Der Handelsstreit mit der EU scheint vorerst gelöst, am Ölfass zündelt Trump aber weiterhin. Allen Ländern, die Erdöl aus dem Iran importieren, droht der selbsternannte "Dealmaker" mit Sanktionen. Für viele lauten nun die entscheidenden Fragen: Wie teuer wird Heizöl noch? Und soll ich jetzt kaufen oder auf einen Preisrückgang hoffen?
Jürgen Lutz

Fest steht: Wer sich derzeit Heizöl in den Keller pumpen lässt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen als in den Vorjahren. "Aktuell werden für 3.000 Liter inklusive Mehrwertsteuer rund 2.000 Euro fällig. Noch im Juli 2017 kam man mit 1.500 Euro weg. Und Anfang 2016 war es mit rund 1.100 Euro etwas mehr als die Hälfte", sagt Pia Bölingen von der FINUM.Private Finance AG in Biberach an der Riß.
Neben den Eigenheim-Besitzern sind auch Mieter früher oder später von der Entwicklung am Heizölmarkt betroffen. Der Deutsche Mieterbund hat mit Blick auf 2017 schon erklärt, dass Bewohner von ölbeheizten Häusern mit Mehrkosten von zehn Prozent rechnen müssten. Und angesichts des neuerlichen Preisanstiegs könnte es 2018 nochmal teurer werden.
Darum ist Heizöl aktuell teuer
Verantwortlich für die Verdopplung des Heizölpreises in zweieinhalb Jahren ist an erster Stelle die gute Weltkonjunktur. "Wenn die Unternehmen in Europa, den USA und Asien deutlich mehr produzieren und vertreiben, zieht in der Regel der Preis für Erdöl mit an, von dem wiederum die Heizöl- und Benzinpreise abhängen", sagt Gerhard Selig.
Der Inhaber der Gerhard Selig Vermögensstrategien GmbH in Konstanz verweist dazu auf die Wirtschaftslage, die sich seit 2016 in vielen Weltteilen synchron verbessert habe – bis vor Kurzem: "Die jüngste Delle im Wachstum und bei der Ölnachfrage rührt vor allem von der Unsicherheit durch die Strafzölle der Amerikaner und der Reaktion der Chinesen her", sagt der Finanzprofi.
Ist ein weiterer Preisanstieg zu befürchten?
Bleiben die vielen unvorhersehbaren Faktoren, die den Ölpreis beeinflussen. So wurde Rohöl erst wegen früherer Förderkürzungen der OPEC und schließlich wegen der angedrohten Sanktionen bei Ölimporten aus dem Iran teurer. Was passiert nun, wenn der Iran tatsächlich vom Weltmarkt abgeklemmt würde?
"Aktuell fördert das Land mit rund 3,8 Millionen Barrel (jeweils 159 Liter) täglich knapp vier Prozent des Öls auf der ganzen Welt und zwölf Prozent des OPEC-Angebots", sagt Pia Bölingen. Einen deutlichen und nachhaltigen Preisanstieg erwartet sie aber selbst in diesem Fall nicht – ebenso wenig wie die Analysten von ETF Securities, einem Unternehmen, das zahlreiche Anlageprodukte auf Rohstoffe emittiert.
Der Grund: Hohe Preise dürften die Anreize zur Ölproduktion in den USA verstärken. "Die Branche kann mit der umstrittenen Fracking-Technologie relativ schnell die Produktion erhöhen und so die Preise tendenziell relativ niedrig halten", so Bölingen.
Wird Trump die Ölreserven anzapfen?
Zudem dürften die Vereinigten Staaten bzw. ihr Präsident selbst kein Interesse an stark steigenden Ölpreisen haben. In diesem Jahr stehen Zwischenwahlen an, und die Demokraten schneiden in den Umfragen bislang leicht besser ab als die Republikaner – vermutlich ein Grund, warum Trump seit Wochen klar und deutlich auf die Karte "America first" setzt. Da dürften es die Amerikaner kaum honorieren, wenn der Präsident aus dem Lager der Republikaner das Tanken ausgerechnet in der "Driving Season" weiter verteuert. Offenbar sinniert Trump laut "Die Welt" sogar darüber nach, die strategische Ölreserve der USA für den Wahlkampf einzusetzen.
Fazit: So steht es um den Heizölpreis
Es besteht kein Grund zur Panik. Saisonal bedingt könnten die Preise im August und September wegen der stärkeren Nachfrage zwar noch etwas anziehen (s. Interview Bölingen). Mittelfristig ist jedoch mit einem Preisrückgang auf 55 bis 60 Euro pro 100 Liter Heizöl zu rechnen. Dann könnte es sich lohnen, Heizöl zu ordern.
Wann sollte man Heizöl kaufen?

Frau Bölingen, viele Hausbesitzer glauben, der Sommer sei eine gute Zeit, um Heizöl zu kaufen. Ist das so?
Pia Bölingen: Auf den ersten Blick hört sich das logisch an. Doch Heizöl ist im Spätsommer, also Juli und August, eher teurer als in anderen Monaten. Das zeigen Daten von den Rohstoffbörsen.
Warum das denn?
Bölingen: Der Heizölpreis hängt vom Erdölpreis ab. Und im Sommer wird wegen der Urlaubssaison viel Öl nachgefragt – etwa durch Flug- und Schiffslinien sowie durch Autofahrer. Auch Firmen und Haushalte in Entwicklungsländern setzen oft auf ölbetriebene Generatoren, weil die Versorgung mit Elektrizität unsicher ist.
Gibt es noch andere Monate, in denen Öl tendenziell teurer wird?
Bölingen: Im März und April gab es in der Zeit von 1982 bis 2012 ebenfalls oft stärkere Preisanstiege.
Gibt es eine saisonal gute Zeit, um Heizöl zu ordern?
Bölingen: Nach den Statistiken sind Januar und Februar die besten Monate für Bestellungen. Dann entfällt der Druck durch die Urlaubssaison, und die meisten Bestellungen für Heizöl sind bereits abgewickelt. Das führt zu einer geringeren Nachfrage und damit zu günstigeren Preisen.
Sollen sich Heizölkäufer ausschließlich an solchen saisonalen Mustern orientieren?
Bölingen: Nein, das sind Durchschnittswerte der Vergangenheit, von denen die kommenden Jahre auch abweichen können. Daher gilt es, auch die aktuellen Preistendenzen im Blick zu haben. julu