Auf den Krisenfall vorbereitet Verteidigung als Chance für Handwerksbetriebe

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks sieht das Handwerk als unverzichtbaren Teil der Sicherheitsvorsorge – und will Betrieben den Zugang zu neuen Märkten erleichtern. Wie Betriebe sich auf Konflikte vorbereiten können.

Viele Handwerker sind beim Roten Kreuz engagiert. Im Konfliktfall sind die Mitarbeiter bei den "Blaulichtsorganisationen" möglicherweise stark eingebunden. - © Bayerisches Rotes Kreuz

Seit rund anderthalb Jahren beschäftigt sich der ZDH intensiv mit der Frage, welchen Beitrag das Handwerk zur Gesamtverteidigung leisten kann. Wie Constantin Terton, ZDH-Bereichsleiter Wirtschaftspolitik, erläutert, gehe es dabei ausdrücklich nicht nur um militärische Szenarien, sondern um unterschiedliche Krisenlagen – von Pandemien über Naturkatastrophen bis zu internationalen Konflikten. Die zentrale Frage für jeden einzelnen Betrieb lautet: Wie halte ich meinen Betrieb aufrecht, wenn Teile der Infrastruktur ausfallen?

Betriebe als Rückgrat der Versorgung

"Das Handwerk hält das Land am Laufen“, betont Terton. Bäckereien und Lebensmittelhandwerke, Textilreiniger, Gesundheitshandwerke, Elektro- und SHK-Betriebe – sie alle sicherten die Nahversorgung der Bevölkerung. Falle etwa ein Textilreinigungsbetrieb aus, könne das den Weiterbetrieb von Krankenhäusern gefährden. Im Krisenfall bedeute Gesamtverteidigung für das Handwerk nicht, militärische Kolonnen direkt zu unterstützen, "sondern in der zweiten Reihe die Funktionsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft vor Ort zu sichern“. Die kleinteilige Aufstellung macht Handwerksbetriebe besonders wertvoll: Sie springen lokal ein und sind in der Nahversorgung kaum zu ersetzen.

Für Betriebe ergeben sich laut Terton auch wirtschaftliche Perspektiven dadurch, dass die Bundesregierung massiv in Verteidigung investiert. Große Teile des Handwerks seien als Zulieferer etwa im Fahrzeug- und Maschinenbau tätig und stünden aktuell unter Druck – unter anderem wegen der Krise der Autoindustrie. Zugleich entstehen neue Anforderungen und potenzielle Märkte in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Sicherheit. Um den Zugang zu diesen Märkten zu erleichtern, habe der ZDH laut Terton Austauschplattformen geschaffen und arbeite daran, Hürden bei Zertifizierung und Regulierung abzubauen.

Was Betriebsinhaber jetzt konkret tun können

Terton rät Betriebsinhaberinnen und -inhabern, den eigenen "Notfallkoffer" gezielt zu erweitern: Kontaktdaten und Arbeitswege aller Mitarbeiter dokumentieren, Sicherheitskopien und Backups prüfen, in Cybersicherheit und Notstromversorgung investieren und Ersatzlösungen für neuralgische Punkte im Betrieb schaffen, etwa Wassertank, Kraftstoffreserven oder Notfallradio.

Besonders wichtig für Arbeitgeber: Sie sollten wissen, welche Beschäftigten bei Feuerwehr, THW oder als Reservisten der Bundeswehr im Krisenfall anderweitig gebunden wären. Für Arbeitgeber bleibt die Verfügbarkeit von Personal ein zentrales Thema. Generalleutnant Bodemann verweist darauf, dass an Lösungen gearbeitet werde, um hier früher Planungssicherheit zu schaffen; derzeit ist die "Unabkömmlichstellung“ rechtlich an den Spannungs- oder Verteidigungsfall geknüpft.

Als Anlaufstellen, um sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten, nennt Terton etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit seinen Checklisten, die Handwerkskammern und Fachverbände vor Ort sowie bereits vorhandene Handreichungen einzelner Zentralfachverbände, etwa der Bäcker. Für die Kommunikation gegenüber Belegschaften und Kunden verweist der ZDH-Bereichsleiter auf Schwedens Informationsbroschüre als Vorbild: sachlich, offen und ohne Alarmismus. Betriebe sollten auf Störungen jeder Art vorbereitet sein, denn nicht jede Krise geht gleich mit einem Krieg einher.