Kolumne Wie Ausbilder Fehler von Azubis richtig ansprechen

"Fehler dürfen gar nicht erst passieren." Diese Einstellung bringt niemanden weiter – erst recht nicht den Azubi. Wie Ausbilder eine positive Fehlkultur integrieren und warum es hilft, sich dabei einen Reißverschluss vor Augen zu führen, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune.

Bunte Reißverschlüsse.
Wenn sich der Reißverschluss nicht schließen lässt, muss nach der Ursache gesucht werden. Dieses Bild können sich Ausbilder vor Augen halten, wenn es in der Ausbildung hakt. - © vitalis83 - stock.adobe.com

Ein Konditormeister bildet aus. Er und seine Gesellen verzweifeln: Obwohl die Lernziele aus dem betrieblichen Ausbildungsplan mit geeigneten Methoden vermittelt werden, machen die Auszubildenden immer wieder Fehler. Das hat in Einzelfällen schon zu Beschwerden durch die Kundschaft geführt. Dem Meister reißt irgendwann der Geduldsfaden.

Aber es gibt ja den Reißverschluss: Ein einfach zu öffnendes Verschlussmittel aus zwei Seitenteilen. Er hat kleine Zähne und einen Schieber, mit dem die Zähne ineinander verhakt und wieder gelöst werden können. Daran sollten alle im Umgang mit Fehlern der Auszubildenden denken.

Wo Fehler passieren, fehlt in der Regel etwas. Generell gilt daher im Verlauf der Lehrzeit immer wieder darüber nachzudenken und zu bewerten, ob die richtigen Methoden und Lernerfolgskontrollen gewählt und eingesetzt werden.

Nicht bestrafen, sondern Fehler der Auszubildenden nutzen

In der Ausbildungspraxis sind eine gute Fehlerkultur und das sofortige Offenlegen von Fehlern wichtig. Fehler werden aber nur dann offen angesprochen, wenn es keine Bestrafungen gibt. Gemeint sind angedrohte Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, ein Fehlverhalten zu unterbinden und Regeln durchzusetzen.

Die Bedeutung und Beurteilung von Fehlern ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dementsprechend wird geurteilt. Die Annahme, dass Fehler und Irrtümer erst gar nicht passieren dürfen, bringt in der betrieblichen Praxis niemanden weiter.

Fehler werden nur ungern zugegeben und die Verantwortung nicht übernommen. Alle Beteiligten sollten sich daher immer darüber im Klaren sein, dass sie es mit Auszubildenden zu tun haben. In diesem Zusammenhang sind ganz verschiedene Fragen zu stellen:

  • Was ist für wen und in welchem Umfang ein Fehler oder ein Irrtum?
  • Wann wird eine Grenze überschritten?
  • Warum werden Fehler negativ aufgefasst?
  • Wie kann die Situation verbessert werden?

Eine aufbauende Fehlerkultur nutzt Fehler für die Ausbildung. Es gilt, die Beziehung zu den Lehrlingen durch Eingeständnisse zu stärken. Führungskräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder oder Beschäftigte, die in einer ermutigenden Form mit den eigenen Fehlern umgehen, schaffen im Betrieb eine positive Fehlerkultur und machen sich dadurch glaubwürdig.

Fehler richtig ansprechen

Ab und zu können die Auszubildenden auch in die Überlegungen zur Gestaltung der Ausbildung eingebunden werden. Daher ist es wichtig, positive Rückmeldungen einzufordern. Die Lehrlinge sollten auf jeden Fall ermutigt werden, einen Fehler schnell zuzugeben. Das hat eine positive Wirkung und durchbricht die Fehlerkette in einem Punkt, wo trotz Fehler noch nicht alles verloren ist.

Geeignete Formulierungsbeispiele im Umgang mit Fehlern können sein:

  • "Da hast du recht, das habe ich nicht so gesehen."
  • "Das habe ich noch nicht gewusst."
  • Statt "Wer war das?", sollte besser gefragt werden: "Warum ist das so passiert?"

Fehlertoleranz bedeutet nicht, mehr Fehler zu machen, sondern einfühlsam und vertrauensvoll zu reagieren. Das führt natürlich nicht dazu, jeden Fehler gut zu finden. Es gilt ein Umfeld zu schaffen, in dem die Lehrlinge keine Angst davor haben, über einen Fehler zu sprechen. In diesem von Vertrauen und Achtung geprägten Umfeld werden Fehler als ein notwendiges Übel angesehen, um sich zu verbessern und zu lernen. Man spricht über einen Fehler, sodass hoffentlich keiner zweimal gemacht wird – dann hakt es auch im Reißverschluss nicht mehr.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.