Gesundheit auf der Arbeit Diese Handwerksberufe haben ein hohes Corona-Risiko

Dass bestimmte Berufsgruppen einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind als andere, ist nicht neu. Eine aktuelle Studie zeigt nun aber genauer, wie hoch das Corona-Risiko für bestimmte Personen ist. Auch viele Handwerksberufe sind in der Liste zu finden.

Reinigungskraft im Krankenhaus
Reinigungskräfte haben ein höheres Corona-Risiko als andere Berufsgruppen. Anstecken können sie sich vor allem über infizierte Oberflächen und Gegenstände. - © mtrlin - stock.adobe.com

Das Risiko, sich mit dem SARS-CoV-2-Virus zu infizieren, ist je nach Beruf sehr unterschiedlich. Im Handwerk sind vor allem Beschäftigte in den körpernahen Dienstleistungen, Bestatter und Gebäudereiniger, einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Besonders gering ist das Risiko hingegen bei Beschäftigten in den Bau- und Ausbauberufen. Dies zeigt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Hohes Risiko für Friseure, Kosmetiker und Bestatter

Ausschlaggebend für die Ansteckungsgefahr sind die beruflichen Arbeitsbedingungen wie der Umgang mit infizierten Menschen, aber auch der enge Körper- und Kundenkontakt. Insbesondere Beschäftigte in medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen fallen in diese Kategorie. Hierzu zählen zum Beispiel Friseure und Kosmetiker, aber auch Bestatter. Laut Studie ist das berufsspezifische Ansteckungsrisiko in diesen Berufen mit durchschnittlich etwa 35 Prozent am höchsten. Das heißt: Personen, die in diesen Berufen arbeiten, haben ein um 35 Prozent höheres Risiko sich mit Corona anzustecken als andere.

>>> Allgemeine Informationen zum Corona-Arbeitsschutz von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

>>> Der Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk sowie für Beauty- und Wellnessbetriebe zum Nachlesen

Erhöhtes Risiko durch infizierte Oberflächen für Gebäudereiniger

Bei den Reinigungsberufen spielt der Kontakt mit infizierten Oberflächen und Gegenständen eine entscheidende Rolle und bei den Sicherheitsberufen der Umgang mit infizierten Menschen. Damit liegen die Reinigungskräfte mit 18 Prozent Ansteckungsrisiko auch auf dem zweiten Platz. Die Beschäftigten im Sicherheitsdienst besetzen Platz drei mit einem um acht Prozent höheren Risiko sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus zu infizieren.

Für die Gebäudereiniger ist das Ergebnis kaum überraschend. Schließlich übernehmen die Beschäftigten seit Ausbruch der Pandemie gerade im Gesundheitsbereich persönlich Verantwortung für die Hygiene. "Genau deshalb kommt unserem Handwerk in der Pandemie die Systemrelevanz zu", sagt Christopher Lück, Sprecher des Bundesinnungsverbands der Gebäudereiniger (BIV). "Es ist die Gebäudereinigung, die zum Beispiel in Kliniken, auf Intensivstationen, in Arztpraxen, aber auch in Schulen, Kitas, Alten- und Pflegeheimen dem dortigen Personal (Ärzten, PflegerInnen etc.) durch Sauberkeit, Hygiene und Desinfektion "Rückdeckung" gibt und einen wichtigen gesellschaftlichen Part gegen die Ausbreitung der Pandemie einnimmt." Lück verweist in dem Zusammenhang nochmals auf die Notwendigkeit, die Arbeitsschutzbestimmungen einzuhalten und die Beschäftigten in der Gebäudereinigung bestmöglich zu schützen.

>>> Der gemeinsame Arbeitsschutzstandard von BIV, IG BAU und BG BAU zum Nachlesen

Leicht erhöhtes Risiko bei Beschäftigten im Verkauf

Aber auch in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen (5,2 Prozent) und den Handelsberufen (2,9 Prozent) besteht durch den Umgang mit Menschen, die betreut werden, beziehungsweise durch den Kundenkontakt die Gefahr einer Ansteckung. Hierzu zählen auch alle Berufe im Lebensmittelhandwerk, sowie Handwerker mit einem Ladengeschäft.

Sehr geringes Risiko im Bau- und Ausbaugewerbe

Am geringsten ist die Ansteckungsgefahr dagegen für Beschäftigte in den Bau- und Ausbauberufen (0,0 Prozent), in fertigungstechnischen Berufen (0,0 Prozent) und in Berufen der Unternehmensführung und -organisation (0,1 Prozent). Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erklärt auf Nachfrage der DHZ, dass das niedrige Risiko für Beschäftigte am Bau vor allem auf drei Faktoren zurückzuführen sei: 1. Eine feste Arbeitsorganisation mit festen Teams und getrennten Unterkünften seit Beginn der Pandemie; 2. Eine umfassende Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft, die unter anderem drei Millionen Masken verteilt hatte sowie die Teilnahme an der Impfkampagne und 3. Die günstigen Arbeitsbedingungen, da die Arbeiter meist im Freien bzw. mit viel frischer Luft arbeiten.

Insgesamt weist weniger als ein Viertel aller Berufe eine erhöhte Ansteckungsgefahr auf, unabhängig davon, ob ein Beruf im Homeoffice erledigt werden kann.

>>> Zum Arbeitsschutzstandard für das Baugewerbe

In der Studie wurden fünf potenziell ansteckungsrelevante Arbeitsbedingungen unterschieden:

  • Infektionsgefahr durch Umgang mit infizierten Menschen
  • enger Körperkontakt mit Menschen
  • Einsatz von Desinfektionsmitteln
  • betreuender Umgang mit Menschen
  • physischer Kundenkontakt

Berufsspezifisches Ansteckungsrisiko für ausgewählte Handwerksberufe (ausgewählte Einzelindikatoren)

Berufsspezifisches Ansteckungsrisiko durch...BerufUm … erhöhtes Ansteckungsrisiko
Engen Körperkontakt mit MenschenBestattungswesen99 Prozent
Engen Körperkontakt mit MenschenKörperpflege24 Prozent
Einsatz von DesinfektionsmittelnReinigung69 Prozent
Physischen KundenkontaktVerkauf von Lebensmitteln (zum Beispiel Bäckereifachverkäufer oder Fleischereifachverkäufer)53 Prozent
Physischen KundenkontaktVerkauf (ohne Produktspezialisierung)47 Prozent
Physischen KundenkontaktVerkauf von drogerie- und apothekenüblichen Waren, Sanitäts- und Medizinbedarf (zum Beispiel Orthopädieschuhtechniker)44 Prozent
Physischen KundenkontaktVerkauf von Bekleidung, Elektronik, Kraftfahrzeugen und Hartwaren42 Prozent
Physischen KundenkontaktGastronomie41 Prozent
Quelle: IAB, eigene Auswahl

>>> Die gesamte IAB-Studie zum Nachlesen