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Altersvorsorge Acht Rentenirrtümer im Handwerk

Besondere Spielregeln: Die Rente für Selbständige unterliegt anderen Regeln. Was Sie beachten sollten.

Für Selbständige gelten bei der Altersvorsorge besondere Spielregeln. Stichwort: Handwerkerrentenversicherungspflicht. Abhängig vom Gewerk und der Gesellschaftsform eines Betriebs unterliegen ihr viele Handwerker. Sie verpflichtet sie beim Thema Rente wie Arbeitnehmer.

1. Ab jetzt wird bis 67 gearbeitet

In ein paar Jahren wird dies für die meisten Handwerker gelten. Aktuell jedoch befindet sich die Regelaltersgrenze noch im schrittweisen Übergang von 65 zu 67 Jahren. Die Grenze ist also immer als 65 plus X Monate anzusehen. Alternativ ist die Rente für langjährig Versicherte schon mit 63 möglich. Dann aber mit Rentenabschlägen, es sei denn, der Versicherte hat 45 Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt.

2. Je länger der Handwerker ­arbeitet, desto mehr Geld ­bekommt er im Alter

Im Prinzip stimmt das – denn ist einmal die Regelaltersgrenze überschritten, erhöht sich die gesetzliche Rente für jeden mehr gearbeiteten Monat um 0,5 Prozent. Egal ob Selbstständiger oder Arbeitnehmer. Was viele bei dieser Rechnung jedoch vergessen ist der Rentenausfall. Denn für jeden mehr gearbeiteten Monat geht ein Monat Rente verloren. Ob sich das Wahlhandwerkerdasein tatsächlich lohnt, muss jeder für sich durchrechnen.

3. Selbständige sollten aus der gesetzlichen Rentenversicherung austreten

Die ist unsicher und wirft im Alter nichts ab. So der Glaube. Fakt ist: Nach 18 Jahren kann der versicherungspflichtige Selbständige entscheiden, ob er durch einen „Befreiungsantrag“ austreten möchte und sich privat versichert. Entscheidet sich der Handwerker für den privaten Vorsorgeweg muss ihm klar sein, dass etwa sein Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente damit entfällt. "Ich empfehle, vor der Stellung eines Befreiungsantrages eine umfassende Beratung einzuholen, um individuell entscheiden zu können, wie es weitergeht", erklärt Jörg Hagedorn, Rentenexperte beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Vor allem bei Vorerkrankungen ist es oft schwierig und teuer, sich privat gegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit versichern zu lassen.

4. Rentner dürfen nichts ­dazuverdienen

Ist die Regelaltersgrenze erreicht, steht dem Handwerker seine Rente in vollem Umfang zu. Deshalb ist es auch egal, ob und wie viel er zusätzlich verdient. Er muss weder eine Rentenkürzung befürchten noch sein Einkommen dem Rentenversicherungsträger melden.

5. Wer früher in Rente geht, muss sich entscheiden: Ganz Rentner oder gar nicht

Viele ältere Kollegen sind durch ­einen körperlich anspruchsvollen Beruf am Ende ihrer Kräfte angelangt. Trotzdem fürchten sie einen abrupten Übergang vom vielbeschäftigten Handwerker zum Rentner ohne Aufgabe und arbeiten deshalb Vollzeit weiter. Dabei bietet die vorgezogene Altersgrenze zwei Varianten, den Übergang geschmeidig zu gestalten. Bei der ersten darf der Wahlrentner bei Auszahlung der vollen Rente ­geringfügig weiterarbeiten. Bis zu 450 Euro pro Monat darf er nebenher verdienen. Wem das zu wenig ist, der kann die Teilrente als Alternative in Betracht ziehen. Werte und verschiedene Modelle wie die Zwei-Drittel-Teilrente legen den maximalen Lohn bei gesicherter Rentenauszahlung fest. Generell darf ein Rentner diese Hinzuverdienstgrenzen nicht überschreiten. Dennoch gibt es sowohl bei der Teilrente als auch der 450-Euro-Grenze eine Ausnahme: Zwei Monate im Jahr darf ein Rentner seinen Lohn um das maximal Doppelte überschreiten. Weihnachts- und Urlaubsgeld etwa bewirken also keine Rentenminderung.

6. Der Betrieb ist die sicherste ­Altersvorsorge

Viele Selbstständige stecken ihr ganzes Vermögen in die Firma, um später durch den Verkauf oder Gewinn als Besitzer ihr Leben zu finanzieren. Leider ist dies die unsicherste Geldanlage für die Altersvorsorge. Denn wie sich die Wirtschaft und somit die Auftragslage in zwanzig Jahren entwickelt, kann keiner voraussagen. Ganz schnell kann ein Betrieb kaum noch etwas wert sein. Statt des erhofften Gewinns beim Verkauf muss der frischgebackene Rentner womöglich von seinen Kindern mitfinanziert werden. "Deshalb ist eine grundlegende Altersvorsorge in Form einer Rentenversicherung, ob nun privat oder gesetzlich, für eine sorgenarme Rentnerzeit zu empfehlen", so Hagedorn.

7. Arbeiten in der Rente ist keine Option, da Betriebe ungern alte Menschen einstellen

Obwohl Rentner vielleicht körperlich nicht mehr ganz so schwer arbeiten können wie junge Kollegen, ist ihre Erfahrung für Betriebe ein Schatz. Bei Problemen profitieren alle von über Jahrzehnte hinweg perfektionierten Techniken und dem Wissen. Ebenso ist die Generation 60 plus oft allein im Stande, bestimmte Verfahren älterer Maschinen oder die Substanz alter Bauwerke zu verstehen.

8. Die Rente kommt automatisch

Wer diesem Irrtum unterliegt, wird schnell ohne Geld dastehen. Denn um die Rente zu erhalten, muss sie jeder aktiv beantragen. Drei Monate vorher ist ein gutes Zeitfenster, um sich darum zu kümmern. Wichtig ist der Versicherungsverlauf, den jeder kostenlos beim Rentenversicherer anfordern kann. Diesen am besten auf fehlende Zeiten prüfen, um ihn dann lückenlos einzureichen. Nur dann gibt es Geld.

Beratung in Sachen Altersvorsorge bieten die Handwerkskammern und die Rentenversicherung Bund.

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