Fokus auf WhatsApp Business WhatsApp verzichtet auf Werbung: Was stattdessen geplant ist

Eigentlich wollte WhatsApp ab 2020 erstmals auch Werbung ausspielen. Doch die Facebook-Tochter hat ihre Pläne überraschend auf Eis gelegt. Welche Vorhaben der Messenger-Dienst stattdessen vorantreiben dürfte – und welche Chancen sich dadurch für Handwerksbetriebe ergeben könnten.

Max Frehner

Bislang verdient Facebook mit seiner 19 Milliarden teuren Tochter WhatsApp kaum Geld. Werbeanzeigen im Messenger sollten das eigentlich ändern. Doch es kommt erst einmal anders. - © picture alliance / NurPhoto / Jaap Arriens

Der Code wurde bereits geschrieben, die AGBs angepasst, die Neuerung für Anfang 2020 angekündigt. Und nun scheint das Projekt doch erst einmal vom Tisch zu sein. Wie ein Facebook-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, will WhatsApp – anders als ursprünglich geplant – vorerst doch keine Werbung im Messenger ausspielen. Man sehe darin zwar weiterhin eine langfristige Chance, einen detaillierten Zeitplan gebe es jedoch nicht dafür. Zuvor hatte das Wall Street Journal (WSJ) mit Hinweis auf informierte Kreise berichtet, dass die zuständige Abteilung im Unternehmen aufgelöst worden sei und der bereits integrierte Programmcode wieder entfernt wurde.

Vorgesehen war, dass ab diesem Jahr zwischen den WhatsApp-Statusmeldungen von Kontakten immer wieder bildschirmfüllende Anzeigen von Werbekunden ausgespielt werden. Im Statusbereich können WhatsApp-Nutzer Fotos und Videos teilen, die nach 24 Stunden wieder verschwinden. Auf Facebook und Instagram ist diese Werbeform in den Storys bereits gängige Praxis.

Die geplante Einführung von Werbung führte im Vorfeld immer wieder zu Streitigkeiten mit den Gründern von WhatsApp. Diese wurden nach der 19-Milliarden teuren Übernahme im Jahr 2014 Teil des Facebook-Konzerns, hatten sich jedoch stets gegen ein solches Geschäftsmodell ausgesprochen. Die Auseinandersetzungen führten mitunter dazu, dass 2017 zunächst Gründer Brian Acton das Unternehmen verließ, ehe ihm sein Mitgründer Jan Koum 2018 folgte.

"WhatsApp will E-Mail und Telefon ablösen - und setzt deshalb auf Qualität"

Ein Grund, warum Facebook nun doch vorerst auf Werbung verzichtet, könnte sein, dass für die Integration von zielgerichteten Werbeanzeigen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgeweicht werden müsste. Diese hatte Facebook 2016 standardmäßig für WhatsApp eingeführt. Im vergangenen Jahr kündigte Konzern-Chef Mark Zuckerberg an, seinen Nutzern mehr Privatsphäre einzuräumen und sämtliche hauseigenen Chat-Apps zu verschlüsseln. Die Einführung von personalisierter Werbung würde dem zuwiderlaufen.

Für den WhatsApp-Experten Michael Elbs ist der Rückzieher auch ein Indiz, wo die Reise für den Messenger mittel- bis langfristig hingehen wird."WhatsApp will E-Mail und Telefon ablösen – und setzt deshalb auf Qualität", sagt der gelernte Schreinermeister. Dass irgendwann Werbung im Chat ausgespielt werden, glaubt er nicht. Im Statusbereich schon eher, allerdings stelle sich auch hier die Frage, wie WhatsApp dies mit dem Datenschutz vereinbaren möchte. Für die kommenden Monate, wenn nicht Jahre rechnet er mit keiner Lösung. Verbraucher dürften WhatsApp seiner Ansicht nach also noch längere Zeit werbefrei nutzen können.

So könnte Facebook künftig Geld mit WhatsApp verdienen wollen

Facebook wird stattdessen wohl erst einmal andere Vorhaben forcieren, mit denen die teure Tochter endlich rentabel werden soll. Einer dieser Pläne sieht vor, das Geschäft mit kleinen Unternehmen auszubauen. Seit 2018 können diese über eine eigene Business-App mit Kunden kommunizieren. Die Anwendung bietet praktische Features wie ein umfangreiches Unternehmensprofil und automatisierte Antwortmöglichkeiten. Funktionen, die auch bei der Umsetzung rechtlicher Vorgaben hilfreich sind, erklärt Elbs, der selbst Workshops hierzu gibt. Eine Einnahmequelle könnten aus seiner Sicht zusätzliche Addons sein, etwa für die 2019 kostenlos eingeführte Katalog-Funktion . Über diese können Betriebe in WhatsApp ihre Produkte und Dienstleistungen anlegen – und so ihren WhatsApp-Kontakten eine Art digitales Schaufenster bieten.

"Viele meiner Kunden würden es sehr zu schätzen wissen, wenn sie ihren Produktkatalog automatisch importieren könnten – und wären auch bereit, dafür zu bezahlen", sagt Elbs. Er nennt noch eine weitere Funktion, die seine Kunden in der Praxis häufig vermissen würden: Aktuell können sie nur von einem einzigen Gerät auf das WhatsApp-Business-Konto zugreifen. Elbs vermutet, dass Facebook hier nachbessern wird – und sich zusätzliche Zugänge beispielsweise bezahlen lässt. "Im besten Fall kann WhatsApp Business dann auch bequem am PC ohne Einschränkungen genutzt werden."

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    © Michael Elbs
    iOs-Nutzer von WhatsApp Business können Produkte und Dienstleistungen über "Einstellungen", "Unternehmenseinstellungen" und "Katalog" anlegen. Bis zu zehn Bilder dürfen einem Eintrag zugeordnet werden. Eine Preisangabe ist optional. Neben einem Beschreibungstext sind auch Links möglich.
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    Für Android-Nutzer ist das Vorgehen ähnlich. Im rechten Screen sehen Sie eine Übersicht aller angelegten Produkte.
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    Unternehmen können im Katalog angelegte Produkte und Dienstleistungen ähnlich einfach verschicken wie Bilder.
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    © Michael Elbs
    Kunden können empfangene Produkte anklicken oder sich im Chat über den "Nachricht an Unternehmen"-Button auf ein konkretes Produkt beziehen. Im WhatsApp-Profil finden Kunden den Katalog direkt unter den allgemeinen Informationen.

Facebook Pay der "größte Monetarisierungshebel"

Eine weitere Erlösquelle dürfte sich WhatsApp mit der Einführung von Facebook Pay erschließen. Der Bezahldienst soll es Nutzern ermöglichen, direkt in Facebook, Instagram oder WhatsApp Geld an andere Kontakte zu senden – oder in App-eigenen Shops einkaufen können. Die Funktion ist bereits fertig programmiert und soll zunächst in Indien und Indonesien eingeführt werden. "Ich gehe davon aus, dass Facebook für jede Überweisung eine geringe Transaktionsgebühr einbehalten wird – das ist aus meiner Sicht der größte Monetarisierungshebel", sagt Elbs. Betriebe werden ihre Kunden in Zukunft also nicht nur kontaktieren und Fragen beantworten, sondern auch gleich bequem und unkompliziert abkassieren können.

Datenschutz weiterhin ein Problem

Aus datenschutzrechtlicher Sicht bleibt WhatsApp allerdings weiterhin eine Anwendung, deren gewerbliche Nutzung mit einem gewissen Restrisko behaftet ist. Zwar können Unternehmen, die WhatsApp Business nutzen, einige Vorkehrungen treffen, mit denen sie die Gefahr einer Abmahnung verringern. Etwa, indem sie Kontaktdaten nicht mit WhatsApp teilen, ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten sowie eine Risikofolgeabschätzung erstellen. Rechtlich unklar ist aber weiterhin, ob sie zusätzlich einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag, kurz ADV-Vertrag, mit Facebook brauchen. Hier stellt sich Facebook derzeit noch quer und bietet seinen Business-Nutzern lediglich eine einseitige Erklärung und Beschreibungen der Vorgänge an. "Ob dieses Dokument ausreicht, wird ein irisches Gericht erst noch klären müssen", so Elbs.