Lohnsteuer Zuschüsse des Arbeitgebers für Zusatzkrankenversicherung steuerfrei?

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern monatlich Zuschüsse zu einer Zusatzkrankenversicherung spendieren, ohne dass dafür Lohnsteuern und Sozialabgaben fällig werden. Jedoch nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Bernhard Köstler

Wer mehr Leistungen möchte, als sie die gesetzlcihe Krankenkasse bietet, kann eine private Zusatzkrankenversicherung abschließen. Arbeitgeber können lohnsteuerfreie Zuschüsse bezahlen. - © Volker Witt - stock.adobe.com

Wann sind Zuschüsse lohnsteuerfrei?

Zuschüsse des Arbeitgeber für eine private Zusatzkrankenversicherung (z.B. für Zahnersatz) sind Sachbezüge, wenn der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf eine Geldleistung hat. Bei Arbeitgeberzahlungen bis zu 44 Euro im Monat ist der Zuschuss steuerfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Überschreitet der Zuschuss die 44-Euro-Freigrenze nur um einen Cent, ist der gesamte Zuschuss zu versteuern.

Auf die arbeitsrechtliche Vereinbarung kommt es an

Doch nicht immer klappt es mit der Lohnsteuerfreiheit für diese gut gemeinte Geste. Denn je nach arbeitsrechtlicher Vereinbarung sind solchen Zuschüsse lohnsteuerfrei oder eben lohnsteuerpflichtig. Der Bundesfinanzhof hat aktuell zu zwei Fällen entschieden und die Differenzen herausgearbeitet.

Urteil 1: Bundesfinanzhof bestätigt steuerfreien Sachbezug

Im ersten Urteilsfall hat der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer für seine Mitarbeiter Zusatzkrankenversicherungen abgeschlossen und die Beitragszahlungen je Mitarbeiter auf monatlich 43,99 Euro begrenzt. Arbeitnehmer, die diesen Versicherungsschutz nicht wollten, hatten keinen alternativen Anspruch auf eine Geldleistung.

Folge: Da der Arbeitnehmer keine Geldleistung von seinem Arbeitgeber verlangen kann, sondern nur von der Sachleistung (= Zuschuss zur Versicherung) profitiert, und da die Beitragszahlungen die Freigrenze von 44 Euro im Monat nicht überschreiten, ist der Zuschuss steuerfrei (BFH, Urteil vom 7. Juni 2018, Az. VI R 13/16; veröffentlicht am 12. September 2018).

Praxis-Tipp: Arbeitnehmer sollten bei ihrem Arbeitgeber nachhaken, ob dieser in einem vergleichbaren Fall Lohnsteuer auf den Zuschuss einbehalten hat. Wenn ja, kann dieser Fehler durch Reduzierung des Arbeitslohns im Rahmen der Bearbeitung der Einkommensteuererklärung korrigiert werden. Der Arbeitnehmer muss dazu einen Antrag beim Finanzamt stellen.

Urteil 2: Bundesfinanzhof kippt Steuerfreiheit von Zuschüssen

Nicht so glücklich lief es für den Kläger in einem zweiten Urteil. Der Arbeitgeber wies in einem Aushang darauf hin, dass er mit einem Versicherungsunternehmen kooperiert. Arbeitnehmer, die Interesse daran hatten, mit dieser Versicherung eine Krankenzusatzversicherung abzuschließen, bekamen einen Zuschuss von monatlich 44 Euro. Versicherungsnehmer wurde der jeweilige Arbeitnehmer, der seine Beitragszahlungen selbst leistete und dafür von seinem Arbeitgeber 44 Euro mehr Gehalt pro Monat bekam.

Folge: Zahlt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Zuschuss unter der Bedingung, dass dieser mit einem vom Arbeitgeber benannten Unternehmen einen Vertrag schließt, wendet er Geld und keine Sachleistung zu. Der Zuschuss ist damit steuerpflichtig (BFH, Urteil vom 4. Juli 2018, Az. VI R 16/17; veröffentlicht am 12. September 2018).

Praxis-Tipp: Arbeitgeber, die sich nicht sicher sind, wie das Finanzamt ihr Zuschussmodell für private Zusatzkrankenversicherung zu Gunsten von Arbeitnehmern lohnsteuerlich einstuft, können beim Finanzamt einen Antrag auf eine Anrufungsauskunft nach § 42e EStG stellen. Diese Leistung – nämlich die lohnsteuerliche Einschätzung – ist ein Gratis-Service des Finanzamts.