Nachbesserungen und Neuregelungen Überblick: Das sind die Steuerpläne der Ampel-Koalition

Der Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP ist unter Dach und Fach. Steuerlich könnte sich für Betriebe, Selbstständige und Arbeitnehmer damit einiges tun. Das sind die interessantesten Pläne der künftigen Bundesregierung.

Die Homeoffice-Pauschale soll bis Ende 2022 verlängert werden. - © olezzo - stock.adobe.com

1. Lohnsteuerklassenkombination III/V fällt weg

Die Lohnsteuerklassenkombination III/V für Ehegatten soll wegfallen. Bei dieser Kombination musste der Besserverdiener in Lohnsteuerklasse II kaum Lohnsteuerabzüge hinnehmen. In Lohnsteuerklasse V war der Steuerabzug dagegen sehr hoch, so dass der geringverdienende Ehegatte mit sehr hohen Steuerabzügen und einem dementsprechend niedrigen Nettogehalt zu kämpfen hatte.

Die Lohnsteuerklassenkombination III/V soll durch die bereits vorhandene Lohnsteuerklasse IV mit Faktor abgelöst werden. Bei dieser Kombi bekommt jeder Ehegatte das Nettogehalt, dass er wirklich erwirtschaftet.

2. Homeoffice-Pauschale wird verlängert

Arbeiten Unternehmer und Arbeitnehmer im Homeoffice, profitieren sie in den Jahren 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie von der neuen Homeoffice-Pauschale. An Tagen, an denen ausschließlich im Homeoffice gearbeitet wird, dürfen 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro pro Jahr als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben steuersparend geltend gemacht werden.

Die Homeoffice-Pauschale war eigentlich bis Ende 2021 zeitlich begrenzt. Doch im Koalitionsvertrag haben sich die künftigen Regierungsparteien darauf verständigt, diese Steuervergünstigung bis Ende 2022 zu verlängern.

Praxis-Tipp: Die Homeoffice-Pauschale ist für alle Arbeitnehmer und Unternehmer, die zu Hause kein häusliches Arbeitszimmer nutzen, sondern am Küchentisch oder in einer Arbeitsecke im Schlaf- oder Wohnzimmer arbeiten.

3. Verbesserung der Thesaurierungsbesteuerung

Selbstständige, die ihren Handwerksbetrieb in der Rechtsform eines Einzelunternehmens führen oder Mitunternehmer an einer Personengesellschaft sind, genießen steuerlich ein Privileg. Die Rede ist von der Thesaurierungsbesteuerung. Hier kann der Unternehmer unter bestimmten Umständen einen Antrag stellen, dass nicht aus dem Betrieb entnommene Gewinne (= thesaurierte Gewinne) nur mit einem fixen Steuersatz von 28,25 Prozent besteuert werden. Davon profitieren also vor allem Unternehmer, die ihr Einkommen mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent versteuern müssen.

Manko an dieser gut gemeinten Regelung: Wird der ermäßigt besteuerte Gewinn später doch entnommen, was leider wegen der Corona-Krise häufig der Fall war, droht eine zusätzliche Steuer auf die bereits mit 28,25 Prozent besteuerten Gewinn von 25 Prozent. 

Und hier möchte die neue Bundesregierung evaluieren, prüfen und anpassen. Es vage ausgedrückt, bedeutet das aber sicherlich, dass die 25-prozentige Strafsteuer ausgesetzt oder deutlich reduziert wird. Dann wird die Thesaurierungsbesteuerung sicherlich wieder ein Steuersparmodell, auf das mehr Betriebe zurückgreifen werden als bislang.

4. Nachbesserung beim Optionsmodell

Nachbessern möchten die Koalitionsparteien auch beim neuen Optionsmodell des § 1a Körperschaftsteuergesetz (KStG). Ab 2022 haben Personenhandelsgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften die Möglichkeit, sich wie Kapitalgesellschaften besteuern zu lassen. Statt Einkommensteuer fällt dann Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag an. Im Koalitionsvertrag findet sich eine Passage, dass das Optionsmodell evaluiert, geprüft und angepasst wird. Will heißen: Das Optionsmodell soll wohl auch auf weitere Rechtsformen ausgedehnt und somit für die breite Masse an Unternehmen ausgedehnt werden.

5. Einführung einer "Superabschreibung"

Unternehmen, die Klimaschutz und Digitalisierung investieren, sollen nach den Steuerplänen im Koalitionsvertrag steuerlich belohnt werden. Die neuen Regierungsparteien sprechen hier von einer Superabschreibung, machen aber keine genaueren Angaben. Superabschreibung müsste aber bedeuten, dass für bestimmte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens eine generelle mindestens 50-prozentige Sonderabschreibung winkt oder eine nur einjährige Nutzungsdauer.

6. Verlustrechnung wird erweitert

Eine Passage im Koalitionsvertrag befasst sich mit dem Verlustvortrag und dem Verlustrücktrag. SPD, Grüne und FDP haben sich darauf verständigt, dass die Höchstgrenzen für den Verlustabzug von 5 Millionen Euro/10. Millionen Euro (Ledige/Zusammenveranlagung) auch in den Jahren 2022 und 2023 gelten sollen. Bislang waren diese hohen Verlustabzüge bis Ende 2021 begrenzt.

Für kleine und mittelständische Betriebe ist wohl eher die zweite Planung zum Verlustrücktrag interessant. Denn erzielt ein Unternehmen einen Verlust, kann es diesen Verlust nicht ins Jahr davor zurücktragen, sondern wohl bald auch zwei Jahre zurück. Einen Verlust zurücktragen bedeutet, dass die Verluste eines Jahres mit den Gewinnen der beiden Vorjahre verrechnet werden dürfen. Die Folge: Steuererstattungen in den Vorjahren.

7. Nachbesserung bei Sachspenden

Sachspenden, insbesondere von Fleischereiprodukten sowie Brot, sind für viele Handwerksbetriebe uninteressant, weil das Finanzamt Sachspenden in der Regel der Umsatzsteuer unterwirft. So kommt es, dass die Vernichtung von Waren finanziell für viele Unternehmen attraktiver ist, als diese zu spenden. Diese steuerlichen Hürden bei Sachspenden sollen abgeschafft werden.

8. Nachteile bei Plug-in-Hybrid-Dienstwagen

Bei Ermittlung des Privatanteils für die Dienstwagennutzung nach der 1-Prozent-Regelung genießen Eigentümer von Plug-in-Hybrid-Dienstwagen aktuell ein steuerliches Privileg. Der Bruttolistenpreis bei der 1-Prozent-Regelung wird nur zur Hälfte berücksichtigt, wodurch sich der zu versteuernde Anteil für die Privatnutzung des Dienstwagens um 50 Prozent reduziert.

Für neu zugelassene Plug-in-Hybrid-Dienstfahrzeuge soll nach den Plänen der neuen Regierung diese Steuervergünstigung nur noch greifen, wenn nachgewiesen werden kann, dass solche Fahrzeuge auch ausschließlich (zu mehr als 50 Prozent) elektrisch betrieben werden können.

9. Schnellere Betriebsprüfungen

Ein Anliegen der Koalitionsparteien ist es auch, die Steuerprüfungen des Finanzamts zu beschleunigen. Dazu soll die Finanzverwaltung digitaler werden. Für Unternehmer, die geprüft werden, bedeutet das zumindest, dass die Prüfung des Finanzamts schneller über die Bühne gehen wird. Nachteil: Wird kürzer geprüft, dürften künftig bei deutlich mehr Betrieben in Deutschland Steuerprüfungen stattfinden als bislang.

10. Mitteilungspflicht für Steuergestaltungen im Inland

Nach den Steuerplänen im Koalitionsvertrag sollen Unternehmer Steuergestaltungen im Inland künftig dem Finanzamt mitteilen müssen. Das Finanzamt kann dann zeitnah Überprüfungen einleiten, ob dieser Sachverhalt steuerlich in Ordnung ist oder nicht. Vorbild ist eine Vorschrift, bei der international aufgestellte Unternehmen grenzüberschreitende Steuergestaltungen offenlegen müssen.

Doch kleine und mittelständische Betriebe müssen sich über diese geplante Neuregelung keine Gedanken machen. Die Mitteilungspflicht für inländische Steuergestaltungen ist nur für Unternehmen mit Umsätzen ab 10 Millionen Euro ein Muss.

Weitere Steuerpläne im Koalitionsvertrag

  • Globale Mindeststeuer: Die neue Bundesregierung wird sich für einen fairen Wettbewerb für eine globale Mindestbesteuerung einsetzen.
  • Mehrfachbesteuerung von Renten: Dir Mehrfachbesteuerung von Rentenanteilen soll verhindert werden. Das bedeutet: Höhere Sonderausgaben für Rentenversicherungsbeiträge und eine Verschiebung des Zeitpunkts, bei dem im Ruhestand 100 Prozent der gesetzlichen Rente zu versteuern sind.
  • Grunderwerbsteuer: Die einzelnen Bundesländer sollen mehr Freiheiten bekommen, bei der Grunderwerbsteuer bei Kauf eines Eigenheims Steuervergünstigungen (zum Beispiel einen Freibetrag) zu schaffen.
  • Sparer-Pauschbetrag: Kapitalerträge sollen künftig bis zu einem Betrag von 1.000 Euro/2.000 Euro (Ledige/Zusammenveranlagung) steuerfrei bleiben.
  • Weitere Planungen: Die weiteren Steueränderungen werden wir Ihnen erst vorstellen, wenn diese konkretisiert werden. Bei vielen Steuerplanungen hat sich die künftige Bundesregierung im Koalitionsvertrag zu vage geäußert.