Ehegatten, Kindern & Co. anstellen Verträge mit Angehörigen: So sichern Sie Steuervorteile

Wer Ehegatten oder Kinder als Aushilfen einstellt, genießt Steuervorteile. Das Finanzamt vermutet allerdings oftmals, dass die Anstellungsverhältnisse nur auf dem Papier bestehen. So sichern Sie Verträge mit Angehörigen ab und retten den Betriebsausgabenabzug.

Bernhard Köstler

Wenn Familienmitglieder im Betrieb mitarbeiten, sollten die Verträge wasserdicht sein. Das Finanzamt schaut genau hin. - © Foto: ikonoklast_hh/Fotolia

Bei Vertragsbeziehungen zwischen einem Handwerksbetrieb und Familienangehörigen des Betriebsinhabers müssen folgende Voraussetzungen eingehalten werden, damit das Finanzamt die Betriebsausgaben für Gehalts-, Miet- oder Zinszahlungen Gewinn mindernd akzeptiert:

  • Ernsthaftigkeit des Vertragsverhältnisses: Es empfiehlt sich der Abschluss eines schriftlichen Vertrags. Auf Sondervereinbarungen, die fremden Aushilfen nicht zustehen, sollte verzichtet werden. Wer im Schreibwarenladen vorgefertigte Musterverträge verwendet, ist steuerlich auf der sicheren Seite.
  • Vereinbarungen einhalten: Ehegatten sollten sich akribisch an die vertraglich getroffenen Vereinbarungen halten. Das bedeutet, dass jeder Vertragspartner seinen Pflichten nachkommen muss.
  • Fremdvergleich: Sind die ersten beiden Hürden genommen, sollten der Betriebsinhaber und das angestellte Familienmitglied darauf achten, dass die getroffenen Vereinbarungen fremdüblich sind, also auch bei Arbeitnehmern, die nicht zur Familie gehören üblich sind.
Praxis-Tipp: Vor Abschluss von Verträgen zwischen Handwerksbetrieb und Familienmitgliedern sollten Betriebsinhaber ihren Steuerberater hinzuziehen. Dieser kann dann die Weichen dafür stellen, dass das Finanzamt diese Vertragsverhältnisse und vor allem den Betriebsausgabenabzug steuerlich akzeptiert.

Familienmitglied Erholungsbeihilfe spendieren

Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern nach § 40 Abs. 2 Nr. 3 EStG eine Erholungsbeihilfe von 156 Euro, für dessen Ehepartner 104 Euro und für jedes Kind des Arbeitnehmers 52 Euro pro Jahr ausbezahlen. Der Clou dabei: Übernimmt der Arbeitgeber die Steuer pauschal (25 Prozent Lohnsteuer zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer), fallen auch keine Sozialabgaben an. Die Beihilfe kommt beim Arbeitnehmer als brutto wie netto an.

Beispiel: Die angestellte Ehefrau von Handwerker Huber hat seit Jahren kein Urlaubsgeld mehr bekommen. Deshalb zahlt der Betriebsinhaber seiner angestellten Frau eine Erholungsbeihilfe von 468 Euro Ehefrau, sich selbst als Ehegatten und für die vier Kinder). Da er auch noch die Pauschalsteuern übernimmt, kommen die vollen 468 Euro im Geldbeutel der Ehefrau an.

Praxis-Tipp 1: Die Vergünstigungen zur Erholungsbeihilfe gibt es nur, wenn folgende Voraussetzungen beherzigt werden: Es darf kein Arbeitslohn umgewandelt werden. Die Erholungsbeihilfe muss zusätzlich zum Arbeitslohn bezahlt werden.Die Beihilfe muss im Zusammenhang mit einem Urlaub des Arbeitnehmers geleistet werden.Die Beihilfe muss deshalb frühestens drei Monate vor oder spätestens drei Monate nach dem Urlaub gezahlt werden.
Praxis-Tipp 2: Damit das Finanzamt diese steuerfreien Zahlungen an den Ehegatten (und indirekt an sich selbst) akzeptiert, müssen auch anderen Mitarbeitern diese Erholungsbeihilfe gezahlt werden. Wird nur der Ehefrau diese Beihilfe zugewandt, den anderen Arbeitnehmern nicht, ist das ein Verstoß gegen den Fremdvergleich. Folge: Das Finanzamt erkennt das Vertragsverhältnis steuerlich nicht an, der Betriebsausgabenabzug wird gestrichen.

Betriebliche Altersvorsorge im Midijob

Stellt der Inhaber eines Handwerksbetriebs seinen Ehegatten als Aushilfskraft ein, winkt ein interessantes, aber in der Praxis meist unbekanntes Gestaltungsmodell: Dabei erhält der angestellte Ehegatte ein Midijob-Gehalt und wandelt davon so viel in eine betriebliche Altersvorsorge um, damit ein Minijobverhältnis vorliegt.

Bei einem Midijob darf eine Aushilfskraft maximal zwischen 450,01 Euro und 850 Euro verdienen. Die GmbH muss bei solchen Midijobs ganz normal Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung sowie Lohnsteuer abführen. Der Midijobber muss dagegen nur ermäßigte Beiträge zur Sozialversicherung abführen.

Vom Midijob zum Minijob durch Gehaltsumwandlung

Durch eine Entgeltumwandlung zu Gunsten einer betrieblichen Altersvorsorge kann der als Midijobber angestellte Ehegatte zum Minijobber werden.

Vorteil: Die Pauschalabgaben für den Minijob liegen deutlich unter den Abzügen für den Midijob. Dass dieses Gestaltungsmodell tatsächlich funktioniert, hat die Deutsche Rentenversicherung in den neuen Geringfügigkeits-Richtlinien 2013 bestätigt (abrufbar hier; siehe hier insbesondere Seiten 41 und 122).

Beispiel: Die in der GmbH angestellte Ehegattin des Gesellschafter-Geschäftsführers erhält als Midijobberin ein monatliches Gehalt von 560 Euro. Ab Januar werden 120 Euro davon in eine betriebliche Altersvorsorge umgewandelt. Da das Gehalt dadurch auf 440 Euro gesunken ist, liegt ein Minijob vor (seit 1. Januar 2013 Verdienst bis 450 Euro).

Folge: Die GmbH muss pauschal nur noch 30 Prozent Abgaben aufbringen und die Minijobberin kann auf die Rentenversicherungspflicht verzichten.

Praxis-Tipp: Das Finanzamt könnte dieses Gestaltungsmodell noch kippen, wenn die Entgeltumwandlung nicht dem Fremdvergleich entspricht. Im Klartext bedeutet das: Sie müssen die Möglichkeit der Entgeltumwandlung allen Midijobbern anbieten und nicht nur dem angestellten Ehegatten.

Riester-Zulagen sichern durch Minijob

Stellt ein selbstständiger Handwerker seinen Ehegatten als Minijobber auf 450-Euro-Basis an, kann der eigene Rentenversicherungsbeitrag von 16,65 Euro im Monat einen enormen Vorteil bedeuten (450 Euro Minijobgehalt x 3,7 Prozent). Denn durch die Rentenversicherungspflicht erhält der angestellte Ehegatte einen Riesteranspruch. Zahlt der Minijobber seinen Mindestbeitrag, bekommt der selbstständige Handwerker einen abgeleiteten Riesteranspruch (§ 79 Satz 2 EStG).

Folge: Schließt nun der Selbstständige auch einen Riestervertrag ab und zahlt im Jahr 60 Euro in den Vertrag ein, winken zweimal Zulagen. Zum einen die staatliche Grundzulage von jährlich 154 Euro und zum anderen die Kinderzulagen von 185 Euro je Kind (bei Geburt ab 2008: 300 Euro).

Sonstige Hilfeleistungen durch Angehörige

Für kurzfristige Hilfe im Betrieb muss man nicht zwingend einen Arbeitsvertrag abschließen, um die Kosten als Betriebsausgaben berücksichtigen zu können. Fällt z. B. ein Kurier für einen wichtigen Warentransport aus, können Unternehmer z. B. ihren Vater bitten, sich auf den Weg zu machen. Fährt dieser mit dem eigenen Pkw, können Unternehmer entweder die tatsächlichen Benzinrechnungen bezahlen oder 0,30 EUR je gefahrenen Kilometer erstatten. Auch ein lohnsteuerfreies Trinkgeld für die aufgewendete Zeit ist bei solchen einmaligen Situationen angemessen.

Wichtig: Der Betriebsinhaber muss gegenüber dem Finanzamt stets nachweisen, dass Ausgaben betrieblich veranlasst sind. Dafür sollte er sich die Auszahlung unbedingt quittieren lassen und detailliert vermerken, wofür diese Aufwendungen angefallen sind.

Handelt es sich um einmalige Hilfeleistungen, für die der Helfer nicht extra in der Firma angestellt wurde, erzielt dieser sonstige Einkünfte (§ 22 EStG). Betragen diese sonstigen Einkünfte im Jahr weniger als 256 EUR, sind diese steuerfrei.

Darlehensgeber mit volljährigen Familienangehörigen

Leihen Unternehmer sich Geld von volljährigen und voneinander wirtschaftlich unabhängigen Angehörigen, stellt die Finanzverwaltung folgende Anforderungen an die Wirksamkeit eines Darlehensvertrags:

  • Der Darlehensbetrag muss der Höhe nach benannt werden.
  • Die Höhe des Zinssatzes muss angegeben werden, der Vereinbarungen wie unter Fremden entsprechen muss.
  • Es muss festgelegt sein, wann die Zinsen fällig sind (monatlich, vierteljährlich, jährlich).

Wird das Darlehen nicht besichert, ist das bei volljährigen und wirtschaftlich voneinander unabhängigen Darlehensgebern kein Problem, wenn die Darlehensmittel, die aus Anlass der Herstellung oder Anschaffung von Vermögensgegenständen gewährt werden (z. B. Bau- oder Anschaffungsdarlehen), ansonsten bei einem fremden Dritten hätten aufgenommen werden müssen.

Entscheidend ist, dass die getroffenen Vereinbarungen tatsächlich vollzogen werden, insbesondere die Darlehenszinsen regelmäßig gezahlt werden. Die Modalitäten der Darlehenstilgung und die Besicherung werden dann vom Fiskus nicht näher geprüft.

Damit das Finanzamt die Vertragsverhältnisse zwischen dem selbständigen Handwerker und seinen Familienangehörigen anerkennt, sollten bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. Eine Checkliste zeigt Ihnen, welche das sind.

Checkliste zur Beschäftigung von Familienangehörigen

Damit das Finanzamt die Vertragsverhältnisse zwischen dem selbständigen Handwerker und seinen Familienangehörigen anerkennt, sollten folgende Voraussetzungen eingehalten werden:

Voraussetzungenja nein
Kann ich dem Finanzamt bei Rückfragen einen Vertrag vorlegen, den ich mit dem Familienmitglied abgeschlossen habe?
Halten sich beide Vertragspartner – also ich als Selbständiger und mein Familienmitglied – an die vertraglichen Vereinbarungen?
Entsprechen die vertraglichen Vereinbarungen denselben Vereinbarungen, wie mit Fremden üblich sind?

Können Sie alle Fragen mit ja beantworten, dürfte das Finanzamt einen Haken hinter die Vertragsbeziehung zwischen Ihnen und dem Familienmitglied machen und den Vertrag steuerlich anerkennen.