Mobilität -

Teilen statt kaufen Wie Handwerksbetriebe Carsharing nutzen

Wer lediglich ab und an ein Auto braucht, fährt mit Carsharing oft günstiger und umweltfreundlicher. Mit diesen Argumenten wirbt die Carsharing-Branche und stellt derzeit die Dieselflotten auf Benziner und E-Fahrzeuge um. Doch lohnt sich Carsharing auch für Handwerksbetriebe?

Carsharing
Carsharing wird vor allem in Großstädten immer mehr genutzt. Die Anbieter reagieren auf die Diesel-Debatte. -

Der Diesel-Skandal und die alarmierenden Stickstoffwerte in deutschen Innenstädten regen viele Firmen zum Nachdenken über die eigenen Fahrzeugflotten an. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb mittlerweile ganz oder teilweise auf Carsharing-Angebote. So nutzt nach Angaben des Bundesverbands CarSharing (BCS)  rund ein Viertel der Carsharing-Kunden die Fahrzeuge dienstlich. Anfang 2017 waren 1.715.000 Teilnehmer bei den etwa 150 deutschen Carsharing-Anbietern registriert. Das bestätigt auch DriveNow, das gemeinsamen Carsharing-Angebot von BMW und Sixt, bei dem zwischenzeitlich jeder vierte Kunde auch einen Business-Account hat.

Die Anbieter wiederum reagieren aktuell auf die Diskussionen um die Abgaswerte der Dieselmotoren und stellen laut BCS ihre Flotten auf Benziner um. Auch E-Fahrzeuge spielen eine immer größere Rolle. Zwar liegt der Anteil von vollelektrischen Fahrzeugen in Carsharing -Flotten zurzeit nur bei etwas über zehn Prozent. Doch das sei fast 100-mal mehr als der Anteil von E-Fahrzeugen an allen Pkw in Deutschland, erklärt Gunnar Nehrke, Sprecher des Verbands. Einen weiteren Ausbau hemme derzeit aber noch der langsame Aufbau der Ladeinfrastruktur.

Diesel sollen verschwinden: Carsharing-Flotten werden umgestellt

Das sehen Anbieter wie car2go, der zum Automobilhersteller Daimler gehört, ganz anders. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben davon überzeugt, dass die Zukunft des Carsharings elektrisch ist und betreibt an drei Standorten in Europa – Stuttgart, Amsterdam und Madrid – bereits rein elektrische Flotten mit insgesamt 1.400 Fahrzeugen. Zudem setzt car2go auf das Prinzip "Learning by driving", so dass Autofahrer über das Mieten von E-Fahrzeugen einen ersten, unkomplizierten Kontakt mit der Elektromobilität bekommen und danach das Interesse geweckt sei.

Nach Angaben von DriveNow sind die Diskussion um die Luftverschmutzung in den Städten und der Dieselskandal für manche Neukunden ein Beweggrund, Carsharing zu nutzen, genauso wie der zunehmende Autoverkehr und die Tatsache, dass es insbesondere in verdichteten Innenstädten schwierig ist, einen Parkplatz zu finden. Der Carsharing-Anbieter weist zudem auf  wissenschaftliche Studien hin, die belegen würden, dass pro Carsharing-Auto schon heute mindestens drei private Pkw ersetzt werden. Carsharing trage somit nachweislich zur Reduzierung von innerstädtischem Verkehr und Parkdruck bei.   

Ob bereits elektrisch oder noch klassisch mit dem Verbrennungsmotor – Fakt ist, dass mittlerweile Firmen aller Branchen Carsharing nutzen. Die Palette reicht dabei vom Freiberufler über kleine und mittlere Unternehmen bis zu Großunternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Auch Handwerksbetriebe nutzen mittlerweile Carsharing – wenn sie auch nicht die große Masse der Kunden darstellen. Bei Cambio beispielsweise, einem der größten Marktteilnehmer Deutschlands, liegt der Anteil an Handwerksbetrieben bei acht Prozent. Unter diesen Betrieben finden sich vor allem Elektriker, Schlosser und Tischler.

Wer viel fährt, zahlt beim Carsharing drauf

Dabei haben sich mit dem Zuwachs an Kunden in den vergangenen Jahren die Preise bei den stationsbasierten Carsharing-Systemen, die für Handwerksbetriebe hauptsächlich interessant sind, kaum verändert. Sinkende Treibstoffpreise seien an die Kunden weitergegeben worden. "Generell ist das deutsche stationsbasierte Carsharing im europäischen Vergleich eines der günstigsten", sagt Gunnar Nehrke und erklärt, dass sich für Unternehmen wie Handwerksbetriebe stationsunabhängige Angebote (free-floating Carsharing), bei denen die Fahrzeuge nicht an festen Orten, sondern nur in einem festgelegten Gebiet abgestellt werden, kaum eignen. Beim free-floating Carsharing wie es etwa car2go oder DriveNow anbieten, liegen die Preise rund dreimal höher als beim stationsbasierten Carsharing.

Damit Handwerker allerdings nicht draufzahlen, sollten sie genau prüfen, wie oft sie einen Wagen brauchen. Denn: Je weniger man ein Auto braucht, desto eher lohnt sich Carsharing. Wer nur bis zu 10.000 km im Jahr (rund 800 km im Monat) unterwegs ist, fährt mit Carsharing in der Regel günstiger. So der BCS, der in seine Rechnung den Wertverlust eines Fahrzeuges mitberücksichtigt.

Für Handwerksbetriebe lohnt sich Carsharing vor allem, um Mobilitätsspitzen abzudecken, um Servicefahrten zu absolvieren oder um einzelne Großtransporte durchzuführen. Für solche Zwecke müssten im Fuhrpark Fahrzeuge vorgehalten werden, die dann nicht ausgelastet sind. Deswegen ist hier die Nutzung von Carsharing oft günstiger. Grenzen gibt es jedoch dort, wo in größerem Umfang Arbeitsmittel, Werkzeug oder Material im Auto transportiert werden müssen, die dann auch im Auto verbleiben sollen.

Nutzen können Handwerksbetriebe die gemieteten Fahrzeuge für Beratungen, Kundentermine und Baustellenbesichtigungen – vor allem dann, wenn alle anderen Fahrzeuge an Baustellen vor Ort stehen müssen und so blockiert sind.

Das Prinzip des Carsharing ist einfach: gebucht werden können Autos in der Regel über Internet oder Telefon. Die Autos können dann entweder an bestimmten Stellplätzen abgeholt werden und müssen dort aber auch wieder abgestellt werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit dem Anbieter zu vereinbaren, einen Carsharing-Wagen direkt vor das Firmengelände abzustellen, wenn ein Stellplatz vorhanden ist. Der Betriebsinhaber muss aber auch in solchen Fällen gewährleisten, dass andere Kunden den Wagen ebenfalls nehmen können, wenn ihn keiner seiner Mitarbeiter braucht. Die Rechnung geht allerdings nicht immer auf.

Carsharing immer noch ein Großstadt-Phänomen

Carsharing ist vor allen in Großstädten und Ballungsräumen populär. Dort können Bewohner leichter auf ein Auto verzichten. Während in Ballungsräumen oftmals mehrere Anbieter zu finden sind, sieht es in ländlichen Regionen anders aus. Der Bundesverband weist jedoch darauf hin, dass es mittlerweile auch in kleineren Ortschaften Angebote gibt.

Insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile rund 600 Orte mit einem Carsharing-Angebot, davon zwölf mit einem free-floating Angebot. Das reine Free-floating funktioniert laut BCS allerdings nicht in Städten unter 500.000 Einwohner, es ist daher ein reines Großstadt-Phänomen. Stationsbasiertes Carsharing gibt es hingegen auch im ländlichen Raum und an der Peripherie größerer Städte. In letzter Zeit haben sich auch mehrere kombinierte stationsbasiert/free-floating Systeme etabliert.  

Das Problem: CarSharing funktioniert nur, wenn der Kunden keinen allzu weiten Weg zum Auto hat. Ansonsten werde es schlichtweg unattraktiv. Daher seien Angebote auf dem Land für die Branche schwerer zu realisieren. Das bestätigt auch DriveNow: "Unser Angebot bieten wir nur in Städten an. Hier finden wir Rahmenbedingungen vor, die unser Geschäftsmodell rentabel machen", sagt ein Sprecher des Unternehmens. Entscheidende Kriterien seien vor allem die Stadtgröße und -struktur, die Einwohnerzahl- und -dichte, das bestehende ÖPNV-Netz und die lokalen Parkregelungen. dhz/jtw

Mehr zu den verschiedenen Dienstwagen-Alternativen durch Carsharing lesen Sier hier.>>>

Dieser Beitrag wurde am 4. September 2017 aktualisiert.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten