Der Traum vom eigenen Friseursalon Vom Angestellten in Hurghada zum Meister in Bautzen

Ahmed Elhussiny kam vor elf Jahren der Liebe wegen nach Bautzen. Heute ist der Ägypter Friseurmeister und betreibt seinen eigenen Salon mitten im Stadtzentrum. Hinter ihm liegt ein steiniger Weg.

Ahmed Elhussiny mit Meisterbrief
Sichtlich stolz auf seinen Meisterbrief: Ahmed Elhussiny. Der Ägypter betreibt in Bautzen seinen eigenen Friseursalon – den Barbershop119. - © Daniel Bagehorn

Die Reichenstraße in Bautzen ist die Einkaufsstraße der Stadt. Der schmucke Boulevard mit Geschäften, Boutiquen und Restaurants führt vom Kornmarkt mit dem markanten Reichenturm zum Hauptmarkt, auf dem sich das Rathaus erhebt. Hier inmitten der Altstadt der historischen Hauptstadt der Lausitz betreibt Ahmed Elhussiny seinen Friseursalon zusammen mit einer Angestellten.

Klassisches Handwerk und orientalische Bartkultur

Männer- und Frauenhaarschnitte, Bartpflege und Haarentfernung mit dem Faden – im Barbershop119, so der Name des Salons, werden klassisches Friseurhandwerk deutscher Prägung sowie alles rund um die orientalischer Bartkultur angeboten. "Der Salon ist mein Traum und ich habe hart für ihn gearbeitet", berichtet Ahmed Elhussiny stolz. Seit elf Jahren lebt der gebürtige Ägypter in Deutschland, genauer in Bautzen.

Leitender Angestellter am roten Meer

Aufgewachsen und zur Schule gegangen in Alexandria erlernte der heute 40-Jährige das Friseurhandwerk noch in seinem Heimatland. "Man darf sich die Ausbildung nur nicht so vorstellen wie hier in der Bundesrepublik. In Ägypten steht die Praxis im Mittelpunkt", so der Bautzener fröhlich und in fehlerfreiem Deutsch. In Hurghada, dem größten ägyptischen Tourismuszentrum am Roten Meer, war Ahmed Elhussiny zuletzt leitender Angestellter in einem Friseursalon. "Am Vormittag habe ich damals im Hotel frisiert, nachmittags im Salon", erinnert er sich. "Ich habe zwölf Stunden am Tag gearbeitet."

In Hurghada war es auch, wo Ahmed Elhussiny im Jahr 2008 die Liebe seines Lebens (seine heutige Frau), eine Bautznerin, kennen lernte. Als nach der Ägyptischen Revolution die Touristen in Hurghada ausblieben und die Unsicherheit im Land größer wurde, entschloss sich Elhussiny vor elf Jahren schweren Herzens, seine Heimat zu verlassen und sein Glück in Bautzen zu suchen.

"Habe nichts geschenkt bekommen"

Hier angekommen, drückte der Ägypter erst einmal die Schulbank – für ein halbes Jahr hieß es für ihn in einem Deutschkurs Vokabeln pauken. Als angestellter Friseur – seine Qualifikationsschreiben ließ sich Ahmed Elhussiny noch in der Botschaft übersetzen – arbeitete er im Anschluss für mehrere Jahre in einem Friseurstudio in Bautzen.

Doch im Hinterkopf und als großes Ziel hat der Neu-Lausitzer die Selbstständigkeit. Ein eigener Friseursalon soll es sein. "Ich habe mich also bei der Handwerkskammer Dresden beraten lassen, was alles für solch einen Schritt notwendig ist", erinnert er sich. Da die Selbstständigkeit im Friseurhandwerk in Deutschland den Meistertitel voraussetzt, drückt der ehrgeizige Ägypter also wieder die Schulbank.

Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer

In Teilzeit widmet sich der 40-Jährige ab Herbst 2018 dem Meisterstudium. Montags und samstags ist er in Dresden im Friseurzentrum der Innung, nebenbei richtet er, mit Ausnahmebewilligung der Handwerkskammer Dresden, seinen eigenen Salon in Bautzen ein. Denn im März 2019 findet er den passenden Standort für sein Geschäft.

Erfolgreich im dritten Anlauf

"Die Meisterschule war schwer. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so anspruchsvoll wird", erinnert sich Ahmed Elhussiny. "Gerade auch wegen der Sprache, die ja für die Theorie wichtig ist, fiel es mir nicht immer leicht." Zweimal fällt der Ägypter durch die Prüfung. "Aber ich habe nicht aufgegeben. Ich wollte es unbedingt schaffen. Man bekommt eben nichts geschenkt, sondern muss hart dafür arbeiten." Geschafft hat es Ahmed Elhusinny im April 2022. Seitdem ist er Friseurmeister. Der Meisterbrief hängt prominent im Eingangsbereich seines Salons in Bautzen.