Wie denkt der Verbraucher wirklich über umweltfreundliche Maßnahmen, die er am Ende womöglich im Geldbeutel zur spüren bekommt? Aus einer aktuellen Untersuchung geht hervor, dass das Interesse am Umweltbewusstsein in der Bevölkerung in starkem Zusammenhang mit dem davon betroffenen Bereich steht.
Im Mittelpunkt der Umweltpolitik stand in diesem Jahr natürlich die Entscheidung der Bundesregierung, den Ausstieg aus der Atomenergie zu beschleunigen. Den damit einhergehenden Ausbau der Stromnetze nehmen die Bundesbürger gerne in Kauf. Über 70 Prozent sind aktuell bereit, den Ausbau in ihrer unmittelbaren Umgebung zu akzeptieren, wenn sie dadurch einen Beitrag zum Atomausstieg leisten können. Grundsätzlich sind sogar über 80 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die Nutzung von Kernkraftwerken aufgrund der ungeklärten Endlagerproblematik dauerhaft nicht zu verantworten sei.
Auch die Zweifel über die Sicherstellung der Stromversorgung ist nur für eine Minderheit ein Argument, die Kernenergie auch künftig zu nutzen. Ganz im Gegenteil: Fast 70 Prozent glauben, dass erneuerbare Energien wie Sonne und Windkraft die Kernenergie in Zukunft komplett ersetzen können.
Höhere Lebensmittelpreise akzeptiert
Weniger Interesse an umweltbewusstem Handeln herrscht hingegen noch beim Lebensmitteleinkauf. So achtet die Mehrheit der Bevölkerung noch nicht darauf, ob Produkte umweltschonend hergestellt wurden und ob diese mit entsprechenden Bio- oder Umweltsiegeln versehen sind. Doch die Aufmerksamkeit wächst. Immerhin etwa jeder zweite Bürger wäre bereit, höhere Preise für ein umweltfreundliches Erzeugnis zu bezahlen.
Während nur 15 Prozent sich aktiv an Umweltschutzprojekten in der eigenen Region beteiligen, wird Umweltfreundlichkeit in den eigenen vier Wänden offenbar schon groß geschrieben. Als "vorbildlich" beschreiben sich 80 Prozent der Deutschen, wenn es um die Mülltrennung geht. Aus Überzeugung wird korrekt getrennt und der Müll in Wertstofftonen oder Recyclinghöfen entsorgt. Viele Verbraucher achten bereits beim Einkauf darauf, Abfall zu vermeiden, indem sie auf Mehrwegverpackungen zurückgreifen. Indes ist nur jeder Dritte im Sinne der Umwelt bereit, höhere Gebühren für die Entsorgung von Haus, Grob- oder Sondermüll zu bezahlen.
Auch beim Thema Gebäudesanierung gilt: Umweltfreundlichkeit ja, aber nicht zu jedem Preis. Die Bereitschaft für Energieeffizienzmaßnahmen wie beispielsweise Wärmedämmung hängen stark von den dadurch anfallenden Mehrkosten ab. Insgesamt 80 Prozent der Deutschen wären nur dann bereit, derartige Maßnahmen durchzuführen, wenn es sich auch wirtschaftlich für sie lohnt. Bei der Anschaffung von energieeffizienten Geräten im Haushaltsbereich sind zumindest 60 Prozent generell bereit, zukünftig mehr Geld auszugeben, um ihren Energieverbrauch zu senken.
Kaum Bewusstsein beim Tourismus
In den Bereichen Mobilität und Tourismus wägen die Verbraucher Kosten und Nutzen ebenfalls konsequent gegeneinander ab. Bei der Frage, ob öffentliche Verkehrsmittel beispielsweise durch die Erhöhung der Kfz-Steuer gefördert werden sollten, gibt es derzeit genauso viele Befürworter wie Personen, die dies ablehnen. Immerhin jeder Dritte verzichtet bereits öfters auf sein Auto und nutzt alternative Fortbewegungsmöglichkeiten. Bei der Buchung von Urlaubsreisen stehen für die meisten Deutschen Umweltaspekte noch eindeutig im Hintergrund. Nur 20 Prozent wählen nach eigener Aussage Urlaubsziele danach aus, ob dort umweltfreundlicher Tourismus betrieben wird.
Die repräsentative Umfrage wurde im Rahmen des GfK Global Green Index im Oktober 2011 durchgeführt.
