Lebensmittelverschwendung Warum Bier weiterhin ein Mindesthaltbarkeitsdatum braucht

Abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und ab in die Tonne: Zu pauschal urteilen viele Verbraucher über die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Bundesernährungsminister Cem Özdemir möchte deshalb das MHD auf lang haltbaren Produkten abschaffen. Auch Bier geriet in die Diskussion. Anders als andere alkoholhaltige Getränke benötigt es ein MHD. Warum? Und warum möchte der Brauer-Bund es unbedingt beibehalten?

Bierflaschen
Bier gilt, anders als Wein, als Frischeprodukt, das mit zunehmendem Alter an Qualität verlieren kann. Deshalb braucht es ein MHD, mit dem die Brauer die Produktqualität garantieren. - © Anoo - stock.adobe.com

Immer wieder gerät das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ins Zentrum der Diskussion um die Lebensmittelverschwendung. Bundesernährungsminister Cem Özdemir ist der Meinung, dass viele Verbraucher es zu ernst nehmen. Viele werfen demnach Lebensmittel lieber weg, wenn das MHD abgelaufen ist, statt sie zu prüfen, ob sie denn wirklich verdorben sind. Dabei gibt das MHD gar nicht an, wann ein Nahrungsmittel ungenießbar wird.

Per Definition ist das Mindesthaltbarkeitsdatum "das Datum, bis zu dem sich ein verpacktes Lebensmittel mindestens lagern und verzehren lässt und dabei seine spezifischen Eigenschaften behält." So beschreibt es das Bundesernährungsministerium (BMEL) auf seiner Website. Geruch, Geschmack, Beschaffenheit, Nährwert, Farbe und Konsistenz müssen demnach bis zum Ablauf des MHD unverändert erhalten bleiben.

Darüber, dass das betreffende Produkt nach Ablauf des MHD nicht mehr verzehrt werden sollte, sagt die Kennzeichnung erst einmal nichts aus. Im Unterschied zum MHD gibt es nämlich noch das sogenannte Verbrauchsdatum – auch Verfallsdatum oder Ablaufdatum genannt. Dieses muss auf leicht verderblichen, verpackten Lebensmitteln angegeben sein wie etwa auf Hackfleisch oder Räucherfisch. Das Verbrauchsdatum wiederum bezieht sich im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum auf mögliche Gesundheitsgefahren, die entstehen können bei einem Verzehr nach Ablauf des Datums. Die Gesundheitsgefahren können durch Keime entstehen, die sich vermehren, aber für den Verbraucher meist nicht erkennbar sind.

Diese Lebensmittel brauchen keine Angaben zum Mindesthaltbarkeitsdatum

Immer wieder sorgen die verschiedenen Angaben, die in der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) geregelt sind, für Irritationen bei den Verbrauchern. Bundesernährungsminister Cem Özdemir ist sogar der Meinung, dass sie dafür sorgen, dass Lebensmittel im Abfall landen, obwohl sie noch verzehrbar sind und nur ein überschrittenes MHD vorweisen. Um etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen, hat er kürzlich vorgeschlagen, das MHD auf Lebensmitteln abzuschaffen, die besonders lange haltbar sind – etwa bei Trockenprodukten wie Reis, Tee oder Honig.

In die Diskussion darüber geriet auch das Bier. So titelte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung in einem Online-Beitrag erst kürzlich "In der Regel ist ein Bier auch drei oder vier Jahre nach Ablauf problemlos trinkbar" und brachte ein Foto von Bierflaschen aus Aufmacher eines Interviews zur Haltbarkeit von Lebensmitteln und Möglichkeiten, wie man die Verschwendung bekämpfen kann. Immerhin besagen Schätzungen, dass jede und jeder in Deutschland etwa 78 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr wegwirft. Beim Bier ist die Sache allerdings nicht ganz so einfach darstellbar – und Bier landet auch nicht im großen Umfang im Müll bzw. im Abfluss. So möchte der Deutsche Brauer-Bund auch das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Bier beibehalten.

Denn Bier benötigt die Angabe nach den Vorgaben im LMIV – und das obwohl einige andere alkoholische Getränke kein MHD brauchen. Konkret gesagt sind von den Vorschriften bislang Lebensmittel ausgenommen, die wirklich sehr lange haltbar sind, weil sie einen niedrigen Wassergehalt haben oder Alkohol enthalten, der eine konservierende Wirkung hat. Anhang X 1d) der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011) listet diese Lebensmittel auf. Dazu gehört unter anderem (diese verkürzte Version kann in ausführlicher Fassung hier nachgelesen werden):

Mindesthaltbarkeitsdatum: "Gütegarantie zur Gewährleistung höchster Produktqualität"

Bier wiederum gilt als alkoholarmes Getränk und als sogenanntes Frischeprodukt. Es verändert sich mit der Zeit. Das heißt zwar nicht, dass es nicht mehr getrunken werden kann, wenn das angegebene MHD abgelaufen ist, aber es kann unter Umständen anders schmecken. In der Definition des BMEL des Mindesthaltbarkeitsdatums heißt es auch: "Werden die jeweils richtigen Lagerungsbedingungen beachtet, beispielsweise kühle oder trockene Lagerung, können Lebensmittel oft auch über dieses Datum hinaus gelagert und verzehrt werden." Es geht also darum, dass der Hersteller nur vor Ablauf des MHD und unter Einhaltung der angegebenen Lagerbedingungen Geschmack, Geruch und Konsistenz des Produkts garantiert.

Auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) teilt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, mit, dass das MHD eine erforderliche Gütegarantie zur Gewährleistung höchster Produktqualität sei. Diese sollte aus seiner Sicht aus guten Gründen beibehalten werden. Nach einer langen Lagerzeit könne es beim Bier zu geschmacklichen Veränderungen kommen, auch der Kohlensäureanteil im Bier werde mit der Zeit niedriger, da Kohlensäure langsam entweicht, erklärt er und führt weiter aus: "Unter dem Einfluss von Licht und Wärme können sich Aromen bilden, die eigentlich nicht zum Bier passen und ein wenig nach Brot oder sogar Käse schmecken und riechen können. Es kann auch zu optischen Veränderungen kommen, da die Inhaltsstoffe im Bier empfindlich sind." Vor diesem Hintergrund sei die Kennzeichnung von Bier mit einem MHD als wichtige Information für die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin unerlässlich, sagt Holger Eichele.

Dennoch möchte er auch nicht unerwähnt lassen, dass sich in Bier grundsätzlich aufgrund des Hopfens, des Alkoholgehaltes und eines tiefen pH-Wertes keine krankheitserregenden Keime bilden können. Daher könnten Biere auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bedenkenlos konsumiert werden. Wie lange ein Bier haltbar ist, hängt vor allem von der jeweiligen Biersorte ab. Alkoholreiche und dunkle Biere sind in der Regel deutlich länger genießbar als andere Biersorten.