Das Altersproblem der Chefs Warum deutsche Firmen auf Verschleiß fahren

Deutschlands Unternehmen altern dramatisch: Das Durchschnittsalter der Inhaber stieg von 45 auf 54 Jahre. Die Folge laut KfW-Studie: Massive Investitionszurückhaltung, die besonders das Baugewerbe trifft.

Ältere Betriebsinhaber halten ihr Geld zusammen. Es sei denn, ein Nachfolger steht in Aussicht. - © Dilok - stock.adobe.com

Ältere Unternehmensinhaber investieren deutlich seltener als junge. Das ist im Prinzip nichts Neues. Problematisch ist nur, dass diese Gruppe in Deutschland immer größer wird. "Viele Unternehmen fahren auf Verschleiß. Dies kann sich Deutschland nicht dauerhaft leisten", sagt Dirk Schumacher, Chef-Volkswirt der KfW-Bandengruppe mit Blick auf die Ergebnisse einer Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels. Besonders stark zeige sich die Alterung im Baugewerbe sowie bei wissensintensiven Dienstleistungen wie Steuerberatern oder Rechtsanwälten.

Betriebsinhaber im Durchschnitt deutlich älter

Wie die KfW weiter mitteilt, investieren Unternehmensinhaber im Alter von unter 40 Jahren deutlich häufiger als solche, die älter als 60 sind. Während die Jüngeren im Schnitt zu 58 Prozent Investitionen vornahmen, waren es bei den älteren Inhabern nur 38 Prozent. An diesem Unterschied von rund 20 Prozentpunkten habe sich in den vergangenen Jahren wenig verändert, hieß es. Verändert hat sich laut KfW aber das Durchschnittsalter der Inhaber: Während es heute bei über 54 Jahren liegt, lag es 2003 noch bei 45 Jahren.

KfW: Im Baugewerbe zeigt sich Alterung besonders

Besonders stark zeigt sich die Alterung nach Angaben der KfW im Baugewerbe: Während 2003 noch 35 Prozent aller Inhaber jünger als 40 Jahre waren, waren es 2024 dagegen nur elf Prozent gewesen. Dagegen sei der Anteil der Inhaber, die älter als 60 sind, im gleichen Zeitraum von 14 auf 34 Prozent gestiegen.

Besser sieht es nach Ansicht von KfW-Studienautor Michael Schwartz im Schnitt im gesamten Handwerk aus: "Im Handwerk scheint sich der Generationenwechsel in den vergangenen 20 Jahren etwas schneller zu vollziehen, also es gibt deutlich weniger ältere Inhaberinnen und Inhaber und mehr jüngere", fasst er gegenüber der DHZ zusammen.

Ältere wollen weniger gern Kredite aufnehmen

Aber zurück zur Überalterung: Als Gründe für die Investitionszurückhaltung älterer Unternehmensinhaber nennt die KfW zum einen den kürzeren Armortisationszeitraum. Zum anderen wollten Ältere ungern Kredite aufnehmen, weil sie keine längerfristigen finanziellen Verpflichtungen mehr eingehen wollten. Diese Zurückhaltung verringere sich aber deutlich für den Fall, dass ein potenzieller Nachfolger in Sicht ist und noch mehr, wenn dieser schon feststeht.

Potenzielle Nachfolger beflügeln Investitionsbereitschaft

Für Chef-Volkswirt Schuhmacher zeigt dies: "Wenn ältere Unternehmer bessere Aussichten haben, Nachfolger zu finden, werden sie auch mehr investieren." Angesichts des demografischen Wandels allerdings eine zusehends schwierigere Aufgabe. Für Schuhmacher gilt deshalb umso mehr: "Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es für junge Menschen attraktiver macht, bestehende Unternehmen zu übernehmen", fordert er. In die gleiche Kerbe schlägt auch Michael Schwartz bei der altersmäßig besseren Lage im Gesamthandwerk: "Die demografische Lücke in der Investitionsneigung dürfte im Handwerk etwas kleiner sein, aber sie ist auch dort vorhanden und kostet Investitionen, vermutlich in Milliardenhöhe", vermutet der Autor der Studie.