Es ist 25 Jahre her, da nahm der erste kommerzielle Windpark in Deutschland seinen Betrieb auf. Inzwischen ist Wind ein wesentlicher Bestandteil in unserem Energiemix und seine Bedeutung soll in den nächsten Jahren weiter wachsen und neue Arbeitsplätze entstehen lassen.
Über 13 Millionen Drei-Personen-Haushalte könnten aktuell mit dem Strom versorgt werden, der durch Windkraftanlagen erzeugt wird. Damit werden inzwischen etwa neun Prozent des gesamten Stromverbrauchs durch Windkraft gedeckt. Zum Vergleich: 1990 hätten durch die Windenenergie gerade einmal rund 20.000 Haushalte in Deutschland versorgt werden können.
Der erste deutsche Windpark an der Nordseeküste kam 1987 mit 32 Anlagen nur auf eine Leistung von 0,5 Megawatt. Doch die Technologie hat sich rasch weiterentwickelt. Waren die Anlagen in den 1980er Jahren rund 30 Meter hoch, erreichen manche heute 160 Meter. Je höher das Windrad dreht, desto mehr Energie kann mit größeren Rotoren erzeugt werden. Damit lohnt sich auch die Errichtung von Windkraftanlagen, die nicht direkt an den windigen Küsten von Nord- und Ostsee liegen.
Arbeitgeber Wind
Die einstige Branche für Bastler und Tüftler hat sich inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Mehr als 100.000 Mitarbeiter in der Windenergie-Industrie sind allein in Deutschland beschäftigt. Der Umsatz beträgt knapp sechs Milliarden Euro, wovon etwa zwei Drittel auf das Exportgeschäft entfallen. Längst ist nicht mehr alles Made in Germany, was in deutschen Windparks rotiert. Türme und Rotorblätter fertigen viele Firmen mittlerweile an Produktionsstätten im Ausland, während Gondeln mit Generatoren, Getriebe und Elektronik in der Regeln noch hierzulande hergestellt werden.
Die Bundesregierung hat für die Windenergie große Ziele für die nächsten Jahre. Bis zum Jahr 2022 sollen insgesamt 60.000 Megawatt generiert werden, davon 13.000 Megawatt abseits des Landes in Nord- und Ostsee. Sollte dies gelingen, wäre es eine Verdoppelung der aktuellen Gesamtleistung.
Land gegen Meer
Die Errichtung von Windparks auf dem offenen Meer läuft bisher allerdings schleppend voran. Probleme mit dem Anlagenbau und der Netzanbindung führten zu Verzögerungen und ausufernden Kosten. Besser läuft es auf dem Land: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 405 Anlagen mit einer Leistung von 1.000 Megawatt neu installiert – auf dem Meer waren es in diesem Zeitraum nur neun Windräder.
Wichtigste Windkraftstandorte in Deutschland sind derzeit Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt. Aber auch in südlichen Bundesländern wie zum Beispiel Bayern wird kräftig gebaut. Deutschland muss sich allerdings vor der Konkurrenz aus dem Ausland vorsehen. So ist schon jetzt China der mit Abstand größte Windproduzent der Welt, gefolgt von den USA, Indien und Deutschland. sg/iw
