss bei Quartalsabgabe bis spätestens 10. April ans Finanzamt übermittelt werden.
  • Eine Sondervorauszahlung muss bei der Dauerfristverlängerung bei der Quartalsabgabe nicht geleistet werden. dhz

So verhindern Sie den Widerruf der Dauerfristverlängerung

Wer beim Finanzamt einen Antrag auf Dauerfristverlängerung gestellt hat, muss eine Umsatzsteuervoranmeldung einen Monat später ans Finanzamt übermitteln. Doch wer steuerlich auffällig wird, muss mit dem Widerruf dieser Vergünstigung rechnen. Wie Sie diesen verhindern.

Die Dauerfristverlängerung ist nicht nur eine Erleichterung, sie ist auch eine kostenlose Steuerstundungsmöglichkeit. Wer einen Antrag auf Dauerfristverlängerung gestellt hat, muss seine Umsatzsteuervoranmeldung jeweils einen Monat später als gesetzlich vorgeschrieben ans Finanzamt übermitteln. Auch die Zahlung wird dadurch erst einen Monat später fällig.

Beispiel: Ein Unternehmer erbringt im Juli einen Umsatz in Höhe von 50.000 Euro zzgl. 9.500 Euro Umsatzsteuer. Ohne Dauerfristverlängerung muss diese Umsatzsteuer bei Quartalsabgabe spätestens bis 10. Oktober ans Finanzamt überwiesen werden. Bei einer Dauerfristverlängerung erwartet das Finanzamt die Umsatzsteuervoranmeldung für das dritte Quartal erst am 10. November.

Gründe für den Widerruf der Dauerfristverlängerung

Das Finanzamt wird die Dauerfristverlängerung widerrufen, wenn Sie Ihren steuerlichen Verpflichtungen nicht nachkommen. Insbesondere in folgenden Situationen widerruft das Finanzamt die Steuervergünstigung:

  • Ihre Steuerrückstände betragen mindestens 5.000 Euro und sie zahlen nicht.
  • Sie haben die letzten drei Monate keine Umsatzsteuervoranmeldungen ans Finanzamt übermittelt und das Finanzamt hat deshalb geschätzt.
  • Für keinen dieser drei Monate wurde bislang aufgrund der Schätzung eine Umsatzsteuervoranmeldung eingereicht.

Sie können den Widerruf der Dauerfristverlängerung also nur verhindern, indem Sie Ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen.

Tipp: Sollte das Finanzamt die Dauerfristverlängerung widerrufen und Sie fühlen sich ungerecht behandelt, sollten Sie gegen den Widerruf Einspruch einlegen und Ihre Gründe vorbringen. Möglicherweise belässt es das Finanzamt bei einem "Warnschuss" und nimmt den Widerruf für die Dauerfristverlängerung noch einmal zurück.

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