Notfallpläne und Versicherungen Extremwetter: Welche Versicherung für Betriebe sinnvoll ist

Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und kaputte Autos - in einigen Regionen Deutschlands sind die Unwetterschäden massiv. Starkregen und Hochwasser kommen angesichts des Klimawandels immer häufiger vor. Trifft die Flut einen Handwerksbetrieb, sind auch Gebäude, EDV und Maschinen betroffen. Was die Versicherung zahlt und wie Betriebsinhaber sich absichern können.

Straßenreinigung nach Unwetter in Landshut
In diesem Sommer hat es in vielen Regionen Deutschlands stark geregent. - © picture alliance/dpa | Armin Weigel

Das Wetterereignis, das vor acht Jahren das Autohaus Griesbeck im niederbayrischen Deggendorf traf, war für das Unternehmen so einschneidend, das es sogar einen Platz in der Unternehmenshistorie bekommen hat. "2013: Das Jahrhundert-Hochwasser zerstört den Hauptsitz in Deggendorf – es folgt ein monatelanger Wiederaufbau", heißt es auf der Internetseite des traditionsreichen Kfz-Betriebs.

Autohaus wird komplett überschwemmt

Es war der 4. Juni 2013, als sich infolge eines Dammbruchs das Donauwasser seinen Weg durch den Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf bahnte und dort für Chaos und Zerstörung sorgte. Auch das Autohaus Griesbeck wurde komplett überschwemmt. Die Gebäude wurden erheblich beschädigt, das Inventar zerstört – und nicht zuletzt zerstörte das Wasser auch 272 der insgesamt 312 auf dem Gelände stehenden Fahrzeuge, die meisten davon hochpreisige Autos der Marken Jaguar und Land Rover. Insgesamt belief sich der Schaden an Gebäude, Inventar und Fahrzeugen auf satte elf Millionen Euro.

Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hochwasser kommen hierzulande angesichts des Klimawandels immer häufiger vor – und verursachen immense Schäden. Satte 400 Millionen Euro waren es im Jahr 2020, so die Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Betroffen davon sind längst nicht nur Privathaushalte: Auch Gewerbe- und Industriebetrieben machen die zum Teil immer extremer werdenden Wetterereignisse zu schaffen. "Dringt Starkregen oder Hochwasser ins Gebäude eines Betriebs, entstehen schnell teure Schäden an Bauten oder Geräten", sagt Dominic Herrmann von der Nürnberger Versicherung. "Firmen stehen dann schnell vor hohen Kosten für Aufräumarbeiten, Reparaturen oder Produktions- und Verkaufsausfälle." Vor allem für kleine und mittlere Betriebe könne das schnell existenzbedrohend werden. Wichtig sei es daher, rechtzeitig technische Maßnahmen zu treffen, um Schäden vorzubeugen.

Extremwetter: Betriebe sollten Gefahren analysieren

Jeder Betrieb sollte zunächst eine Gefahrenanalyse durchführen. Dazu gehört insbesondere die Frage, ob der Standort in einem hochwassergefährdeten Gebiet liegt. Anhaltspunkte liefert hier der "Naturgefahren-Check" des GDV:  Hier können Besitzer von Wohn- und Gewerbeimmobilien erfahren, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit an ihrem Ort verursacht haben. Details zur Gefährdung durch Flusshochwasser liefert darüber hinaus der "Hochwasser-Check". "Diese Tools können ein zentrales Informationssystem der öffentlichen Hand jedoch nicht ersetzen", sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Vielmehr solle Deutschland die Informationen zu Naturgefahren und klimatischen Veränderungen bündeln und der Öffentlichkeit in einem zentralen Online-System zugänglich machen. "Wir setzen uns nachdrücklich für ein bundesweites Naturgefahrenportal ein."

Im Zuge der Gefahrenanalyse gelte es auch zu überprüfen, auf welchen Wegen Wasser theoretisch ins Gebäude eindringen könnte. "Besonders anfällig dafür sind ebenerdige Eingänge, Kellerlichtschächte, tief liegende Kellerfenster, Abgänge und Treppen, aber auch ein Hof, Stellplätze oder eine Einfahrt mit Gefälle zum Betriebsgebäude sowie eine tieferliegende Garage", erklärt Herrmann. Sind diese Schwachstellen erkannt, sollte man sich geeignete Schutzmaßnahmen überlegen. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, Eingänge und Tiefgaragen mit Schwellen zu versehen, Kellerlichtschächte zu ummauern, druckwasserdichte Fenster und Türen einzubauen oder ebenerdige Gebäudeöffnungen zu vermeiden. Zudem sei eine Rückstausicherung wichtig, so Herrmann. Diese verhindert, dass Wasser über Bodenabläufe oder Sanitäreinrichtungen ins Gebäude läuft, wenn sich bei Starkregen das Wasser in der Kanalisation staut. Für den Ernstfall sollte man zudem über Hilfsmittel wie Pumpen oder Auftriebssicherungen verfügen.

Notfallplan erstellen

Und natürlich sollte man auch einen Notfallplan in der Tasche haben. "Betriebe sollten im Vorfeld einen Verantwortlichen bestimmen und Abläufe festlegen“, so Versicherungsexperte Herrmann. Dazu gehört beispielsweise das Aufräumen gefährdeter Außenflächen wie Abstellflächen, Lager oder Parkplätze, aber auch das kurzfristige Umräumen von EDV oder Dokumenten. Bei der Bestimmung, wann es an der Zeit ist, diese Maßnahmen einzuleiten und damit größere Schäden zu verhindern, helfen Frühwarnsysteme wie zum Beispiel Pegelbeobachtungen bei großen Flüssen, Unwetterwarnungen oder Warn-Apps wie NINA oder KatWarn.

Aber auch die besten Vorsorgemaßnahmen bieten keine vollständige Sicherheit vor Schäden durch Hochwasser. Daher ist die richtige Absicherung umso wichtiger. Eine Gebäudeversicherung kommt für Schäden an gewerblichen Immobilien auf. "Für die Absicherung von Schäden durch Naturgefahren wie Starkregen oder Überschwemmung sollten Unternehmen darauf achten, dass 'Weitere Naturgefahren' miteingeschlossen sind", rät Nürnberger-Experte Herrmann. Die Gebäudeversicherung übernimmt dann beispielsweise die Kosten für Trockenlegung oder den Wiederaufbau zerstörter Gebäude. "Eine Geschäftsinhaltsversicherung sichert zusätzlich Schäden am gesamten Betriebsinventar – von der Büroeinrichtung bis zu Produktionsmaschinen – sowie an Waren und Vorräten ab", so Herrmann. Auch hier ist der Baustein "Weitere Naturgefahren" wichtig, um gegen Hochwasser oder Überschwemmungen abgesichert zu sein.

Was deckt die Versicherung bei Hochwasserschäden an Autos ab?

Hochwasserschäden an Autos sind in der Regel durch eine vorhandene Teilkasko-Versicherung abgedeckt. Grundsätzlich bezahlt diese die durch Hochwasser beziehungsweise Überschwemmung eingetretenen Schäden am Fahrzeug, auch wenn hierdurch ein Totalschaden entstanden ist. Doch nicht immer muss ein Hochwasser-Auto gleich als Totalverlust abgeschrieben werden, heißt es beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Ganz wichtig sei in diesem Fall überlegtes Handeln, um den Schaden zu minimieren. So sollte keinesfalls versucht werden, das Auto zu starten, das zuvor unter Wasser stand, rät der Verband. Ist nämlich Wasser in den Motor eingedrungen, könnte er dabei durch den so genannten Wasserschlag beschädigt werden. Selbst wenn das Triebwerk anspringt, bestehe die Gefahr, dass Wasser ins Öl gelangt ist beziehungsweise noch angesaugt wird – was dann ebenfalls zu einem Motorschaden führen kann.

Auch das Autohaus Griesbeck hatte 2013 Glück im Unglück: Den Großteil des Hochwasserschadens trug seinerzeit die Versicherung – und auch die Kunden kamen wieder, nachdem der Betrieb im Oktober 2014 seine Wiedereröffnung gefeiert hatte.