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Friseursalon in der Corona-Krise Unmut bei den Friseuren: Mitarbeiter fordern Salons zu schließen

Sollten Friseursalons in diesen Tagen noch offen bleiben? Eine Frage, die sich momentan viele Friseure und Kunden stellen. In den sozialen Netzwerken wird heftig diskutiert, viele Mitarbeiter verweigern bereits die Arbeit und die Gewerkschaft Verdi fordert die Salons zu schließen.

Bitte beachten Sie: Da sich die Nachrichtenlage momentan schnell ändert, können wir nicht gewährleisten, dass dieser Text stets aktuell ist. Er gibt sofern nicht anders vermerkt den Stand vom 20. März 13 Uhr wieder.

Seit Anfang der Woche sind zahlreiche Geschäfte in Deutschland geschlossen. Betriebe aus dem Handwerk sind davon weitestgehend ausgenommen und dürfen ihrer Arbeit weiter nachgehen. Während es für viele Gewerke möglich ist vorgeschriebene Hygienestandards einzuhalten, ist es bei den Friseuren jedoch schwieriger. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Pressekonferenz am Dienstag offiziell erklärte, dass Friseure weiterhin geöffnet haben dürfen, machte sich Unmut in der Branche breit.

In einer Pressekonferenz am 20. März erklärte der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder, dass Friseursalon nun in Bayern geschlossen werden sollen.

Update: Auch in Baden-Württemberg müssen Friseursalons ab sofort geschlossen werden. Diese teilte die Landesregierung von Baden-Württemberg in der Nacht zum 21. März mit.

>> Die Liste mit allen Geschäften, die in Baden-Württemberg geöffent bleiben dürfen und geschlossen werden müssen, finden Sie auch bei uns online in diesem Artikel.<<

Petitionen der Friseure und Kosmetiker gestartet

Parallel starteten viele Friseure online Petitionen, die die sofortige Schließung der Kosmetik- und Friseursalons fordern. "Wir möchten, dass Friseurgeschäfte und Kosmetikbetriebe in Deutschland in Zeiten von Corona, nicht als 'Versorgungsbetriebe des öffentlichen Lebens' gesehen werden", heißt es in einem der Petitionstexte. "Ein  Friseur- oder Kosmetikbesuch ist nicht lebensnotwendig. Ein Termin dort, ist vor allem auch ein sozialer Kontakt in jeder Altersstufe. Wir Friseure und Kosmetiker haben hohe Hygienevorschriften, aber leider kaum noch Mittel um diese genaustens umzusetzen."

"Zum Unverständnis einer ganzen Branche wurden Friseure, die ohne jeden Zweifel einer Hochrisikogruppe angehören, von Zwangsschließungen ausgenommen. Es ist jedem einleuchtend, dass der berufsbedingte enge Körperkontakt zum Kunden, die Einhaltung eines Mindestabstandes unmöglich macht", heißt es bei einer anderen Petition.

Verdi fordert Schließung der Friseurbetriebe

Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) kritisiert die Ausnahmeregelung für Friseure. "Wir verstehen die existenziellen Nöte der Friseurhandwerksbetriebe. Aber wir haben eine Situation, in der die Gesundheit aller Beschäftigten und der Kundinnen und Kunden im Friseurhandwerk bedroht ist", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Es sei schlichtweg nicht möglich, als Friseurin oder Friseur den gebotenen Abstand zu den Kundinnen und Kunden einzuhalten. Auch erkältete Kunden müssten bedient werden. Und es gebe keinen ausreichenden Schutz.

"Wir müssen aber alles dafür tun, um Übertragungen des Coronavirus zu vermeiden. Deswegen müssen Friseurgeschäfte geschlossen werden", so Behle weiter. Dies könne aber nur geschehen, wenn die Existenzen der Beschäftigten und Betriebe abgesichert würden. Verdi fordert deshalb unbürokratische Hilfen für die selbstständigen Ladenbesitzer zur Finanzierung der laufenden Kosten und Hilfen für die Angestellten. Denn wenn ein Friseurgeschäft schließt, würden die Beschäftigten ohne staatliche Hilfsmaßnahmen sofort entlassen, zeigten alle Erfahrungen. Um das zu verhindern, müssten Beschäftigte einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, der ihre Existenz sichert.

Mitarbeiter verweigern die Arbeit

Die Gewerkschafterin erklärte, man habe zahlreiche Hilferufe von Beschäftigten bekommen, die für Schließungen plädierten. "Sie haben Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Familie, sie haben Angst, andere, vor allem auch Ältere, unbemerkt anzustecken. Aber sie haben auch nackte Existenzsorgen. Wir brauchen deswegen gute und schnelle Lösungen."

Ähnliche Appelle erhielt auch der Verband der Fachverband Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg. Er fordert ebenfalls die Öffnungsmöglichkeit für Friseure zurückzunehmen. Der Verband habe hier ein eindeutiges Votum seiner Mitglieder. Gerade unter dem hygienischen Aspekt sei eine Öffnung nicht nachzuvollziehen, die Mitarbeiter würden sich zum Teil verweigern.

Zentralverband fürchtet um Existenzen der Salons

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks lehnte die Petition zur Salonschließung hingegen ab. In einem Statement vom 18. März sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands: "Die Corona Epidemie gefährdet die Existenz aller Friseurbetriebe in Deutschland. Deshalb ist es jetzt wichtig, alles zu unternehmen, um Betriebe am Markt zu halten und Beschäftigung zu sichern." Friseure hätten vielfach kaum Rücklagen und stünden nach wenigen Wochen oder sogar Tagen vor dem Aus. Um das Überleben der Salons und damit Arbeitsplätze zu sichern, müsse das Friseurhandwerk unbürokratisch und schnell Hilfe und Unterstützung erhalten.

Diskussionen in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken wird seit Tagen heftig diskutiert, wie zum Beispiel auf dem Facebook-Account der DHZ.

Auch auf Twitter entwickelten sich viele Diskussionen zu dem Thema.


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