Kolumne Warum Ausbilder Respekt vor dem Lehrling haben sollten

Viele Ausbilder beklagen den mangelnden Respekt ihrer Azubis. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, warum sich Ausbilder diesen erarbeiten sollten und der Titel "Chef" alleine nicht reicht.

Respekt, Menschengruppe
Wer von seinen Azubis respektiert werden möchte, sollte sie mit Einfühlungsvermögen und Motivation ausbilden und sich durch sein Handeln Respekt verdienen. - © New Africa - stock.adobe.com

Eine kluge Erkenntnis: Das Geheimnis der Ausbildungskunst ist der Respekt vor dem Lehrling.

Soweit so gut, aber wie ist es umgekehrt?

Bei der üblichen, wöchentlichen Besprechung überlegten die Ausbilderinnen und Ausbilder einer großen Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt, mit angeschlossenem Autohandel und einer eigenen Lackiererei, was die Gründe für den mangelnden Respekt und das mangelnde Anerkennen von Hierarchien von einigen Lehrlingen sein könnten. Letztendlich kamen sie zu dem Ergebnis, dass junge Menschen offensichtlich ein anderes Verständnis von Respekt haben.

Woran könnten sie das erkannt haben?

  • Da gibt es immer wieder abfälligen Sprüche über andere Personen.
  • Gesten wie eine wegwerfende Handbewegung wurden zunehmend üblich.
  • Beschimpfungen von Beschäftigten nehmen zu.
  • Eine Vorgesetzte wird beleidigt.
  • In Notlagen verhalten sich einige unfair.
  • Lernerfolgskontrollen deckten Mängel auf, man will sich nicht damit befassen.
  • Die im Betrieb geltenden Grundregeln werden nicht mehr beachtet.
  • Durch Kränkung versuchte man andere Person zu schädigen.
  • Es gibt erste Hinweise auf Anwendung körperlicher Gewalt.
  • Demütigungen im Umgang mit anderen nehmen zu.

Was können Ausbilder tun, um für mehr Respekt zu sorgen?

Respekt vor einer Person zu haben, die diesen nur aufgrund eines Titels, wie zum Beispiel Abteilungsleiter hat, ist nicht erstrebenswert. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sollten sich den Respekt der Lehrlinge erarbeiten. Sie müssen dafür nicht nur fachlich glänzen, sondern vor allem die menschlichen Fähigkeiten, wie das Einfühlungsvermögen, die Kommunikationsfähigkeit und Motivationsfähigkeit in die Lehrzeit einbringen. Des Weiteren sollten sie bereit sein, aus Sicht der Jugendlichen, die Sachverhalte und Hintergründe zu erklären, Tätigkeiten und Lernaufgaben einen Sinn geben sowie die Betroffenen an den Entscheidungsprozessen teilhaben lassen.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.