Bremen von Firmenpleiten am stärksten betroffen Überblick: So viele Insolvenzen gab es 2020 pro Bundesland

Die Pandemie hat viele Firmen in die Insolvenz getrieben. Die ganz große Welle blieb dank gelockerter Regeln aber aus. Die Betroffenheit in den einzelnen Bundesländern ist sehr unterschiedlich, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Hand hält stürzenden Turm aus Bauklötzen.
2020 rutschten von 10.000 Unternehmen durchschnittlich im Monat vier in die Pleite. Das sind weniger als im Vorjahr. - © Day Of Victory Stu - stock.adobe.com

In Bremen hat die Corona-Krise vergleichsweise viele Firmen in die Knie gezwungen. Mit 8,3 beantragten Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen im Monatsdurchschnitt war der Stadtstaat im Jahr 2020 unter den 16 Bundesländern mit Abstand am stärksten betroffen, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Der bundesweite Durchschnitt der Insolvenzhäufigkeit für das Jahr 2020 lag nach Angaben der Wiesbadener Behörde vom 1. Oktober bei 4,0. Das heißt von 10.000 Unternehmen rutschten durchschnittlich im Monat vier in die Pleite. Im Jahr 2019, also vor der Corona-Pandemie, waren es 4,8 pro Monat.

Ausgesetzte Insolvenzantragspflicht verhindert Pleitewelle

Bremen war den Angaben zufolge das einzige Bundesland, in dem im Corona-Jahr 2020 mehr Unternehmensinsolvenzen beantragt wurden als 2019 (6,9), bevor Sonderregelungen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht in Kraft getreten waren.

Um eine Pleitewelle in der Corona-Krise zu verhindern, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt eines Insolvenzgrundes wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt. Seit dem 1. Mai 2021 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder in vollem Umfang.

Die befürchtete Welle an Firmenpleiten zeigt sich bislang aber nicht in der amtlichen Statistik. Mit 7.408 Fällen lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr des laufenden Jahres nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes sogar um 17,7 Prozent unter dem Wert der ersten sechs Monate 2020.

Berlin und NRW ebenfalls stark von Insolvenzen betroffen

Im vergangenen Jahr war dem Bundesamt zufolge Berlin mit 6,1 Unternehmensinsolvenzen pro 10.000 Unternehmen am zweitstärksten betroffen. Nordrhein-Westfalen war 2020 das Flächenland mit dem höchsten Wert (5,4). Über dem Bundesschnitt lagen auch das Saarland (5,0), Hamburg (5,0), Sachsen-Anhalt (4,6) und Hessen (4,2). In Thüringen war die Insolvenzhäufigkeit mit 2,5 Fällen pro 10.000 Unternehmen am niedrigsten.

Einen Eindruck vom Insolvenzgeschehen am aktuellen Rand vermittelt der Blick auf die beantragten Regelinsolvenzen pro 10 000 Unternehmen je Bundesland. Diese Zahlen liegen aktuell für den August 2021 vor. Demnach sind Bremen mit 15,1 und Sachsen mit 9,7 am stärksten betroffen. Thüringen steht mit einem Wert von 5,4 hier auf dem drittletzten Platz. Die geringste Insolvenzhäufigkeit im August 2021 weist das Saarland mit 4,1 beantragten Regelinsolvenzverfahren pro 10 000 Unternehmen auf.

Insolvenzhäufigkeiten nach Ländern

Bundesland Insolvenzhäufigkeit*
UnternehmensinsolvenzenUnternehmensinsolvenzenRegelinsovlenzen
20192020 August 2021
Deutschland4,846,9
Bremen6,98,315,1
Berlin6,96,19,1
Nordrhein-Westfalen6,75,45,8
Saarland6,954,1
Hamburg6,656,4
Sachsen-Anhalt64,67,4
Hessen4,64,28,6
Schleswig-Holstein5,63,86,4
Niedersachsen4,43,85,9
Rheinland-Pfalz3,83,38,2
Sachsen3,93,39,7
Baden-Württemberg3,43,25,7
Mecklenburg-Vorpommern3,935,8
Brandenburg3,536,1
Bayern3,52,95,3
Thüringen2,62,55,4
*Bezogen auf 10.000 Unternehmen. Jeweils berechnet mit den Angaben aus der Umsatzsteuerstatistik 2019; Quelle: Statistische Bundesamt (Destatis)

Hinweise zu Regelinsolvenzverfahren: Die Insolvenzantragspflicht erfasst nicht Unternehmensschließungen, die unabhängig von einer Insolvenzantragspflicht aus anderen Gründen erfolgen. Von den Insolvenzverfahren in Deutschland sind 30 Prozent Regelinsolvenzverfahren, zu denen in erster Linie alle Verfahren von Unternehmen zählen (rund 55 Prozent aller Regelinsolvenzverfahren). Außerdem findet das Regelinsolvenzverfahren Anwendung bei Personen, die wirtschaftlich tätig sind. Dazu gehören unter anderem die persönlich haftenden Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft (oHG), Mehrheitsgesellschafter einer Kapitalgesellschaft sowie ehemals selbstständig Tätige, deren Vermögensverhältnisse als nicht überschaubar eingestuft werden.

Methodische Hinweise: Die vorläufigen monatlichen Angaben, hier für August 2021, basieren auf aktuellen Insolvenzbekanntmachungen aller Amtsgerichte in Deutschland. Sie können durch Dubletten und andere Qualitätsbeschränkungen betroffen sein und stellen daher vorläufige Angaben dar. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Entwicklung der beantragten Regelinsolvenzverfahren in Deutschland während der Corona- Krise monatlich online auf der Corona-Sonderseite. dpa/ew