Verbraucher fürchten digitale Stromzähler Verbraucher fürchten digitale Stromzähler

Der Datenschutz ist die größte Sorge der Verbraucher, wenn es um Smart Meter geht. Das Elektrohandwerk kritisiert, dass sich digitale Stromzähler nicht bei allen Verbrauchern lohnen.

Sandra Depner

Smart Meter sollen mittels intelligenter Auswertung des Energieverbrauchs zur Energieeffizienz beitragen. Die digitalen Stromzähler messen mehrfach am Tag den Stromverbrauch. Daran stören sich Datenschützer. – © Foto: picture alliance / AP Photo

Smart Meter könnten den Datenschutz hintergehen und die Privatsphäre offenlegen. Das ist laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale die größte Sorge der Verbraucher, wenn es um digitale Stromzähler geht. Jeder zweite sorgt sich demnach um den Datenschutz. Die digitalen Stromzähler messen statt einmal im Jahr teilweise im Viertelstundentakt den Stromverbrauch. Knapp 40 Prozent der Befragten stören sich daran, dass die Smart Meter Zusatzkosten bedeuten. Die liegen bei einem Gerät bei etwa 100 Euro.

Aus dem Umfrageergebnis zieht die Verbraucherzentrale den Schluss, dass Smart Meter entgegen des Gesetzesentwurfs nicht obligatorisch sondern auf freiwilliger Basis eingebaut werden sollten.

Smart Meter ab 2017 verpflichtend

Der Gesetzesentwurf „Digitalisierung der Energiewende“ sieht vor, dass Haushalte und Unternehmen ab 2017 zum Einbau der digitalen Stromzähler verpflichtet werden sollen, sobald der Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden liegt.

Für die anderen sollen der Netzbetreiber oder der Vermieter den Einbau veranlassen können. Zum Vergleich: 2014 lag der durchschnittliche Verbrauch eines Haushalts mit vier Personen bei 4.400 Kilowatt pro Stunde.

Die Idee hinter dem digitalen Stromzähler

Ein Smart Meter funktioniert wie ein normaler Stromzähler – mit dem Unterschied, dass der digitale Stromzähler mit dem Computer gekoppelt ist. Die Idee dahinter ist, den Stromverbrauch intelligent zu kontrollieren und zu steuern. 

Das Smart Meter misst beispielsweise, wann wieviel Strom verbraucht wird. Das transparent gewordene Verbrauchsverhalten soll den Verbraucher dazu motivieren, effizient mit Energie umzugehen.

In einem weiteren Schritt soll das Smart Meter Teil des intelligenten Zuhauses, dem Smart Home, sein, in dem sich Klima- und Heizungssystem selbstständig regeln und optimiert dem Bedarf anpassen. „Der Nutzen liegt dabei nicht nur in der Verringerung des Stromverbrauchs“, sagt Johann Saathoff, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion. Kunden sollen seiner Aussage nach künftig individuelle Stromlieferverträge abschließen können, die sich am Verbrauchsverhalten orientieren und Anreize zu strommarktdienlichem Verhalten liefern.

Elektrohandwerk: „Massen-Roll-out ist nicht die Lösung“

Gute Idee, aber an der Umsetzung hapert es. So lautet zumindest die Kritik des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke: „Prinzipiell halten wir die Umrüstung auf intelligente digitale Stromzähler für energiewirtschaftlich sinnvoll und für das Elektrohandwerk stecken auch Chancen in den mit intelligenten Messsystemen verbundenen Möglichkeiten“, sagt Alexander Neuhäuser, ZVEH-Geschäftsführer Recht und Wirtschaft.

Ob der Einbau entsprechender Zähler bei allen Verbrauchern – also ein so genannter Massen-Roll-out – wirklich der richtige Weg sei, dürfe allerdings bezweifelt werden. Denn nicht für jeden Kunden, so Neuhäuser, erscheine unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände die neue Technologie geeignet.

Kritik der Verbraucherzentrale: „Zwangsdigitalisierung ohne Grund“

Die Verbraucherzentrale spricht bei der Einführung des digitalen Stromzählers von einer Zwangsdigitalisierung ohne Grund. „Für die meisten Haushalte wird sich der Einbau auch nicht lohnen. Zwang ist also der falsche Weg“, sagt Ingmar Streese, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik der Verbraucherzentrale.

Der die Verbraucherzentrale kritisiert, Smart Meter würden bei durchschnittlichen Haushalten zusätzliche Kosten verursachen. Ein Nutzen sei hingegen aufgrund fehlender variabler Tarife und offener Fragen bei der Visualisierung des Verbrauchs nicht gesichert – wohingegen das Smart Meter für Industrie und Großverbraucher durchaus als Faktor bei der Energiewende gesehen werden könnte.

Verbraucher sind nicht genügend informiert

Der Verband des Elektrohandwerks sieht zudem ein Informationsdefizit beim Verbraucher. „Hier sind die für den Roll-out verantwortlichen Stellen und das zuständige Ministerium gefragt, für mehr Transparenz zu sorgen“, sagt Neuhäuser. Mit Blick auf die für die Elektrohandwerke relevanten Aspekte werde der Verband seinen eigenen Teil beitragen.

Hintergrund: Umsetzung von EU-Vorgaben

Ein Gesetzespaket zur Neuordnung des Strommarktes hat das Kabinett Anfang November beschlossen. Im Dezember stehen Beratung im Bundesrat, im Januar 2016 Beratungen im Bundestag an. Mit den geplanten Änderungen soll auf Vorgaben der Europäischen Kommission reagiert werden: Demnach sollen 80 Prozent der Haushalte aller EU-Mitgliedsstaaten bis 2020 mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden.