Benzinpreise Was tun gegen die Rekordpreise?

Haben Sie sich heute schon verärgert die Augen gerieben? Der Grund dafür dürften die neuen Rekordpreise an den Zapfsäulen Deutschlands sein. Mit einem Blick über die Grenze und einer intelligenten Nutzung des Kraftstoffverbrauches können Sie jedoch entspannter durch den Alltag kommen.

Felix Lauther

Der schwache Euro ist nur ein Grund, warum die Benzinpreise so sehr nach oben geschnellt sind. Foto: dapd

Der ADAC ist empört: Die deutschen Tankstellen gehören zu den teuersten in der Europäischen Union. Mit 1,701 Euro kostet der Liter Super E10 so viel wie nie zuvor. Alleine in einer Woche verteuerte sich der Kraftstoff um satte 3,1 Cent, wie der Verband ausgerechnet hat.

Gründe für die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland gibt es viele. Als grundlegendes Argument der Verteidigung nennen die Mineralölkonzerne vor allem die Verfünffachung des Rohölpreises seit 2001 (s. Grafik von der EnergieAgentur.NRW). So wird ein Barrel Öl (ca. 159,1 Litern) der Nordseesorte "Brent" aktuell mit 150 Dollar an der Ölbörse in Rotterdam gehandelt. Vergleicht man das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik mit dem aus dem Jahre 1980, als erstmals der sogenannte "Ölpreisschock" grassierte, so liegen die Öl- und Benzinpreise gegenüber heute auf gleichem Niveau.

Ein weiterer Grund ist der schwache Euro. Weil die Börsen den Ölpreis in Dollar handeln, ist der Ölimport so teuer. Die Höhe des Preises wird, und das gilt nicht nur für Öl und Benzin, immer auch von Angebot und Nachfrage bestimmt. Anhand der boomenden Wirtschaft in China hat sich auch deren Verlangen nach Rohöl in 10 Jahren vervierfacht.

Was kann der Endverbraucher tun?

Dank der Automobilindustrie und dem Willen der Bundesbürger sind die Verbrauchswerte jedoch gleichzeitig stark gesunken. Spritsparende Dieselmotoren, Hybrid-Technologie und die energieeffiziente Bauweise der Autos, Carsharing und attraktive Angebote im öffentlichen Nahverkehr zeigen eine saubere Ökobilanz.

Wer außerdem grenznah wohnt, für den lohnt sich ein Blick auf die Preistafeln an den Tankstellen der europäischen Nachbarländer. In der Schweiz kostet der Liter Superbenzin derzeit umgerechnet 21 Cent weniger als in Deutschland. In Polen sogar 30 Cent. Wenn Sie in Österreich tanken sparen Sie aktuell 20 Cent, in Tschechien noch gute 17 Cent. Ein Tankstopp in Dänemark (+ 0,06 Cent) oder in den Niederlanden (+ 0,07) lohnt sich hingegen nicht.

Ein Beispiel: Nehmen wir den Golf der Generation 7 (Baujahr 2009). Mit einem Tankvolumen von 55 Litern kostet eine volle Tankladung bei einem Preis von 1,74 Euro pro Liter Superbenzin in Deutschland exakt 95,70 Euro. Tankt man als grenznaher Bewohner nun die gleiche Menge Benzin in der Schweiz, verlangt der Tankwart dort umgerechnet 85,15 Euro. Man würde also knapp 10 Euro sparen. So einfach ist die Rechnung aber trotzdem nicht. An- und Abfahrt sind hierbei noch nicht berücksichtigt. Rechnet man zum Beispiel mit einer 50 Kilometer langen Wegstrecke zu der Schweizer Zapfsäule, steht bei einem Gesamtverbrauch (laut Angaben der Volkswagen AG, Stand 09/12) von 5,2 Litern/100 km immer noch eine Ersparnis von guten fünf Euro auf der Habenseite.

Nicht jeder kann aber mal schnell zum Tanken über die Grenze ins Ausland fahren. Versuchen Sie daher, wenn möglich, unter der Woche in den Abendstunden zu tanken. Da sind die Spritpreise gewöhnlich auf ihrem Wochentiefstand.

Zusammensetzung des Benzinpreises in Deutschland

Der Steueranteil am Benzinpreis beträgt in Deutschland knapp 60 Prozent. Darin enthalten sind die Mehrwertsteuer, die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) und seit 1999 auch die "Ökosteuer". Entgegen der Vermutung einiger deutschen Autofahrer profitiert der Staat allerdings an der viel diskutierten Umweltabgabe nicht. Denn die Abgabe bemisst sich am Liter, nicht am Preis – sie bleibt stets dieselbe. Vehement wehren sich daher die Mineralölkonzerne gegen die Vorwurf der "Abzocke": "In Deutschland haben wir vor Steuern ungefähr die niedrigsten Preise in ganz Europa", sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV).

Bei der Mehrwertsteuer von 19 Prozent hingegen beträgt der reale Profit des Bundes 25,95 Cent pro Liter. 40 Prozent des Gesamterlöses aus den Benzinpreisen kassieren die Mineralölkonzerne. Laut Angaben des Branchenverbandes MWV betragen die Deckungskosten der Industrie nach Abzug von Transport oder Lagerung 11,37 Cent/Liter - Gewinn der Konzerne inklusive.

Ausblick

Energiewirtschaftsexperten sehen ein baldiges Ende der Benzinpreisspirale nach oben. Zum Beispiel dank neuer Fördermethoden wie dem "Fracking", das die Gewinnung von Rohöl aus Schiefergesteinsplatten im Erdreich möglich macht. Eine Fördertechnik die nun ausgereift ist und in den USA bereits flächendeckend angewendet wird.

Die Gewinnung und Förderung anderer Energiequellen wie Gas oder Biomasse werden die Abhängigkeit von Rohöl zudem geringer werden lassen.

Eine gute Nachricht kommt derweil aus den Vereinigten Staaten: Wirtschaftsexperten rechnen nach der Präsidentschaftswahl 2013 mit einer Erhöhung der Mineralölsteuer im Land. Das könnte die Rohölnachfrage in den USA, die immer noch Weltmeister im Energieverbrauch sind, nachhaltig senken, was wiederum dämpfend auf die Ölpreise an den Börsen wirkt.