Der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien zeigt Wirkung. Deutschland hat 2011 trotz Atomausstieg weniger Treibhausgase freigesetzt als noch in den Jahren davor. Noch besser könnte es aussehen, wenn stärker auf die energetische Gebäudesanierung gesetzt würde, rät das Umweltbundesamt. Doch andere EU-Länder nehmen sich diese positiven Ergebnisse nicht zum Vorbild und fordern Fördergelder für den Ausbau ihrer Kernkraftwerke.

Der Ausstoß von Treibhausgasen ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gesunken. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA). Somit hat sich der Atomausstieg, wie befürchtet wurde, nicht zu einem Anstieg der Klimabelastung geführt. Durch den beschleunigten Ausstieg musste die Bundesregierung wieder mehr Kohlekraftwerke zur Energieproduktion einsetzen, da der Ausbau der erneuerbaren Energien immer noch stockt und es noch einige Zeit dauern wird, bis sie den Energiebedarf größtenteils decken können.
Mehr Kohlekraftwerke bedeutet aber auch mehr Ausstoß von Kohlendioxid. Doch trotz dieser Veränderungen konnte Deutschland, dank dem verstärkten Einsatz von Solarenergie, Windenergie und anderen erneuerbaren Energien, seine Emissionswerte senken. Dies zeige, dass Deutschland seine Verpflichtungen ernstnimmt, sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth.
"Die Ziele des Kyoto-Protokolls können auch unter den Bedingungen eines beschleunigten Atomausstiegs erreicht werden", betonte er und wies aber gleichzeitig darauf hin, dass noch weitere Anstrengungen nötig sind. Deshalb rät er dringend dazu, auch die die energetische Gebäudesanierung voranzubringen. Zusätzlich müssten die Ziele aber auch europaweit eine stärkere Bedeutung bekommen.
Deutsche Energiewende wird zum Vorbild für Atomförderung
Doch andere europäische Länder wie Frankreich, Großbritannien, Tschechien und Polen setzen dabei auf eine andere Strategie wie Deutschland. Von einem Atomausstieg ist hier keine Rede. Stattdessen fordern diese Länder nun zusätzliche Fördergelder für den Atomausbau und dabei berufen sie sich sogar auf die deutsche Energiewende, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Schreiben der vier Länder in Vorbereitung auf ein Treffen der europäischen Wirtschafts- und Energieminister Ende kommender Woche.
Da die Erzeugung von Atomstrom – abgesehen von allen anderen Gefahren – keinen Kohlendioxidausstoß verursacht, erfüllen die Länder, die auf Kernenergie setzen also auch so die Klimavorgaben. Bei der Förderung, die die genannten Länder nun von der EU wollen, führen sie die Förderung erneuerbarer Energien wie sie in Deutschland läuft als positives Beispiel an. In dieser Form solle auch die Atomförderung ablaufen.
Dabei solle eine Förderung grundsätzlich "technologieneutral" sein, heißt es in dem Bericht der Länder. So solle der Bau von Atomkraftwerken genauso gefördert werden wie der Verkauf von Atomstrom. Laut "Süddeutscher Zeitung" sagte Energiekommissar Günther Oettinger, er sei "bereit, verschiedene Optionen zu diskutieren". Dazu wolle er die einzelnen Positionen anhören und bis Juni weitere Vorschläge vorlegen – auch zum Ausbau der erneuerbaren Energien. jtw