4.950 Handwerksbetriebe sind 2025 insolvent gegangen – so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Oft liegt das Problem nicht im Auftragsmangel, sondern in der Lücke zwischen Leistung und Zahlungseingang. Vier Maßnahmen, die helfen, diese Strecke systematisch zu verkürzen.

Ich bin Handwerksmeister. Ich kenne das Gefühl: Die Auftragsbücher sind voll, die Mannschaft stimmt, die Baustellen laufen – und am Monatsende ist das Konto trotzdem knapp. Nicht weil zu wenig Arbeit da ist. Sondern weil zwischen Leistung und Zahlungseingang mehr Zeit liegt, als viele Betriebe aushalten.
2025 sind 4.950 Handwerksbetriebe in die Insolvenz gegangen, 13,3 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Wer nur auf den Auftragskalender schaut, versteht das Problem nicht.
Vorleistung als Problem
Kern des Problems ist die Vorleistung. Wir kaufen Material, zahlen die Löhne, stellen Fahrzeuge und Maschinen. Oft über Wochen. Nach der gesetzlichen Grundregel wird der Werklohn erst mit der Abnahme fällig. Bis dahin finanzieren wir das Projekt weitgehend aus eigener Tasche.
Und danach ist oft noch lange kein Geld auf dem Konto. In der Praxis folgen auf die Abnahme oft erst die Rechnung, dann das vereinbarte Zahlungsziel und nicht selten weitere Tage im Verzug.
Der Creditreform-Zahlungsindikator für das zweite Halbjahr 2025 weist im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen ein durchschnittliches Zahlungsziel von 32,13 Tagen aus. Die gesamte Forderungslaufzeit, also Zahlungsfrist plus Überfälligkeit, liegt bei 39,63 Tagen. Das ist keine Handwerksstatistik, aber es zeigt die Größenordnung: Selbst nach der Abnahme vergeht im Schnitt noch einmal gut ein Monat, bis das Geld eingeht.
Viel Kapital vorfinanziert
Material im Januar bestellt, Löhne im Februar gezahlt, Abnahme im März, Geld im Mai. In dieser Zeit läuft der Betrieb auf eigenes Risiko und mit eigenem Geld. Je mehr Projekte parallel laufen, desto mehr Kapital muss vorfinanziert werden. Wir sind dem nicht ausgeliefert. Entscheidend ist, die Strecke zwischen Leistung und Zahlungseingang systematisch zu verkürzen. Dazu vier Hinweise:
- Abschlagszahlungen konsequent nutzen. Nach § 632a BGB können Sie Abschlagszahlungen in Höhe des Werts der von Ihnen erbrachten und nach dem Vertrag geschuldeten Leistungen verlangen. Voraussetzung ist eine Aufstellung, die eine rasche und sichere Beurteilung der Leistung ermöglicht. Wer sauber dokumentiert, kommt schneller an sein Geld. Bei einer Badsanierung über sechs Wochen ist eine Zahlung nach dem Rohbau und eine nach den Fliesenarbeiten kein Misstrauen, sondern schlicht die Abbildung dessen, was bereits geleistet und verbaut wurde.
- Sofort abrechnen. Die Abnahme ist der Startschuss, nicht die Woche danach. Jeder Tag zwischen Leistung und Rechnung verlängert die Zeit bis zum Zahlungseingang. Unklare oder fehlerhafte Rechnungen liefern zudem unnötige Ansatzpunkte für Rückfragen und Verzögerungen.
- Bonität prüfen und Klumpenrisiken vermeiden. Creditreform warnt davor, die Abhängigkeit von einzelnen Kunden zu groß werden zu lassen. Wenn ein einzelner Auftraggeber einen großen Teil Ihres Umsatzes ausmacht und ausfällt, wird daraus schnell ein existenzielles Problem. Eine Auskunft kann viel Ärger sparen.
- Bauhandwerkersicherung nutzen. Nach § 650f BGB können Sie Sicherheit für die vereinbarte und noch nicht gezahlte Vergütung verlangen, zuzüglich zehn Prozent für Nebenforderungen. Dieser Anspruch ist zwingend und kann vertraglich nicht ausgeschlossen werden. Er gilt aber nicht in jedem Fall. Ausgenommen sind juristische Personen des öffentlichen Rechts und öffentlich-rechtliche Sondervermögen. Ebenfalls ausgenommen sind Verbraucher bei Verbraucherbauverträgen nach § 650i BGB und bei Bauträgerverträgen nach § 650u BGB. Besonders relevant ist das Instrument daher im Geschäft unter Unternehmern, etwa gegenüber Generalunternehmern.
Auftrag ist nicht gleich Liquidität. Zwischen Auftrag und Geldeingang liegen Materialeinkauf, Löhne, Abnahme und Zahlungsziel – und jeder dieser Schritte kostet Zeit. Wer Abschläge nutzt, zügig abrechnet, Kunden prüft und Forderungen absichert, verkürzt die Strecke.
Zum Autor: Mohamad Chouchi ist Handwerksmeister und Social-Media-Experte für das Handwerk.
