Wie Solaranlagen wirtschaftlich bleiben Solarausbau braucht Reform der Einspeisevergütung

Die Bundesregierung möchte den Solarausbau ankurbeln. Die Ziele bis 2030 sind ambitioniert, denn derzeit sinken die Fördersätze und die Anlagenpreise steigen. Investitionen in Solaranlagen lohnen sich immer weniger. Forderungen nach einer dringenden Reform der Einspeisevergütung werden laut.

Solarausbau ohne Reform der Einspeisevergütung für Einfamilienhäuser kaum möglich
Um den Solarausbau anzukurbeln, braucht es Änderungen bei der Einspeisevergütung. Kleine Anlagen werden immer unrentabler. - © haitaucher39 – stock.adobe.com

Die Ziele der neuen Bundesregierung klingen erst einmal gut: Bis 2030 möchte sie den Strombedarf Deutschlands zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Um dies zu erreichen, braucht es einen verstärkten Ausbau mit neuen Photovoltaik-Anlagen. Das Ziel für das Jahr 2030 liegt laut Koalitionsvertrag bei einer Leistung von 200 GW. Bisher sind es rund 60 GW.

SPD, Grüne und FDP versprechen auf dem Weg zu mehr Solarenergie Hemmnisse abzubauen, Netzanschlüsse und Zertifizierung zu beschleunigen, Vergütungssätze anzupassen und die Ausschreibungspflicht für große Dachanlagen und die Förderdeckel zu prüfen. Und das ist auch dringend nötig. Die aktuellen Festlegungen sorgen nämlich für das Gegenteil: Nach Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) machen sie insbesondere den Betrieb von Anlagen unter 100 kW unrentabel, selbst wenn ein Teil der Stromerzeugung für die Eigenversorgung genutzt wird. Schon ab Juni 2022 können neue PV-Anlagen dieser Größenklasse demnach nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Die Einspeisevergütung ist dafür dann zu niedrig und der Anschaffungspreis zu hoch.

Sinkende Einspeisevergütung: Wenig Anreize in Solarausbau zu investieren

Grundsätzlich sinkt die über zwanzig Betriebsjahre ausgezahlte Einspeisevergütung jeweils für Neuanlagen kontinuierlich ab. So möchte man eine Überförderung vermeiden. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Anlagenkosten kontinuierlich absinken. Mit dem "atmenden Deckel" besteht seit 2012 ein Mechanismus der dazu führt, dass die Vergütungssätze bei starkem Wachstum und damit verbundenen hohen Zubauzahlen schneller sinken, als wenn weniger Anlagen installiert werden.

Richtschnur ist momentan ein jährlicher Zielzubau bei Dachanlagen von 1.900 MW, der in den vergangenen vier Jahren deutlich übertroffen wurde. Doch damit sinkt die Rendite für die Besitzer neuer PV-Anlagen, wenn der Zubau mit neuen Anlagen an Fahrt aufnimmt. Da die Anlagenpreise derzeit hoch sind, sind die Anreize gering, aus freien Stücken in den Solarstrom zu investieren. Wie will die Regierung also die Menschen ermuntern, beim Solarausbau weiter mitzumachen?

Wirtschaftlicher Betrieb von PV-Anlagen bis 100 Kilowatt kaum möglich

Matthias Futterlieb ist Referent für erneuerbare Energien beim Umweltbundesamt. Er berichtet, dass der erste große Solarboom vor über zehn Jahren vor allem durch eine noch relativ hohe Vergütung des eingespeisten Stroms bei bereits stark sinkenden Kosten der Anlagen ausgelöst war. Die Einspeisevergütung war ursprünglich so angelegt worden, dass sie die Stromgestehungskosten decken und dem Anlagenbetreiber eine Rendite bringen sollte. Inzwischen amortisieren sich Photovoltaikanlagen teilweise durch den Eigenverbrauch des Solarstroms, ein Großteil der Stromerzeugung wird aber weiterhin eingespeist. Weil der Eigenverbrauch sehr attraktiv ist, konnte die Vergütung für die eingespeisten Strommengen sogar unter die Stromgestehungskosten sinken. Doch dieser Mechanismus funktioniert bald nicht mehr. Schon seit mehreren Jahren ist laut UBA ein wirtschaftlicher Betrieb von PV-Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung nur noch möglich, wenn Anlagenbesitzer einen Teil des Stroms selbst verbrauchen können.

Um bis zu zehn Prozent sind die Solarmodule im Laufe des Jahres 2021 teurer geworden, zeigen Berichte über verschiedene Hersteller. "Die Kosten steigen, da die Lieferketten der notwendigen Teile und Materialien durch die Corona-Pandemie gestört sind. Außerdem gibt es zu wenig Installateure und so sind auch die Kosten für die Fachhandwerker hoch", erklärt Futterlieb dazu. Die Installationskosten seien bei den kleinen Anlagen ein wichtiger Kostenfaktor. Sie machen bis zu 40 Prozent aus in der Gesamtkalkulation einer Anlage.

Für mehr Solarausbau: So könnte man die Einspeisevergütung ändern

Das UBA schlägt deshalb vor, dass die Regierung das Verhältnis von Einspeisevergütung und Anlagenpreisen stärker im Blick haben sollte. Die Einspeisevergütung sollte demnach dann steigen, wenn die Gesamtkosten der Anlagen steigen. Der atmende Deckel müsste also symmetrischer wirken und nicht nur für die Absenkung, sondern gleichermaßen auch für eine schnelle Anhebung der Einspeisevergütung sorgen. Außerdem sollten diejenigen einen Bonus bekommen, die den gesamten Solarstrom des eigenen Daches einspeisen. So soll es auch für diejenigen attraktiv sein, eine PV-Anlage zu installieren, die den Strom nicht selbst nutzen können. Dem Ziel, dass jährlich rund 16 Gigawatt PV-Leistung im Jahr installiert werden, würde man ansonsten nur schwer näher kommen.

Dass die Bundesregierung die Einspeisevergütung zügig überarbeiten muss, fordert auch die Solarwirtschaft. "Das UBA liegt in seiner Analyse richtig, dass ohne eine entsprechende Reform Investitionen in neue PV-Dächer nicht zunehmen, sondern einbrechen werden", sagt dazu Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar). Der Verband fordert die Politik auf, die Ausbaukorridore im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in den ersten 100 Tagen der Legislaturperiode an die verschärften Klimaziele anzupassen und die dort verankerten Förder-Degressionsregeln zügig zu reformieren.

Laut Körnig wird der akute Handlungsbedarf dann vor allem sichtbar, wenn man bedenke, dass die EEG-Vergütungssätze für neue PV-Dächer seit Anfang 2020 um mehr als 30 Prozent gesunken sind. Den Angaben des BSW Solar zufolge sind währenddessen die Preise schlüsselfertiger Solarsysteme sogar um rund 20 Prozent gestiegen. "Amortisationszeiten neuer Solarstromanlagen haben sich dadurch erheblich verlängert", sagt der Geschäftsführer. Im Gewerbesektor würde dies PV-Investitionen bereits heute zunehmend ausbremsen.

Solarausbau ankurbeln: Kann eine Solarpflicht helfen?

Während die Solarwirtschaft der viel diskutierten Solarpflicht eher kritisch gegenübersteht, hat das UBA dazu allerdings konkrete Vorschläge, wie auch diese den PV-Ausbau unterstützen könnte. Die Bundesregierung plant laut Koalitionsvertrag eine Installationspflicht für neue Nicht-Wohngebäude. Einige Bundesländer gehen allerdings weiter und verpflichten künftig auch Bauherrn von Wohngebäuden. Carsten Körnig kommentiert die Pläne wie folgt: "Eine Solarpflicht im Neubau kann allenfalls eine flankierende Maßnahme sein. Sie ersetzt aber keinesfalls eine Verbesserung der Investitionsbedingungen." Bei gewerblichen Neubauten hat sie für ihn zwar einen hohen Symbolwert. Doch der Marktimpuls sei mit bestenfalls einem Gigawatt neuem Zubau jährlich leider aber überschaubar.

Obwohl auch Matthias Futterlieb der Ansicht ist, dass eine Reform der Einspeisevergütung der erste Schritt sein muss, weist er auf eine Nutzungs- und Katasterpflicht für alle Neubauten hin, die dem Solarausbau einen Anschub bringen könnte. Das UBA hat dazu ein Gutachten erstellen lassen. Dieses gibt verschiedene Optionen vor, wie man mehr Dachflächen mit PV-Modulen ausstatten kann. So würde dabei der verpflichtete Eigentümer entscheiden, entweder eine PV-Anlage zu installieren und selbst zu betreiben, oder die Dachfläche in ein Kataster einzutragen. Dann können Dritte sie für den Betrieb einer Photovoltaikanlage pachten. Voraussetzung dafür ist, dass die Anlage auch in Volleinspeisung rentabel betrieben werden kann.

Abschaffung der EEG-Umlage: Solarausbau dennoch gefördert

Um eine Entlastung von steigenden Stromkosten zu schaffen, hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgelegt, die EEG-Umlage ganz abzuschaffen. Bisher werden die Einnahmen aus der EEG-Umlage auf das sogenannte EEG-Konto eingezahlt, aus dem die Einspeisevergütungen der Anlagenbetreiber gezahlt werden. Nachdem die Umlage Anfang 2022 auf Grund der hohen Börsenstrompreise schon stark abgesenkt ist (von 6,5 ct/kWh auf 3,7 ct/kWh), soll das EEG-Konto ab 2023 vollständig aus den Einnahmen des Emissionshandels bzw. aus dem Bundeshaushalt gespeist werden.

Die Abschaffung der EEG-Umlage in ihrer jetzigen Form freut vor allem Wirtschaftsvertreter der energieintensiven Branchen wie die Bäcker, die dadurch mit etwas weniger hohen Stromkosten rechnen können. Obwohl sowohl das UBA als auch der BSW Solar nicht damit rechnen, dass dieser Schritt Einfluss auf die Höhe der Einspeisevergütung hat, äußern beide Bedenken zu den Plänen.

Kritik an der Finanzierung der EEG-Umlage

Ab 2023 wird die Einspeisevergütung statt aus der EEG-Umlage und damit über die Stromrechnungen aus den Einnahmen über den CO2-Handel, aus dem Klimafonds, finanziert. Der Staat übernimmt die Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien also selbst und finanziert sie aus dem Haushalt. "Wir können nachvollziehen, dass die Bundesregierung die Strompreise senken möchte, halten die Umstellung auf eine Haushaltsfinanzierung des EEG aber dennoch für einen Fehler", sagt dazu Carsten Körnig. Seiner Meinung nach werden die Abstimmungen über Änderungen der Förderung dadurch wesentlich komplizierter. "Jede Gesetzesnovelle muss dadurch jetzt ein kompliziertes und monatelanges beihilferechtliches Bewilligungsprozedere durchlaufen", erklärt er. Vermeidbar wäre dies, wenn man "lediglich den relevanten Umlagensockel von Altanlagen in die Haushaltsfinanzierung überführen würde".

Ähnlich sieht das Matthias Futterlieb, der ebenfalls die Haushaltsabhängigkeit als möglichen Hemmschuh sieht. Nur die Bestandsanlagen aus dem Haushalt zu finanzieren und für neue Anlagen eine dann deutlich reduzierte EEG-Umlage bestehen zu lassen, würde auch das UBA unterstützen.