Saatgutvielfalt Braugerste: Was der Patentstreit für Brauereien bedeutet

Das Europäische Patentamt hat die Beschwerde gegen das Patent auf Braugerste zweier Großbrauereien abgelehnt. Saatgutschützer sind enttäuscht. Wird Braugerste nun teurer? Schwindet die Vielfalt an Sorten und Geschmack des Biers? Diese Folgen für kleine Brauereien werden erwartet.

Braugerste
Das Patent auf eine bestimmte Züchtung von Gerste, die zum Brauen genutzt wird, bleibt bestehen. - © jhk2303 - stock.adobe.com

Braugerste ist unabdingbar, wenn es ums Bierbrauen geht. Zwar können Brauer auch anderes Getreide dafür nutzen, aber allein das Reinheitsgebot bestimmt, dass Gerste ein Hauptrohstoff im Bier ist. Braugerste zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass sie von allen Getreidearten die höchste Aktivität an stärkeabbauenden Enzymen besitzt – ein entscheidender Faktor im Brauprozess. Doch Braugerste ist nicht gleich Braugerste – es gibt viele verschiedene Sorten, die man je nach Anbauort, erwünschtem Geschmack oder Anbauzeit – ob Sommer- oder Wintergerste – wählt. Diese Vielfalt findet sich auch in der Vielfalt der Biersorten wieder. Doch die Vielfalt gerät dann in Gefahr, wenn sich einzelne das Recht sichern, bestimmte Teile davon als einziger nutzen zu dürfen.

Genau das passiert auch bei Patenten auf bestimmte Sorten von Saatgut. Und genau das steht bereits in der Kritik, seitdem bekannt ist, dass sich die beiden Großbrauereien Carlsberg und Heineken im Jahr 2009 das europäische Patent EP2373154 gesichert haben. Dieses Patent sichert den Konzernen die Verwendung von Braugerste, die extra mit einem sehr niedrigen Gehalt an Dimethylsulfid gezüchtet wurden. Ein hoher Gehalt an Dimethylsulfid bedeutet, dass das Malz zu unerwünscht krautigem Geschmack neigt.

Braugerste: Züchtung immer wieder nötig

Gegen dieses Patent hatte die Initiative "Keine Patente auf Saatgut" eine Beschwerde beim Europäischen Patentamt eingereicht. Am vergangenen Dienstag fand nun die Verhandlung dazu statt – mit einem enttäuschenden Ergebnis für die Saatgutschützer: Die Beschwerdekammer hat die Löschung des Patents abgelehnt. Enttäuscht davon zeigten sich im Nachgang auch Brauereien.

Der Initiative ging es mit der Beschwerde allerdings um mehr als nur die Braugerste. Stattdessen bleibt die grundsätzliche Frage nach der Patentierbarkeit von Pflanzen aus konventioneller Züchtung nun auch weiterhin ungeklärt. Pflanzenzüchter fürchten, dass derartige Patente ihre Arbeit behindern könnten. Üblich ist bei Pflanzen eigentlich der weniger weitgehende Sortenschutz. Dies bedeutet grob, dass der Inhaber einer geschützten Sorte diese zwar allein anpflanzen und verkaufen darf. Anderen sind dann aber wissenschaftliche Versuche und nichtgewerblicher Anbau erlaubt.

Die Initiative warnt davor, dass derartige Patente die Vielfalt auf dem Acker, den Fortschritt in der Züchtung und die Interessen der Verbraucherinnen beeinträchtigen. Auch bei Braugerste ist es nötig, dass Züchtungen den Anbau sichern. "Bei der Züchtung neuer Sorten könne man aktuelle Veränderungen wie etwa der Klimawandel berücksichtigen", erklärt dazu Christoph Then, der Sprecher von "Keine Patente auf Saatgut" gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Grundsätzlich betont er zu den Versuchen der Konzerne, sich bestimmte Pflanzen per Patent zu sichern: "Die Zukunft der Ernährung liegt auch in der Vielfalt des Saatguts. Patente auf Nutzpflanzen können zu einer Gefährdung der Welternährung werden."

Braugerste mit Lizenzvertrag

Die Kritik an den Patenten unterstützen auch deutsche und österreichische Brauer. "Wir brauchen diese in Amerika gelebten Patente nicht", sagte auch Walter König, der Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds, im Bayerischen Rundfunk. "Weil wir befürchten, dass dieser Rattenschwanz, der sich da hinterherzieht an Lizenrechten und Lizenzzahlungen, am Ende so auswirkt, dass Braugerste viel teuer und für mittelständische und kleine Brauereien vielleicht nicht mehr verfügbar oder erschwinglich sein wird."

Christoph Then führt dies genauer aus und sagt: "Für diese Brauereien kann es ein Problem werden, wenn durch große Konzerne der Zugang zur Vielfalt des Angebots eingeschränkt wird. Patente können dazu genutzt werden, den Zugang zu patentierter Gerste blockieren oder gegen Lizenzzahlung Zugang zu gewähren." Beides könne für Wettbewerber sehr nachteilig sein. Then gibt zu bedenken, dass Carlsberg systematisch versuche, interessante Eigenschaften der Braugerste zum Patent anzumelden – so auch in jüngster Zeit. Das könne in der Zukunft erhebliche Auswirkungen haben.

Mit der Beschwerde hatte sich die Initiative auf Entscheidungen von Europäischer Kommission und Europäischer Patentorganisation aus den Jahren 2016 und 2017 berufen, keine Patente auf traditionelle Züchtungsverfahren auszusprechen. Doch rückwirkend geltend lassen möchte das Patentamt dies nicht.

mit Material von dpa