Klimaziele in weiter Ferne SHK-Handwerk: Wärmewende nur mit mehr erneuerbarer Energie

Im Winter laufen hierzulande rund 21 Millionen Heizungsanlagen auf Hochtouren. 80 Prozent von ihnen verbrennen Heizöl oder Erdgas – einer der Gründe, warum Deutschland die Klimaziele 2022 deutlich verfehlt. Um ihnen näher zu kommen, braucht es dringend die angekündigte Wärmewende. Doch diese hängt am Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wärmewende: Heizöl zu tanken, soll bald zur Vergangenheit gehören.
Wärmewende: Heizöl zu tanken, soll bald zur Vergangenheit gehören. Heizungen sollen bis 2025 zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien laufen. - © Jürgen Fälchle – stock.adobe.com

Klimaschutzminister Robert Habeck hat keine guten Nachrichten in Sachen Klimaschutz: In diesem Jahr werden die Klimaziele eindeutig verfehlt. Und auch 2023 wird es seiner Einschätzung nach schwer werden. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß eigentlich um 65 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. 2045 steht das Ziel der Treibhausgasneutralität an. Außerdem soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Dass Deutschland davon weit entfernt ist, kündigte Habeck in seiner "Eröffnungsbilanz Klimaschutz" an. Aktuell stammen erst rund 42 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien.

Um den Zielen immerhin näher zu kommen, möchte der Minister sowohl eine drastische CO2-Minderung anstoßen als auch ein Sofortprogramm für den Ausbau der erneuerbaren Energien starten. Deutschland braucht erheblich mehr Windräder und Solaranlagen – nicht nur, um den Strombedarf zu decken, sondern auch für die angekündigte Wärmewende. Es geht um den Austausch alter Heizungen und die stärkere Nutzung von grünen Energieträgern.

Ziel der Wärmewende: 65 Prozent erneuerbarer Energien zum Heizen

Das Ziel lautet hierbei: Ab 1. Januar 2025 soll jede neu eingebaute Heizung auf Basis von 65 Prozent erneuerbarer Energien betrieben werden. Aktuell sind es nach Angaben des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) nur etwa 13 Prozent.

Deutschlands gesamter Endenergieverbrauch liegt zum jetzigen Zeitpunkt bei rund 2.500 TWh/a. Ein Drittel hiervon, also etwa 800 TWh/a entfallen laut ZVSHK auf die Beheizung von Gebäuden und die Warmwasserbereitung. "Das heimische Holz liefert ca. 120 TWh/a CO₂-neutrale Wärme und Windenergie liefert rund 130 TWh/a Strom", nennt Frank Ebisch, der Sprecher des ZVSHK, als Beispiele, die zeigen, dass hierbei noch deutlich Luft nach oben ist.

Denn für das Erreichen der Ziele oder auch nur das Vorankommen bei der Wärmewende wird es entscheidend sein, wieviel TWh erneuerbare Energien dem Wärmemarkt zu welchem Preis zur Verfügung gestellt werden können. "Die Heiztechniken zur Umwandlung dieser erneuerbaren Energien in Heizwärme oder Warmwasser sind bereits heute verfügbar, die fachlichen Kenntnisse und die handwerklichen Fertigkeiten sowieso", sagt Ebisch. Der Umbau der Energieversorgung und auch der Ausbau mit erneuerbaren Energien ist seit jeher ein Thema des Handwerks.

Wärmewende notwendig: Gebäudebestand mit vielen alten Heizungen

Im Fokus steht dabei der Gebäudebestand in Deutschland. Denn für Neubauten gibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schon den Einsatz von erneuerbarer Energie und energieeffizienter Technik so weit vor, dass die Anforderung zum 1. Januar 2025 erfüllbar erscheinen. Hier sind dem Verband zufolge bereits überwiegend erneuerbare Energien vorgeschrieben – wie grüner Strom in Wärmepumpen, Biomasse (Holz, Pellets, Hackschnitzel) in Biomasseheizungen, Beimischungen von synthetischen Brennstoffen (z.B. Biomethan) in Brennwertgeräten (H2-ready), Sonnenenergie in solarthermischen Anlagen oder in stromerzeugenden PV-Anlagen.

Doch im Gebäudebestand mit rund 21 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland greifen keine vergleichbaren Vorgaben. Hier haben die CO2-verursachenden Energieträger Heizöl und Erdgas noch einen Anteil von mehr als 80 Prozent. Zwar setzt die aktuelle Bundesregierung bereits in Förderprogrammen auf mehr Gebäudesanierungen und kündigt auch im Koalitionsvertrag die genannte Wärmewende an. Von einem Sofortprogramm für den Heizungstausch oder Ähnlichem ist dabei jedoch bislang nicht die Rede. Habeck plant allerdings eine Reform des GEG.

"Auch im Gebäudebestand ist es in der Regel technisch möglich, mit einem hocheffizienten Heizungssystem den geforderten Anteil an erneuerbaren Energien zu nutzen", sagt dazu Ebisch. Dies könne zum Beispiel durch Biomasseheizungen oder Wärmepumpen oder auch in Kombination mit der Nutzung von erneuerbarem Strom oder anderer erneuerbarer oder dekarbonisierter Energieformen wie Holz, Sonnenenergie, Geothermie, Wasserstoff, Biomethan und E-Fuels geschehen. Voraussetzung für das Gelingen bleibt jedoch der Ausbau der erneuerbaren Energien.