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Ausbildung und Fachkräftesicherung Azubi in Teilzeit: Das gilt für Arbeitszeit, Lohn und Urlaub

Die duale Berufsausbildung gilt als etabliertes und bewährtes Modell. Doch auch sie entwickelt sich weiter, wird flexibler und modernen. So können Azubis ihre Lehrzeit auch in Teilzeit absolvieren. Was wenig bekannt ist, bietet viele Vorteile. Ein Überblick.

Handwerksbetriebe stehen heute mehr denn je im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Eine wichtige Rolle spielt zunehmend die Familienfreundlichkeit und die Option für Mitarbeiter, die Arbeitszeit zu reduzieren. Möglich ist das bereits in der Ausbildung. Die Teilzeitberufsausbildung ist eine noch wenig bekannte Möglichkeit im Spektrum der Ausbildungsangebote im Handwerk. Sie soll hier eine Lücke schließen.

Zwar ist die Ausbildung in Teilzeit mit einem Anteil von nur 0,4 Prozent aller abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt noch weit im Hintertreffen. Doch langsam steigt das Interesse: Drei Jahre zuvor lag der Anteil bei nur 0,2 Prozent. 2014 wurden bundesweit 2.259 Ausbildungsverträge in Teilzeit neu abgeschlossen und so durchliefen insgesamt 5.793 Jugendliche eine Ausbildung in Teilzeit – 36 Prozent davon im Handwerk.

Doch was noch so unbedeutend klingt, bietet viel Potenzial – gerade wenn wieder einmal über den Fachkräftemangel diskutiert wird. "Wenn Fachkräfte fehlen, bekommen vermeintliche Randgruppen und neue Arbeitsmodelle größeres Interesse", sagt Annette Land vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programm Jobstarter des Bundesbildungsministeriums (BMBF), dort für die Ausbildung in Teilzeit zuständig und erfährt immer wieder, wie wenig Arbeitgeber und Jobsuchende über diese Möglichkeit informiert sind.

Welche Vorteile bietet die Ausbildung in Teilzeit?

Das wollen sowohl Jobcenter und Arbeitsagenturen als auch die Wirtschaftsverbände ändern und stellen Info-Angebote und Flyer bereit. "Die Teilzeitausbildungen müssen aus der Nische zu den Regelangeboten finden", fordert Annette Land deshalb. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) wirbt für diese Form der Ausbildung, die den Azubis genauso entgegen kommen würde wie den Betrieben. So können die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens bei der Suche nach Auszubildenden und Fachkräften helfen und dazu noch einen Imagegewinn versprechen. Zudem könnten Ausbildungsabbrüche vermieden werden.

Den Bedürfnissen vieler Arbeitnehmer würde die Teilzeitausbildung entgegenkommen. Denn Familienfreundlichkeit ist über 90 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die zwischen 25 und 39 Jahren alt sind, laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums genauso wichtig oder noch wichtiger als das Gehalt. Und zur Familienfreundlichkeit gehören vor allem Arbeitszeitmodelle, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erlauben.

Wie verläuft die Ausbildung in Teilzeit?

Die Ausbildung in Teilzeit ist bislang so geregelt, dass nur die Zeit im Betrieb verkürzt wird – meist auf 75 Prozent der vergleichbaren Vollzeitstelle. Der Berufsschulunterricht und überbetriebliche Lehrgänge erfolgen in der Regel in Vollzeit. Je nach Klassenstärke können aber gegebenenfalls Teilzeitklassen in Berufsschulen eingerichtet werden. "In Zukunft könnte sich das ändern, wenn hier verstärkt E-Learning-Module zum Einsatz kommen", sagt Annette Land. Hier gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Die Ausbildung in Teilzeit führt nicht zwingend zu einer längeren Ausbildungsdauer, doch dabei entscheidet der Einzelfall. Bei einer wöchentlichen Ausbildungszeit von weniger als 25 Stunden kann sich die Gesamtdauer der Ausbildung verlängern – in der Regel um ein halbes oder ganzes Jahr. Für den Einzelfall spielen die schulische Vorbildung sowie eventuell vorhandene Berufserfahrung der Auszubildenden eine Rolle. Ebenso muss eingeschätzt werden, ob die verkürzte Zeit im Betrieb ausreicht, um innerhalb der Regeldauer alle notwendigen Kenntnisse an die Auszubildenden zu vermitteln. Die Ausbildungsdauer kann jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt noch geändert werden.

Teilzeitausbildung: Was gilt bei der Vergütung?

Anders als die grundsätzliche Möglichkeit der Teilzeitausbildung, die seit 2005 sowohl im Berufsbildungsgesetz (§ 8 BBIG) und in der Handwerksordnung (§ 27 HwO) verankert ist, gibt es für die Vergütung noch keine klaren Vorgaben. Das BIBB rät dazu, dass die Ausbildungsvergütung möglichst der einer Vollzeitstelle entsprechen soll. Rein rechtlich kann die Ausbildungsvergütung allerdings auch verringert werden, "soweit sie noch als angemessene Vergütung zu betrachten ist", lautet die aktuelle Bestimmung.

"Von einer geringeren Ausbildungsvergütung profitieren vor allem Klein- und Kleinstunternehmen, die geringere finanzielle Kapazitäten habe ", sagt Annette Land. So sind es bislang vor allem Kleinbetriebe, die sich für eine Teilzeitausbildung öffnen. Die Teilzeitausbildung ermöglicht ihnen, in die Ausbildung einzusteigen. "Für sie wäre eine volle Vergütung kontraproduktiv. Sie könnten diese häufig gar nicht zahlen und wären damit nicht in der Lage, auszubilden", so die Ausbildungsexpertin.

Die Betriebe profitieren zudem davon, dass sich die Ausbildungszeit flexibel passend zur Betriebsstruktur gestalten lässt. Gerade für die Bürokräfte, die im Handwerk ja genauso gebraucht werden und deren Aufgaben in Kleinstbetrieben auch oft in reduzierter Zeit bewältigt werden können, biete die Teilzeitausbildung Chancen.

Teilzeitausbildung in Zahlen

  • Bundesweit durchliefen im Jahr 2014 insgesamt 5.793 junge Erwachsene eine duale Ausbildung in Teilzeit.
  • 2.259 Ausbildungsverträge in Teilzeit wurden in 2014 neu abgeschlossen (0,4 Prozent aller Ausbildungsverträge).
  • Der Frauenanteil bei der Ausbildung in Teilzeit liegt bei 82 Prozent.
  • Verteilung nach Zuständigkeitsbereichen: IHK-Bereich (43 Prozent ), HWK-Bereich (36 Prozent), Freie Berufe (13 Prozent), Öffentlicher Dienst (4 Prozent), Landwirtschaft (3 Prozent), Hauswirtschaft (1 Prozent)
  • Seit 2005 ist die Ausbildung in Teilzeit rechtlich im Berufsbildungsgesetz (§ 8 BBIG) und in der Handwerksordnung (§ 27 HwO) verankert.
  • Zwei Arbeitszeitmodelle sind möglich: Entweder beträgt die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 25 Wochenstunden. Oder sie beträgt nur 20 bis 24 Wochenstunden und verlängert damit die Ausbildungszeit um maximal ein Jahr.

Quelle: Jobstarter

Ausbildung in Teilzeit: Welche Arbeitsmodelle sind möglich?

Da Arbeitgeber und Teilzeit-Azubi die Zeiten selbst vereinbaren, sind theoretisch viele verschiedene Modelle denkbar. In der Praxis bleiben diese bislang aber meist auf kürzere Arbeitstage und Berufe im Büro und in der Gesundheitsbranche beschränkt. "Für Handwerker, die früh morgens gemeinsam zum Kunden nach Hause oder auf eine Baustelle fahren, ist eine Ausbildung in Teilzeit beispielsweise schwieriger umzusetzen als für Azubis in einem kaufmännischen Beruf. Wenn sich Auszubildende und Betriebe jedoch auf weniger, dafür ganztägig zu leistende Tage einigen, dann lässt sich auch hier die Ausbildung in Teilzeit meistern", sagt Annette Land. Dann müsse meist nur die Kinderbetreuung anders organisiert werden.

Aus ihrer Erfahrung kennt sie aber noch andere Probleme aus den Betrieben, die sich verhindern lassen, wenn alle offen miteinander sprechen. "Es kann Missgunst und Streit unter den Mitarbeitenden erzeugen, wenn Auszubildende kürzer arbeiten, eventuell das gleiche verdienen und am Ende die gleichen Qualifikationen vorweisen können", sagt die BIBB-Mitarbeiterin. Dabei hätten die Azubis, durch die Doppelbelastung mit Kind und Beruf meist eine hohe Arbeitsbelastung zu meistern, die es wertzuschätzen gilt. "Dafür sollte man alle Mitarbeitenden im Betrieb sensibilisieren."

Wenn das gelingt, würden die Vorteile für alle überwiegen. Die Fakten sprechen für sich. Denn auch nach einer in der Regel dreijährigen Teilzeitausbildung haben die Azubis eine komplette Berufsausbildung mit einem vergleichenden Abschluss wie die Vollzeitabsolventen in der Tasche. Modellprojekte haben sogar gezeigt, dass die "Abbruchquoten" der Teilzeitauszubildenden durchweg unter denen von Vollzeitauszubildenden ohne Erziehungspflichten lagen. Zudem hatten die Teilzeit-Azubis weniger Fehlzeiten, bessere Abschlussnoten und waren insgesamt motivierter bei der Arbeit.

Das gilt für die Ausbildung in Teilzeit

Arbeitszeit

  • Die tägliche oder die wöchentliche Arbeitszeit wird reduziert.
  • Wird die wöchentliche Ausbildungszeit, einschließlich des Berufsschulunterrichts, um höchstens 25 Prozent unterschritten und ist das Ausbildungsziel in der gekürzten Ausbildungszeit voraussichtlich zu erreichen, ist eine Verlängerung der kalendarischen Gesamtausbildungszeit nicht erforderlich.
  • Reduziert sich die wöchentliche Ausbildungszeit auf mindestens 20 Wochenstunden, verlängert sich die Gesamtausbildungszeit um maximal ein Jahr.
  • Der Berufsschulunterricht und die Maßnahmen der überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) müssen dabei in vollem Umfang besucht werden.

Ausbildungsvergütung

  • Die Ausbildungsvergütung wird bei reduzierter Ausbildungszeit im Betrieb in der Regel zeitanteilig angepasst.
  • Ergänzende Leistungen zur finanziellen Entlastung der Auszubildenden können bei der Agentur für Arbeit beantragt werden – dies sind z.B. Berufsausbildungsbeihilfe (bei eigenem Haushalt bzw. Haushalt mit Partner), Kindergeld für sich und/oder das eigene Kind, Wohngeld, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld.

Urlaubsanspruch

  • Der Urlaubsanspruch entspricht dem von Vollzeitauszubildenden, sofern nur die tägliche Ausbildungszeit reduziert wird.
  • Reduziert sich die Zahl der betrieblichen Ausbildungstage pro Woche, fällt auch der Urlaubsanspruch in der Regel anteilig aus.

Zu allen Fragen der Teilzeitausbildung beraten die Ausbildungsberatungen der zuständigen Handwerkskammern. jtw/dhz

Weitere Informationen zu den Ausbildungsmöglichkeiten in Teilzeit und Tipps zu finanziellen Hilfen während der Ausbildung gibt unter jobstarter.de.

Dieser Beitrag wurde am 7. Dezember 2016 aktualisiert.

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