Ökostrom Wind- und Solaranlagen laufen auf Hochtouren

Der späte Frühling bringt Sonne und Wind in Massen. Die Ökostromproduktion ist auf das höchste Niveau aller Zeiten gestiegen und hat die herkömmlichen Kraftwerke übertroffen. Gleichzeitig erlebt der Kohlestrom eine Renaissance. Eine Bilanz zur aktuellen Problematik der deutschen Energieerzeugung.

Anlagen für erneuerbare Energien erzeugen momentan Spitzenmengen. Erstmalig haben sie die herkömmlichen Kraftwerke überholt. - © Foto: Armin Weigel/dpa

Die Energiewende ist abhängig vom Wetter, denn mit der Entwicklung besserer Speichertechnik kommt Deutschland nicht so schnell voran wie es eigentlich nötig wäre. Reichlich Sonne und viel Wind haben die Ökostromproduktion in Deutschland zum Frühlingsbeginn jedoch auf das höchste Niveau aller Zeiten steigen lassen.

Am vergangenen Donnerstag produzierten Windräder und Solaranlagen nach Zahlen der Leipziger Strombörse EEX Strom eine Leistung von bis zu 35.900 Megawatt. Über mehrere Stunden war die Ökostromproduktion damit höher als die Erzeugung in Kohle- und Atomkraftwerken. Erwartet worden war nur eine Produktion von maximal 32.600 Megawatt.

Stromkosten auf Allzeithoch

"Erstmals wurde Deutschland an einem laststarken Werktag zwischenzeitlich zu mehr als 50 Prozent mit Strom aus Wind- und Solaranlagen versorgt", erklärt der Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien in Münster, Norbert Allnoch. Der bisherige Ökostromrekord habe bei knapp 33.000 Megawatt gelegen.

Doch trotz dieser Spitzenwerte erlebt auch der Kohlestrom derzeit eine Renaissance. Durch den EU-weiten Verfall der Preise für CO2-Verschmutzungsrechte wird die Verwendung von Kohlestrom günstiger und die Industrie profitiert weniger, wenn sie auf Klimafreundlichkeit setzt. Auch deshalb exportierte Deutschland im ersten Quartal 2013 so viel Strom in das Ausland wie selten zuvor.

Ein weiteres Problem sind fehlende Speicher für Ökostrom – ohne einen Durchbruch drohen die Kosten des Umbaus aus dem Ruder zu laufen, schon jetzt sind die Strompreise auf einem Allzeithoch. Die Bürger zahlen den Ausbau per Umlage über den Strompreis mit.

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Trotz der derzeitig gut laufenden Ökostromproduktion dürfe man jetzt aber nicht den Fehler machen, von einem Überangebot zu sprechen. "Es ist allenfalls zu viel Kohlestrom im Netz", warnt deshalb der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien, Hermann Falk.

Die alten Kraftwerke müssten dringend flexibler werden, damit sie an Tagen wie diesen den Erneuerbaren Energien ihre gesetzlich garantierte Vorfahrt geben können. "Für den künftigen Ausgleich von Wind- und Solarenergie brauchen wir hochflexible Kraftwerke." Die Devise müsse lauten: Flott und flexibel, statt träge und schmutzig. Braun- und Steinkohle hatte 2012 einen Anteil an der Stromerzeugung von knapp 45 Prozent, Ökostrom von 22 Prozent.

Klimaschutzproblem droht

Gerade klimafreundlichere Gaskraftwerke, die aus Sicht der Bundesregierung eigentlich Atom- und mittelfristig auch schmutzige Kohlekraftwerke ersetzen sollen, rentieren sich derzeit nicht mehr, weil Kohlestrom so gefragt ist. Doch gerade Gaskraftwerke lassen sich schnell hochfahren und könnten daher am besten auf die wetterabhängige Ökostromproduktion reagieren.

Eine Lösungsoption für das Dilemma mit dem Kohlestrom wurde am Dienstag allerdings vom Europaparlament in Straßburg aber abgelehnt. Hätte es dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen Markteingriff in den Emissionshandel zugestimmt, würden die Verschmutzungsrechte für jede ausgestoßene Tonne CO2 steigen.

Dann dürfte die Kohlestromproduktion weniger lukrativ werden – ohne Reform droht ein Klimaschutzproblem. Im vergangenen Jahr sind die CO2-Emissionen überraschend wieder gestiegen. Trotz immer mehr Solar- und Windstrom legten sie um zwei Prozent zu. dhz/dpa