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Sensoren im Autoreifen Winterreifen: Teurer Spaß dank Reifendrucksensoren

Reifendruckkontrollsysteme für neu zugelassene Autos sind Pflicht. Direkt, indirekt, ab Werk oder nachgerüstet – Reifendruckkontrollsysteme helfen, Unfälle zu vermeiden und die Umwelt zu schonen. Allerdings kann der Wechsel auf Winterreifen für Autofahrer teuer werden.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Auto: Themen rund ums Fahrzeug

Bereits seit November 2014 sind direkt oder indirekt messende Reifendrucksensoren für die Zulassung von Neuwagen Pflicht. Die automatische Überwachung des Reifendrucks soll gleichermaßen dem Umwelt- und Unfallschutz dienen.

Fahrzeuge mit schlaffen Reifen verbrauchen laut Angaben der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) wegen des erhöhten Rollwiderstands mehr Kraftstoff als mit korrekt aufgepumpten Reifen. Der ADAC spricht von bis zu 0,4 Liter auf 100 Kilometer bei einem Minderdruck von 0,5 bar. Und die Gummis verschleißen schneller.

Der Wechsel auf Winterreifen jedoch, kann dank der Reifendrucksensoren ein teurer Spaß werden. Allerdings gibt es verschiedene Reifendruckkontrollsysteme mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Worauf Autofahrer achten sollten:

Diese Reifendruckkontrollsysteme gibt es

Direkt messende Systeme (dTPMS Direct Tire Pressure Monitoring System)


Dieses System hat üblicherweise Druck- und Temperatursensoren, die im Reifeninneren am Ventil oder im Felgenbett befestigt sind. Per Funk sendet der Reifendrucksensor die Messwerte in bestimmten Zeitabständen an ein Steuergerät. Bei Unterschreitung der festgelegten Warngrenze oder zu hoher Temperatur im Reifen leuchtet eine Kontrolllampe in der Armaturentafel auf.

"Direkt messende Systeme erkennen nicht nur schnellen Druckverlust, sondern auch den so genannten Diffusionsverlust. Selbst wenn der Luftdruck langsam und an mehreren Reifen gleichzeitig schwindet", sagt Michael Staude vom TÜV Süd: Laut den Experten ein weiterer Vorteil: Das direkt messende System kann einen absoluten Druckwert anzeigen.

Der große Nachteil: Direkt messende Systeme müssen in der Fachwerkstatt eingebaut werden. Zudem benötigen Autofahrer einen zusätzlichen Satz für die Winterreifen.

Indirekt messende Systeme (iTPMS indirect Tire Pressure Monitoring System)

Indirekt messende Systeme vergleichen die Raddrehzahlen über die Sensoren des Antiblockiersystems (ABS) – neuere Systeme nutzen zusätzlich die Signale von anderen Sensoren des Fahrzeuges. Beispielsweise die Schwingungsfrequenzen der Reifen oder Beschleunigungssignale. Hat ein Reifen weniger Luft, kann das System dies analysieren und schlägt Alarm.

Diese indirekt messenden Reifendrucksensoren werden von den Herstellern ab Werk angeboten und erfordern eine eigene Software, die speziell an das Auto und seine Fahrwerkcharakteristik angepasst sein muss. Wenn der Autohersteller das nicht vorgesehen hat, ist eine Nachrüstung nicht möglich.

Verfügt ein Auto dagegen über das iTPMS hat dieses System einen großen Vorteil: Ein zweiter Satz Sensoren für die Winterräder wird ebenso überflüssig wie ein Austausch der Batterien in den Sensoren. Der Nachteil des Systems: Bei der Genauigkeit steht iTPMS den direkt messenden Lösungen noch etwas nach. Allerdings werden die indirekten Reifendruckkontrollsysteme immer besser. Die neueste Generation erkennt sogar den schleichenden Druckverlust.

Spezielle Ventilkappen

Die dritte Möglichkeit den Reifendruck zu überprüfen sind Messsensoren in speziellen Ventilkappen. Hier gibt es Modelle, die von außen erkennbar durch einen Farbwechsel den Druckverlust signalisieren. Neuere Ausführungen enthalten wie bei direkt messenden Systemen einen Sender, der den realen Druck meldet – an ein eigenes Display im Cockpit oder an eine Smartphone App.

Zwar ist diese Variante die kostengünstigste und einfachste Möglichkeit, um die Reifendrucksensoren nachzurüsten, allerdings auch die mit den größten Nachteilen. Aufgrund ungenauer Messungen, Abreißgefahr und einem zu hohem Gewicht am Ventil raten die Experten vom TÜV Süd sogar gänzlich von dieser Variante ab.

Oftmals verlängern die Sensoren das System über den Reifen hinaus, wodurch die Gefahr von Beschädigungen bis hin zum Abreißen besteht. Das zusätzliche Gewicht kann Unwucht oder für das Ventil gefährlich hohe Zentrifugalkräfte erzeugen. Besonders zu bedenken ist, dass diese Lösungen den Ventileinsatz dauerhaft geöffnet halten.

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Geringeres Risiko durch Reifendrucksensoren

Egal für welches System sich ein Autofahrer entscheidet, was bringen die Reifendrucksensoren in puncto Fahrsicherheit? Ein zu geringer Fülldruck in den Reifen bedeutet einen längeren Bremsweg und weniger Grip bei Nässe. Außerdem leidet die Fahrstabilität, und es sind Reifenschäden möglich. Bei hohem Tempo auf der Autobahn kann das dramatische Folgen haben. Diese Risiken für Autofahrer und Nebenwirkungen für die Umwelt sollen die elektronischen Reifenwächter minimieren. Denn die regelmäßige Druckkontrolle an der Tankstelle wird von Fahrzeughaltern häufig vernachlässigt: Wer schaut schon wie empfohlen alle 14 Tage oder mindestens monatlich bei den Reifen nach dem Rechten?

Hohe Kosten für Sensoren beim Wechsel auf Winterreifen

Die Zeche für die mangelnde Prüfmoral zahlen viele Neuwagenbesitzer, wenn sie für ihren Wagen Winterreifen auf einem Extra-Felgensatz anschaffen. Verfügt das Auto über ein direkt arbeitenden System – wie oben beschrieben - das dauerhaft Messwerte aus allen vier Reifen ans Fahrzeug übermittelt, fallen neben den üblichen Kosten für Felgen und Reifen noch jene für die Anschaffung und Montage der Sensoren an. Organisationen wie ADAC und TÜV Süd gehen bei einem Radsatz von 250 bis 300 Euro für die Sensoren plus etwa 50 Euro für Einbau und Programmierung in einer Fachwerkstatt aus.

Davor bleiben diejenigen verschont, deren Wagen über ein indirekt arbeitendes Reifendruckkontrollsystem verfügt. Allerdings sind das nur wenige Autofahrer. Denn: Inzwischen setzten beinahe alle Hersteller bei ihren Modellen auf das direkt messende System

Fehlermeldung durch fehlende Messdaten

 Besitzer von Autos mit direkt messendem RDKS könnten nun - um die Zusatzkosten für die Sensoren im Winterradsatz zu sparen - auf die Idee kommen: Wo kein Sensor, da kein aktives System. "Das ist aber ein Trugschluss", sagt Ruprecht Müller vom ADAC Technik Zentrum. "Als das RDKS noch nicht Bestandteil der Kfz-Typzulassung war, konnte man es zum Beispiel für den Betrieb mit Winterrädern noch abschalten. Das ist jetzt nicht mehr erlaubt und nicht mehr möglich." Die Folge: Kommen keine Messdaten in der Bordelektronik des Autos an, hat der Fahrer permanent eine Fehlermeldung im Cockpit.

Eine andere Rechnung geht auch nicht wirklich auf: Sommer- und Winterreifen von Saison zu Saison auf einem Felgensatz hin- und herwechseln zu lassen, dürfte allein wegen der hohen Montagekosten auf die Dauer teurer sein, als ein zusätzlicher Satz der Reifendrucksensoren. Außerdem leiden Felgen und Reifen sehr darunter.

Unbedingt einen Preisvergleich machen

Prinzipiell sei es aber möglich, die mit dem Neuwagen mitgelieferten Sensoren in andere Reifen einzupflanzen. Und so lautet die einzige Lösung zur Vermeidung von Extrakosten: Ganzjahresreifen fahren. "Die sind aber immer nur ein Kompromiss", betont ADAC-Experte Müller. Gerade im Winterbetrieb kämen sie nicht an die Leistung guter Saisonreifen heran.

Anstatt am falschen Ende auf Kosten der Sicherheit zu sparen, rät der ADAC bei der Anschaffung von Winterrädern und Reifendrucksensoren zum intensiven Preisvergleich. "Bei Reifenhändlern werden Kunden da meist besser wegkommen als in Vertragswerkstätten." Bei den Sensoren seien Autobesitzer in der Regel nicht auf teure Originalteile der Fahrzeughersteller angewiesen, sondern bekommen auf dem Zubehörmarkt auch Universalsensoren, deren Elektronik vom Fachhändler passend für die meisten Pkw-Modelle angelernt werden kann.

"Wer RDKS-Sensoren für seine Winterräder braucht, geht besser kein Risiko ein und kümmert sich möglichst frühzeitig darum", warnt Müller. Denn wenn Frost oder Schnee erst einmal da sind, akzeptiert die Polizei keine Entschuldigungen: Dann sind wintertaugliche Reifen am Auto ein Muss. dhz

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 23. Oktober 2017.

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