Debatte um Energiepolitik Zetsche: „Absatzzahlen von SUVs stärker als Umfragewerte der Grünen“

Auf dem Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken diskutierten 2500 Politiker, Unternehmer, Manager und Wissenschaftler über Zukunftsfragen des Mittelstandes. Im Fokus standen dabei insbesondere die Herausforderungen der Energiewende.

Bundeswirtschaftsminister Phlipp Rösler betonte, dass „Ja“ zum Ausstieg aus der Atomenergie nun auch „Ja“ zum Bau neuer Gas- und Kohlekraftwerke heißen müsse. Realismus sei gefragt, nur mit Windrädern und Solarzellen werde sich der Energiebedarf Deutschlands künftig nicht decken lassen. Dem Mittelstand versprach Rösler, dass sich die Bundesregierung bei der Innovationsförderung erneuerbarer Energien auf ihn konzentrieren werde. Es sei der Regierung bewusst, dass der Mittelstand aus eigener Kraft in der Regel keinen großen Entwicklungsabteilungen unterhalten könne.

Als Stimme der Automobilindustrie ging Daimler-Chef Dieter Zetsche auf die Veränderung der Mobilität im Zuge der Energiewende ein. „Autos werden nachhaltiger, aber nicht langweiliger", so der Vorstandsvorsitzende. Daimler werde zwar noch lange Verbrennungsmotoren einsetzen, aber im Stadtverkehr würden Elektroautos an Bedeutung gewinnen, wie beispielsweise der Elektro-Smart, von dem bereits rund 3.000 Modelle verkauft worden seien.

Elektroantriebe alleine könnte aber nicht die Zukunft sein. Nur ein Energiemix – mit Wasserstoffantrieben für Langstrecken – führe zum Erfolg. Trotz anhalten Wachstums, müsse die sich die Automobilindustrie „warm anziehen“ und sensibel für die Wünsche der Kunden sein. Umweltfreundlichkeit sei das eine, Sicherheit, Komfort und Spaß sei aber nicht weniger wichtig. „Nicht von ungefähr steigen die Absatzzahlen von SUVs stärker als die Umfragewerte der Grünen“, veranschaulichte Zetsche.

Risiko der Versorgungsstörung

Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsmitglied beim Energieriesen E.on räumte ein, der schnelle Ausstieg aus der Kernenergie hat uns „kalt erwischt“. Eine der Konsequenzen bestünde darin, noch stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. „Es ist kaum bekannt, dass E.on in den USA als durch und durch grünes Unternehmen gilt", betonte Maubach. Um die ehrgeizigen Energieziele der Bundesregierung umzusetzen, müssten Leitungen quer durch Deutschland errichtet werden. Eine sichere und bezahlbare Energieversorgung sei notwendig, damit weiterhin in Deutschland investiert werde. Die Herausforderungen aus der Energiewende dürften nicht unterschätzt werden. Das Risiko einer erheblichen Versorgungsstörung liege in Deutschland zwar unter 50 Prozent, doch steige die Gefahr in bestimmten Regionen wie Frankfurt.

dhz