Wenn kein Geld mehr reinkommt, muss der Chef schauen, woran es liegt. Erst dann kann er überlegen, wie der Betrieb wieder flüssig wird. Unternehmensberater Franz Falk gibt Tipps für mehr Liquidität.

Krisenzeiten fordern ihren Tribut. Bei vielen, vor allem kleineren Betrieben, heißt das, dass ihr finanzielles Polster deutlich geschrumpft oder sogar aufgebraucht ist – während gleichzeitig die Kosten steigen und regelmäßige Zahlungen drohen. Doch wie können sich Firmeninhaber aus diesem finanziellen Loch herausarbeiten? Unternehmensberater Franz Falk gibt Tipps.
Der frühere Geschäftsführer Unternehmensservice der Handwerkskammer Region Stuttgart rät in jedem Fall erst einmal zu zwei grundlegenden Maßnahmen. "Inhaber sollten erstens herausfinden, warum ihnen das Geld fehlt", sagt Falk. Kommt kein Geld rein, weil Aufträge fehlen oder weil die Arbeiten nicht fertiggestellt und nicht abgerechnet werden können? Oder drohen ungeplante Ausgaben wie etwa die Rückzahlung von Corona-Hilfen? Möglicherweise befindet sich der Betrieb aber schon seit längerem in einer Ertragskrise. Zweiter Punkt ist eine Bestandsaufnahme. Der Unternehmer müsse einen Kassensturz machen: Wie viel Geld ist noch da? Gibt es Reserven? Wie hoch sind seine Verbindlichkeiten? Welche Kreditsicherheiten sind vorhanden?
Klären, was langfristig gebraucht wird
Franz Falk weiß, dass vielen Unternehmern gerade kleinerer Betriebe diese Analyse unterlassen, obwohl sie so wichtig ist. Denn nur wenn die Ursachen bekannt sind und wenn eine vernünftige Planung vorliegt, ließe sich die Situation knapper Kassen auch langfristig bewältigen. Falk warnt vor kurzatmigen Aktionen und Flickschusterei. Es helfe nicht weiter, Geld zur kurzfristigen Überbrückung zu besorgen. Sinnvoller sei es, langfristig zu schauen, was an Kapital benötigt werde, um die Durststrecke zu überstehen, und wo der Inhaber ansetzen muss, um die Ursachen der Krise abzustellen. Von dieser Analyse ausgehend, kann der Unternehmer überlegen, welche Maßnahmen er ergreift.
Konkret kann das beispielsweise heißen, sich Fremdkapital zu besorgen. Der erste Weg führt dafür meist zur Hausbank. Die urteilt beim Rating zwar nicht unbedingt weniger streng, doch die Kreditberater kennen das Unternehmen besser als jede andere Bank. Und sie können oft besser einschätzen, ob die finanzielle Schieflage sich als vorübergehend darstellt und zum Beispiel das Wegbrechen von Aufträgen nicht minderwertiger Arbeit, sondern nur einer konjunkturellen Schwäche geschuldet ist. Umso wichtiger ist, dass ein aktueller Jahresabschluss und eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) vorliegen. Die Bank muss schließlich wissen, ob ein Unternehmen kapitaldienstfähig, also in der Lage ist, Tilgung und Zinsen zu zahlen. Eventuell gewährt die Bank auch einen höheren Kontokorrent-Kredit. Auf jeden Fall wird sie Kreditsicherheiten verlangen und einen Kreditantrag sorgfältig prüfen – und das kostet Zeit.
Eigenkapitalerhöhung sollte kein Tabu sein
Kein Tabu darf die Erhöhung des Eigenkapitals sein. Dies geschieht üblicherweise durch den Einsatz von Privatvermögen. Häufig springen auch Familienangehörige als Kapitalgeber ein. Eventuell lassen sich im Netzwerk des Unternehmens neue Partner oder Gesellschafter finden. Eine weitere Option sind Beteiligungsgesellschaften.
Um schnell an Kapital zu kommen, rät Falk, den eigenen Werkzeugkoffer zu nutzen, etwa beim Thema Rechnungen. Chefs sollten mit den Kunden möglichst kurze Zahlungsziele vereinbaren. Ebenso ist es möglich, Abschlagszahlungen anzufordern, vor allem bei Arbeiten, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Ebenso ist es wichtig, die Aufträge vollständig fertigzustellen und Mängel zu beseitigen, damit der Kunde keinen Grund hat, die Zahlung zu verzögern. Ganz essenziell: Die Rechnungsstellung sollte zügig erfolgen, so wie das gesamte Forderungsmanagement sehr wichtig ist. Eine wichtige Aufgabe des Unternehmers ist, sich um den pünktlichen Geldeingang zu kümmern.
Weitere brauchbare Finanzierungsoptionen sind Factoring, also der Verkauf von Forderungen, Finetrading, also die Einkaufsfinanzierung oder Sale-and-Lease-Back, also der Verkauf von Anlagevermögen, das sofort zur weiteren Nutzung zurückgeleast wird.
Für unbedingt nötige Ausgaben nach Förderung schauen
Insgesamt lässt sich an vielen Stellschrauben drehen, um die Liquidität wieder zu verbessern. Während die Handwerker bei Kunden die Zahlungsziele knapphalten sollten, ist es umgekehrt unter Umständen möglich, mit Lieferanten längere Zahlungsziele zu vereinbaren. Ausgaben lassen sich möglicherweise strecken. Für Investitionen, um die die Firma nicht herumkommt, können Förderprogramme, etwa von der KfW, genutzt werden. Landesförderinstitute bieten Darlehen und Zuschüsse. Nicht zu vergessen, so Falk, den eigenen Gürtel etwas enger zu schnallen.
Sollte der Betrieb dann doch in ernste Zahlungsschwierigkeiten geraten, rät Franz Falk, sich Rechtsberatung zu suchen. Denn, darauf weist der Berater ausdrücklich hin, Zahlungsunfähigkeit ist kein Kavaliersdelikt. Gerade Geschäftsführer von GmbH können sich bei Insolvenzdelikten strafbar machen. Da müssen dann alle Optionen sorgfältig abgewogen werden, unter anderem ein Neustart nach einer Insolvenz.
Fünf Schritte für mehr Liquidität
- Die Gründe für den finanziellen Engpass suchen
Nur wenn klar ist, warum die finanzielle Schieflage entstanden ist, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden. - Den Kapitalbedarf berechnen
Üblicherweise geht es nicht nur um die aktuelle Finanzlücke. Meist entstehen auch in den Folgemonaten weitere Fehlbeträge. Deshalb muss die Liquidität auch für die nächsten sechs Monate geplant und der entstehende Fehlbetrag ermittelt werden. - Lösungen suchen
Meist geht es um ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu gehören das Strecken von Ausgaben – das sollte allerdings mit den Kreditoren ausgehandelt werden, das Beschleunigen von Einnahmen, ein striktes Kostenmanagement, das Einbringen von Eigenkapital, die Aufnahme von Fremdkapital und die Suche nach neuen Kunden. - Kapitalgeber suchen
Kapitalgeber können aus dem Kreis der Familie oder von Bekannten kommen. In Betracht kommen aber auch Kunden und Lieferanten und vor allem Kreditinstitute, hauptsächlich die langjährige Hausbank. - Unterlagen bereithalten
Notwendig sind der aktuelle Jahresabschluss und die aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung. Aber auch eine Liquiditätsplanung für die nächsten sechs Monate, der Auftragsbestand, eine Ertragsvorschau für die nächsten zwei bis drei Jahre und gegebenenfalls ein ausführlicher Businessplan.