Kolumne Warum Ihr Betrieb in der "Höhle der Löwen" scheitern würde

Die harte Wahrheit: Die meisten Inhaber kennen den wahren Wert ihres Betriebs nicht – und riskieren damit ihre Lebensleistung. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg nennt in ihrer DHZ-Kolumne drei Hebel, mit denen Sie den Wert Ihres Unternehmens für die Nachfolge sichern.

Nachfolge im Handwerk: Fakten statt Nostalgie sichern den Unternehmenswert. - © tunedin - stock.adobe.com

Stellen Sie sich einmal vor: Ihr Handwerksbetrieb steht in der Vox Sendung "Die Höhle der Löwen". Fünf Investorinnen und Investoren sitzen Ihnen gegenüber. Die Fragen sind gnadenlos: 

  • Wie viel ist Ihr Betrieb wert? 
  • Was macht Sie einzigartig? 
  • Wie sieht Ihr Fahrplan für die nächsten Jahre aus? 
  • Können Sie Ihre Unternehmenszahlen erläutern?

Nun zurück ins Handwerk. Wären Sie sprechfähig? In meinen Augen: nein. Die wenigsten haben aktuelle Zahlen parat, geschweige denn belastbare. 

Ich sehe immer wieder: Betriebe, die ihre Nachfolge regeln wollen, haben selten eine klare Vorstellung vom Wert ihres Unternehmens. Nostalgie ersetzt keine Fakten. Der persönliche Bezug zur eigenen Lebensleistung ist emotional verständlich, für Käufer aber irrelevant. Dort zählt nur: Lohnt sich das Investment?

Der eigene Betrieb ist wie das eigene Kind. Sie haben ihn aufgebaut, gepflegt, groß gemacht. Nur: Emotionale Befangenheit zahlt keine Rechnung. 

Fakt ist: Laut ZDH stehen in den kommenden fünf Jahren rund 125.000 Betriebe zur Übergabe an. Wer da nicht vorbereitet ist, scheitert. Selbsttäuschung führt zur bitteren Enttäuschung. 

3 betriebswirtschaftliche Hebel für Ihre Nachfolge 

  1. Digitalisierung als Werttreiber 
    Ein digital aufgestellter Betrieb ist für Nachfolger attraktiver. Zeigen Sie konkret, wie Prozesse, Kommunikation und Technik Effizienz, Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit steigern. 
  1. Team als Kapital 
    Ein motiviertes, stabiles Team hebt den Unternehmenswert. Strukturen, Weiterbildung und flache Hierarchien sind keine weichen Faktoren, sondern harte Fakten, die Nachfolger einkalkulieren.
  2. Fahrplan statt Zufall 
    Eine Nachfolge braucht Ziele, Termine und Meilensteine. Schriftlich festgehalten, strategisch durchdacht. Wer hier schwammig bleibt, verliert Zeit, Geld und Zukunft. 
Kathrin Post-Isenberg
Die Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg leitete früher einen eigenen Betrieb in Siegburg. Mit ihrer Praxiserfahrung berät sie heute Handwerksunternehmen dabei, sich erfolgreich als Arbeitgebermarke zu etablieren. Seit 2025 praktiziert sie darüber hinaus wieder ihr ursprüngliches Handwerk – diesmal im Nebenerwerb. - © Markus Zielke

Und jetzt das Entscheidende: Es ist nie zu spät, den Prozess anzustoßen. Auch wenn die Nachfolge erst in einigen Jahren bevorsteht, jede Vorbereitung zahlt sich aus. Keine Digitalisierung ist ein Desaster. Angelegte Prozesse, die "nur noch" etabliert werden müssen, sind ein Gewinn. Ein mieses Team, in dem sich keiner etwas gönnt? Auch hier lässt sich etwas tun: Mit professioneller Hilfe von Beratern und Unterstützern können Sie oft schon in wenigen Monaten eine spürbare Verbesserung der Kultur und Zusammenarbeit erreichen. Natürlich drehen Sie einen Betrieb in drei Jahren nicht komplett auf links. Aber Sie können noch eine Menge herausholen, wenn Sie es wirklich wollen und bereit sind, die Nachfolge ernsthaft vorzubereiten. 

Das klingt unbequem. Genau deshalb schreibe ich es. Eine Nachfolge ist kein Spaziergang, sondern einer der härtesten Momente in der Geschichte Ihres Betriebs. Wer halbherzig vorbereitet, verspielt nicht nur die eigene Lebensleistung, sondern auch die Zukunft. 

Mein Fazit 

Eine Nachfolge stemmen Sie nicht allein. Ziehen Sie Profis hinzu, die Handwerkskammer, spezialisierte Berater, Menschen, die wissen, wie Übergaben gelingen. Nur so sichern Sie den richtigen Wert, einen sauberen Verkaufsprozess und eine tragfähige Übergabe. Alles andere ist ein Drahtseilakt ohne Netz. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.