Entscheidungshilfen zur Bundestagswahl Wahltraut, Voteswiper und Co: Alternativen zum Wahl-o-mat

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wurde der Wahl-o-mat über 15 Millionen Mal genutzt. Doch es gibt mittlerweile eine ganze Reihe weiterer Webseiten und Apps, die diese Entscheidungshilfe anbieten. Was unterscheidet sie? Was bieten sie? Und ganz wichtig: Wer finanziert sie?

Labyrinth - Eichhörnchen sucht Nuss
Wer sich nicht entscheiden kann, welche Partei er bei der Bundestagswahl wählen soll, kann eine Entscheidungshilfe zu Rate ziehen. Neben dem Klassiker "Wahl-o-mat" gibt es auch andere spannende Alternativen. - © juliyas - stock.adobe.com

Seit dem 2. September ist der Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung online. Hilfe bei der Wahlentscheidung bieten in diesem Jahr aber auch viele andere Anbieter. Themengebiete und wissenschaftliche Herangehensweise unterscheiden sich stark. Welches der anderen Angebote für wen passend ist:

Wahl-o-mat: Der Klassiker

Der "Wahl-o-mat": Der Wahl-o-mat gibt eine These vor, die man entweder mit "stimme zu", "neutral" oder "stimme nicht zu" bewertet. Vorher haben die Parteien diese Thesen ebenfalls bewertet. Der Algorithmus sucht dann nach Übereinstimmungen und zeigt am Ende, mit welcher Partei es die meisten Übereinstimmungen gibt. Die Bundeszentrale für politische Bildung und somit auch der Wahl-o-mat finanzieren sich aus Steuermitteln.

Musik-o-mat: Bringt Stimmung in die Wahl

Der Wahl-o-mat fürs Ohr: Der Musik-o-mat gibt bei jeder Frage jeweils fünf Musikstücke vor, unter denen man sich seinen jeweiligen Favoriten aussucht. Eine besondere Gewichtung oder ähnliches ist nicht möglich, da bei diesem Wahlhelfer der Spaß im Vordergrund steht. Der Musik-o-mat leitet auf Playlists weiter, die den Parteien zugeordnet werden. Der Streamingdienst Deezer bietet den Musik-o-mat an, den er zu Werbezwecken auf seiner Webseite platziert hat.

Voteswiper: Das Wahl-Tinder

Der Wahl-o-mat für Swiper: Der Voteswiper ist ein für viele Nationen erhältliches Programm, das mit der Uni Freiburg zusammenarbeitet. Es funktioniert ähnlich wie Dating-Apps. So wischt man Aussagen, die einem zusagen, nach rechts und solche, die einem nicht zusagen nach links. In der Funktionsweise gibt es nur einen echten Unterschied zum Wahl-o-mat: Man muss sich zwischen ja und nein entscheiden, kann die These aber auch überspringen. Hinter dem Voteswiper steht ein gleichnamiger Verein, der die Demokratie fördern möchte und sich aus Spenden finanziert.

Wohn-wahl-o-mat: Für Mieter und Vermieter

Der Wahl-o-mat für Mieter und Vermieter: Es gibt jedoch noch ausgefallenere Ideen, die sich speziell auf einen Themenbereich fokussieren. Wie zum Beispiel der Wohn-wahl-o-mat der Wohnwirtschaft Deutschland. Er fragt nämlich nur Themen rund ums Wohnen ab, wie zum Beispiel die Haltung zum Mietendeckel. Die GdW finanziert den Wohn-Wahl-o-mat. In der GdW sind große Wohnungsunternehmen organisiert, die den Wohn-Wahl-o-mat somit mittelbar finanzieren.

Dein Wal: Wahl-ohne-"h"

Der Wahl-o-mat für alle, die den Wahlprogrammen nicht trauen: Dein Wal geht einen anderen Weg bei der Beurteilung der Parteien. Nach dem Motto "Taten zählen mehr als Worte" hat man dort das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten bei namentlichen Abstimmungen ausgewertet. Da die drei Initiatoren dieses Projekt selbst finanziert haben, ist hier allenfalls eine gewisse Subjektivität in der Beurteilung des Abstimmungsverhaltens anzumerken.

Wahltraut: Der Feminist-o-mat

Der Wahl-o-mat für Feministen: Wahltraut funktioniert nach eigenen Angaben wie der Wahl-O-Mat, setzt jedoch den Fokus auf feministische und gleichstellungspolitische Themen. Wahltraut ist ein rein ehrenamtliches Projekt, sowohl die daran beteiligten Redakteure, als auch die Agenturen haben pro bono gearbeitet.

Wahlkompass: Navigation durch den Parteienjungel

Der Wahl-o-mat für Detailverliebte: Der Wahlkompass bietet mehr Reaktionen auf die Thesen an als andere Tools. Von "Stimme vollkommen zu", über "Stimme zu", "Neutral", "Stimme nicht zu", bis zu "Stimme überhaupt nicht zu" kann man hier auf die Thesen reagieren. Dieses Mehr an Information führt  zu einer deutlich besser differenzierteren Beurteilung der jeweiligen politischen Position. Anhand von zwei Achsen, zum einen der wirtschaftspolitischen und zum anderen der gesellschaftspolitischen Positionierung, ordnet man den Wähler hier innerhalb von vier Quadranten an und zeigt die Positionierung der politischen Parteien. Der Wahlkompass geht auf eine ursprünglich Niederländische Webseite zurück, die von der Universität Amsterdam begründet wurde. In Deutschland betreibt es die Uni Münster. Auf Nachfrage der DHZ erklärten die Entwickler, dass die Volkswagen-Stiftung mit einer Förderung den Wahlkompass finanziert.

Agrar-o-mat: Für Landwirte

Der Wahl-o-mat für Landwirte: Die der Zeitschrift "Agra heute” bringt den Agrar-o-mat heraus. Dieser beschäftigt sich, wie der Name bereits vermuten lässt, hauptsächlich mit landwirtschaftlichen Fragestellungen und funktioniert von seiner Struktur her wie der Wahl-o-mat. Der Deutschen Landwirtschaftsverlag finanziert diese Entscheidungshilfe. Zu dem Verlag für Fachliteratur zählt unter anderem auch die “Agrar heute”.

Klimawahlcheck: Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Der Wahl-o-mat für Klimaschützer: Der Klimawahlcheck beleuchtet ausschließlich die klimapolitischen Ziele der Parteien. Es werden alle im Bundestag vertretenen Parteien außer der AfD in die Betrachtungen einbezogen. Die Besonderheit an dem Klimawahlcheck ist, dass man sich nicht durch die Themen klickt und eine Gesamtempfehlung erhält, sondern dass mann sich durch einen Themenblock klickt und dann die Antworten der Parteien einzeln mit seiner eigenen Antwort vergleichen kann. Die Klima-Allianz Deutschland, GermanZero und der Naturschutzbund (Nabu) betreiben und finanzieren ihn.

Sozial-o-mat: Arbeit, Gesundheit, Familie im Fokus

Der Wahl-o-mat für das soziale Gewissen: Der Sozial-o-mat behandelt die Themen Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder und Migration. Auch er gibt Thesen vor, die der Nutzer dann bewerten muss. Eine Besonderheit des Sozial-o-mat ist, dass nur die im Bundestag vertretenen Parteien hier aufgeführt sind. Die Diakonie stellt ihn bereit. Die Diakonie ist der Sozialverband der evangelischen Kirchen in Deutschland und diese finanziert somit auch den Sozial-o-mat.

Fragen und Antworten für Handwerker

Für Handwerker gibt es leider noch keinen eigenen Wahl-o-mat. Die DHZ hat den sechs großen Parteien jedoch einige Fragen gestellt und die Antworten aufbereitet. Hier geht's zum Artikel: "Von Union bis Linke: Das versprechen die Parteien dem Handwerk"