Zügig für Geldeingang sorgen Wie Sie Ihre Forderungen im Griff behalten

Zur Liquiditätssicherung sollten Handwerker auch auf die Bonität ihrer Kunden und ihr Forderungsmanagement achten. Wie Betriebe Schritt für Schritt vorgehen sollten.

Michael Sudahl

Gerade das Baugewerbe sollte auf die Bonität seiner Kunden achten.

Der tägliche Blick aufs Bankkonto und das Verfolgen der Zahlungsströme gehört genauso zum Handwerk wie das Pflegen des Werkzeugs. Damit das vor allem in der Corona-Krise gelingt, und genügend freie Reserven auf dem Konto liegen, sollten Handwerker darauf achten, mit wem sie Geschäfte machen, meint Stefan Maier von der Handwerkskammer Region Stuttgart. Denn wenn das Konto am Limit ächzt, ist der Fehler oft schon früher passiert. Gerade im Baugewerbe gibt es Bauträger als Auftraggeber, um deren Bonität es nicht gutsteht. Maier rät, lieber die Finger von diesen Kunden zu lassen.

Eine Bonitätsprüfung der Kunden über Creditreform oder über eine Anfrage bei der Hausbank ist der erste Schritt hin zu einem professionellen Forderungsmanagement. Schritt Nummer zwei sind Werkverträge inklusive AGB, die jeder Handwerker, zumindest bei größeren Aufträgen, machen sollte. Musterverträge und -AGB finden sich bei Fachverbänden und in Innungen. Sich auf die VOB zu verlassen, kann bei Privatkunden gefährlich werden. Entsprechende Gerichtsurteile legen nahe, Werkverträge abzuschließen.

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Frühzeitig Abschlagszahlungen anfordern

Ändern Kunden ihre Wünsche, sollten Handwerker diese protokollieren. "Da reicht oft eine einfache E-Mail", sagt Maier, der zudem rät, Abnahmen nicht nur zu machen, sondern ebenfalls zu protokollieren. Was der Kunde anerkennt, mag er bezahlen. Geht es dann konkret ums Geld, weist die Kammer darauf hin, dass Handwerker frühzeitig Abschlagszahlungen anfordern sollten. Materialeinkauf könnte so direkt als Abschlagsrechnung an den Kunden weitergegeben werden, um die Kreditlinie zu schonen. Dass darüber zuvor mit dem Kunden gesprochen oder verhandelt werden muss, ist einleuchtend.

Kommunikation ist im gesamten Forderungsmanagement ein wichtiger Baustein. In enger Abstimmung mit dem Steuerberater können Handwerker ein softwaregestütztes Mahnwesen aufsetzen und zum richtigen Zeitpunkt das passende Schreiben an Kunden schicken. Von der freundlichen Erinnerung über die erste und zweite Mahnung bis hin zur Androhung gerichtlicher Schritte. Maier empfiehlt jedoch vor dem ersten Brief ein persönliches Telefonat.

"Rufen Sie als Chef an und fragen Sie nach dem Grund für den Zahlungsverzug", so der Berater. In vielen Fällen kämen Inhaber durch Fragen und daraus entstehenden Gespräch mit ihren Kunden schneller zum Ziel – sprich sie bekämen schneller ihr Geld aufs Konto, weil sich im Dialog Probleme besser lösen lassen.

Zügiger Geldeingang duch Skontogewährung

Zu überlegen sei bei großen Aufträgen auch, Skonto einzuräumen. Zwar sind Handwerkerrechnungen sofort netto fällig, doch nicht alle Kunden halten sich daran. Zwei Prozent weniger Gewinnmarge können sich bei neun Prozent Kontokorrentzinsen dennoch rechnen. Wer zudem am Liquiditätslimit fährt, schont mit zügigerem Geldeingang seine Nerven. Und spart sich unnötige Reportings an die Hausbank.

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Kommt einem ein Kunde nicht ganz sauber vor, rät Maier zu Bauhandwerkersicherung. Zahlt der Bauherr nicht, kann der Handwerker in jeder Phase des Auftrags eine Sicherung nach § 648a BGB verlangen. Das ist meist eine Bankbürgschaft über die volle Auftragssumme plus zehn Prozent Zuschlag für Nebenforderungen. Legt der Bauherr diese nicht vor, darf der Betrieb seine Arbeit stoppen und die bisherige Leistung plus Zuschlag abrechnen.

Mittels Factoring lässt sich das Forderungsmanagement komplett vergeben. Dabei verkauft der Handwerker alle Rechnungen an eine Factoring-Firma, die beim Kunden das Geld eintreibt. Natürlich gegen eine Gebühr, die bei maximal 1,5 Prozent der Rechnungssumme liegen sollte.