Mängelquote steigt Tüv-Report: Jeder fünfte Transporter fällt bei HU durch

In fast allen Alters- und Gewichtsklassen fallen wieder mehr Nutzfahrzeuge durch die Hauptuntersuchung (HU) – nachdem der Trend der vergangenen Jahre in eine andere Richtung zeigte. Der Tüv sieht einen Zusammenhang mit der Pandemie.

Transporter sind im Dauereinsatz und im Stadtverkehr harten Belastungen ausgesetzt. - © photoschmidt - stock.adobe.com

Die Nutzfahrzeuge auf Deutschlands Straßen sind vermehrt in schlechtem Zustand. So lautet das Fazit des jüngsten Tüv-Reports. In 18 von 20 untersuchten Alters- und Gewichtsklassen sind mehr Fahrzeuge durch die Hauptuntersuchung (HU) gefallen als noch vor zwei Jahren. Der positive Trend seit 2015 ist damit gestoppt.

"Vor allem die von Lieferdiensten, Handwerkern und anderen Gewerbetreibenden stark beanspruchten Kleintransporter sind mit zahlreichen technischen Mängeln unterwegs", sagt Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim Tüv-Verband. Knapp 2,9 Millionen Nutzfahrzeuge in der Klasse bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht sind in Deutschland zugelassen. Mit 20,3 Prozent war die Mängelquote hier besonders hoch.

Mängelquote: Corona und Leasing als Brandbeschleuniger

Zimperlich wurde mit Transportern wie dem Ford Transit, Mercedes Sprinter oder Renault Trafic noch nie umgegangen. Die Corona-Pandemie und der boomende Online-Handel hätten dazu geführt, dass sie noch mehr gefahren und noch weniger gepflegt wurden. "Kurierdienste gehen regelmäßig an ihr Limit, dafür werden Wartung, Pflege und maximale Zuladung häufig leger behandelt", sagt Goebelt. Gleichzeitig wurde weiter kräftig gebaut, saniert und modernisiert.

Mit Sorge sieht Goebelt außerdem den Trend zum Nutzfahrzeug-Leasing. "Fahrzeughalter oder Fuhrbetriebe fühlen sich dann weniger verantwortlich, weil ihnen die Fahrzeuge nicht mehr gehören." Anstatt in regelmäßige Pflege zu investieren, würden die Fahrzeuge nach drei bis fünf Jahren in schlechtem Zustand zurückgegeben. "Wirtschaftlich macht das vielleicht Sinn, für die Verkehrssicherheit ist es fatal", warnt er.

Transporter: Diese Mängel treten besonders häufig auf

In der Gruppe der sieben bis acht Jahre alten Kleintransporter hat mehr als jedes vierte Fahrzeug (27,9 Prozent) die HU nicht bestanden, ein Plus von 2,2 Punkten. Im Schnitt haben sie dann bereits 128.000 Kilometer zurückgelegt. Zum Vergleich: Normale Pkw kommen nach sieben Jahren auf eine HU-Durchfallquote von 14,7 Prozent und sind im Schnitt 92.000 Kilometer gelaufen. Häufigster Mangel sind in dieser Altersklasse defekte Rückleuchten mit einem Anteil von 12,9 Prozent. Es folgen Probleme mit dem Abblendlicht (6,6 Prozent), Ölverluste am Motor oder Antrieb (5,9 Prozent) und defekte Achsaufhängungen (5,4 Prozent).

In den übrigen Gewichts- und Altersklassen sind die Probleme überwiegend dieselben. Dazu gesellen sich – bedingt durch die hohen Belastungen – verschlissene Lenkanlagen, Bremstrommeln und -scheiben. Erstmals in der Statistik aufgeführt sind Fahrzeuge mit "gefährlichen Mängeln". Laut Nutzfahrzeug-Report 2021 mussten 10.000 Fahrzeuge sofort in die Werkstatt gebracht werden, weil Bremsscheiben zerschlissen, Bremsschläuche undicht oder anderer schwerere Mängel aufgefallen waren. Weitere rund 1.300 Nutzfahrzeuge stuften die Prüfer als "verkehrsunsicher" ein. Sie mussten sofort aus dem Verkehr gezogen werden.

Assistenzsysteme in die HU einbeziehen

Wegen der fortschreitenden Technisierung der Nutzfahrzeuge plädiert Goebelt, die Prüfungen künftig zu erweitern. "Für uns ist es ganz wichtig, dass die Überprüfung der Fahrerassistenzsysteme in die Hauptuntersuchung mit aufgenommen wird", sagt er. Untersuchung der Tüv-Unternehmen hätten gezeigt, dass auch diese Systeme mit der Zeit verschleißen oder in ihrer Wirkung beeinträchtigt sind.