Nachhaltigkeitsdebatte Was steckt hinter der "Green Economy"?

Deutschland hat sich auf den Weg zu einer neuen Form des Wirtschaftens gemacht. Die Energiewende wird weltweit beobachtet und findet schon erste Nachahmer. Seit dem Nachhaltigkeitsgipfel von Rio sprechen alle von der "Green Economy". Doch was steckt hinter diesem Begriff? Und kann die Deutsche Energiewende als Vorbild dafür dienen?

Jana Tashina Wörrle

Die "Green Economy" wird weltweit propagiert, doch aus der Zielformulierung folgen noch selten Taten. - © Andreas Haertle/Fotolia

Der Dauerstreit der Bundesregierung um die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung und bis vor kurzem auch um die Einspeisevergütung von Solarstrom zeigt, dass die Energiewende in Deutschland vielfach zu kritischen Diskussionen führt und noch viele bislang ungelöste Probleme bestehen. Global betrachtet befinden wir uns mit der Energiewende aber durchaus auf einem Erfolgsweg. Energie- und Wirtschaftsexperten weltweit sprechen derzeit von der "Green Economy" wenn es darum geht, neue Formen des Wirtschaftens zu finden, die nachhaltig sind – sowohl im umweltpolitischen als auch im ökonomischen Sinn. Und Deutschland gilt hierbei nach wie vor als Vorbild.

Die "Green Economy" wurde auch auf dem Nachhaltigkeitsgipfel in Rio als gemeinsames Ziel der teilnehmenden Länder erklärt. Doch global gesehen bleibt dieses Ziel bislang noch eine Worthülse. "Die Richtung ist allerdings jetzt klar. Wir müssen jetzt aber auch bei den unterschiedlichen Akteuren die konkreten Schritte festlegen, die uns zu dem Ziel einer wirklich nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaftsweise führen", sagt Klaus Milke, der Vorstandsvorsitzende der Organisation Germanwatch, die sich auch vor Ort in Rio für neue bindende und ambitionierte Umweltziele eingesetzt hat.

Wirtschaft kann Lösungen anbieten


"Green Economy" heißt die neue Wirtschaftsform, die dazu führen soll, dass weniger Ressourcen verbraucht werden und die Umwelt weniger belastet wird. "Green Economy" meint aber auch, dass die Unternehmen ihre Produktionsverfahren umstellen, dass sie mit anderen Materialen arbeiten und dass sie selbst Lösungen anbieten, um andere bei diesem Prozess zu unterstützen. Es geht also einerseits um das Wirtschaften selbst und andererseits um die Lösungen, die eine Veränderung möglich machen.

"Die Ressourcen und Rohstoffe auf der Erde reichen über kurz oder lang nicht mehr aus, wenn sich die globale Wirtschaftsentwicklung so wie bisher fortsetzt", sagt auch Ullrich Kornhardt vom volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen. Wenn wir jetzt nicht auf einen ökologische Modernisierung der Wirtschaft setzen, dann würde es immer mehr Verlierer des derzeitigen Wirtschaftsbooms geben. "Die 'Green Economy' ist für mich eine erfolgsversprechende Alternative hier entsprechend umzusteuern", sagt Kornhardt.

Begonnen hat die Diskussion um eine umweltschonende Wirtschaftsweise aber nicht erst mit dem Einläuten der Energiewende in Deutschland. Auch wenn die aktuelle Situation durch die rasante Entwicklung der so genannten Schwellenländer immer brisanter und spürbarer wird, gab es bereits vor zwanzig Jahren die ersten Nachhaltigkeitsdebatten. In Rio fand 1992 der erste Nachhaltigkeitsgipfel statt, doch auch zwei Jahrzehnte später hat sich weltweit nicht viel in dieser Richtung getan.

Die rasante Wirtschaftsentwicklung in China und die Atomkatastrophe in Japan haben Energie- und Umweltthemen zwar wieder fest auf der politischen Agenda platziert, doch gerade die großen Länder schrecken vor allem noch vor den Kosten zurück, die mit einer Energiewende verbunden sind. "Klimapolitische Ziele zu formulieren und dann auch wirklich Geld dafür in die Hand zu nehmen, das sind für Länder wie die USA noch zwei Paar Schuhe", sagt Kornhardt. Auch er sieht die Ergebnisse des diesjährigen Gipfels als völlig unzureichend an.

Die Themen global zu betrachten sei zwar wichtig, aber der Maßstab müsse letzlich konkretes Handeln sein. "Das ist viel schlechter kontrollier- und messbar", sagt der Volkswirtschaftler und weist darauf hin, dass man eher in kleineren Strukturen denken müsste. "Da kann man sich das Handwerk zum Vorbild nehmen", sagt Kornhardt. Statt ständig Neues zu produzieren, gehe es hier in erster Linie ums Erhalten und Reparieren. Außerdem sei der direkte Kontakt zwischen den Handwerkern, ihren Mitarbeitern und den Kunden ein großer Vorteil, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen, die nachhaltig wirken. Denn auch die soziale Komponente gehöre zur "Green Economy".

"Handeln, Verhandeln und Allianzen bilden"

Diesen Ansatz vertritt auch Germanwatch. Für Klaus Milke beruht die Richtschnur Definition für die der "Green Economy" auf einem drei Säulen Modell. "Es geht ums Handeln, ums Verhandeln und darum Allianzen zu bilden", sagt der Umweltaktivist. Jeder solle schauen, was er selbst unternehmen kann, um nachhaltiges Handeln zu garantieren. Zusätzlich müsse man versuchen auch andere davon zu überzeugen und sich ggf. mit anderen Gutwilligen zusammentun, um gemeinsam schneller effektivere Lösungen zu finden. Dierei wichtige Aspekte sind aber auch  drei Säulen gründen aber auch auf Ökologie, Sozialverträglichkeit und Ökonomie, die miteinander in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden müssen.

"Wir müssen langfristiger denken und planen", sagt Milke, "nur dann werden wir auch wirtschaftlich gesehen weiterhin so erfolgreich sein." Wer heute seine Wirtschaftsweise an die neuen Bedingungen anpasset, kann dann aber auch von der "Green Economy" profitieren. Denn darin stecken nicht nur Kosteneinsparungen durch ein effizienteres Wirtschaften, sondern auch viele neue Geschäftsideen, neue Technologien und Verfahren.

"Die Welt schaut dabei momentan ganz genau auf Deutschland, denn hier wird gerade ein neues Verständnis von ökonomischerm Fortschritt entwickelt erreicht und die Wirtschaft umgebaut", sagt Milke. Auch wenn sich viele Länder noch nicht trauen, eine ähnliche richtige Energiewende einzuleiten und dazu auch die Atomkraftwerke abzuschalten, seien das genau die Schritte, die jetzt nötig sind. "Irgendjemand muss anfangen", sagt auch Ulrich Kornhardt und deutet darauf hin, dass die deutsche Energiewende – bei aller Kritik, die es daran zu äußern gibt – weltweit eine große Vorbildfunktion habe. Als Beispiel nennt er das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das schon von einigen anderen Ländern übernommen worden sei. Die Energiewende sei auf jeden Fall ein Stück in Richtung "Green Economy."

Eine ausführliche Beschreibung des Konzepts der "Green Economy" stellt Greewatch in dem Hintergrundpapier "Deutschland auf dem Weg in eine 'Green and Fair Economy'" bereit.