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Souverän im Rampenlicht Tipps für den öffentlichen Auftritt

Es ist nicht jedermanns Sache, öffentlich aufzutreten. Doch sich selbst professionell zu präsentieren, lässt sich lernen. Hilfe versprechen spezialisierte Coaches.

Als die Einladung kam, bekam Michael R. schweißnasse Hände: Dabei sollte er eigentlich nur zum Betriebsfest eines großen Kunden kommen. Doch es graute ihm davor – denn Smalltalk-Gespräche über Jagdausflüge und den letzten Urlaub waren ein echtes Minenfeld für ihn, den Macher, der außerhalb seiner Arbeit eigentlich keinerlei Hobbys hat. Und doch eine Herausforderung, der er sich stellen musste – der Kunde war schließlich wichtig.

In der Öffentlichkeit zu stehen, ist nicht jedermanns Sache. Ob beim Smalltalk mit wichtigen Kunden, bei einem Fachvortrag auf einer Messe oder auch bei einem Radio- oder Fernsehinterview: Schnell wirkt der Auftritt verkrampft – und verfehlt auf diese Weise seine Wirkung. Dieses Problem tritt vor allem dann auf, wenn Menschen, die sonst abseits der Öffentlichkeit ihre Arbeit verrichten, auf einmal im Rampenlicht stehen.

Den öffentlichen Auftritt meistern mit Coaching

Gründe für die plötzliche Aufmerksamkeit kann es viele geben: Eine Einladung zu einem Fachvortrag oder Betriebsfest sind die positiven Anlässe. Aber auch bei Unglücksfällen wie etwa dem Brückeneinsturz an der A7 bei Schweinfurt, bei dem im Juni dieses Jahres ein Bauarbeiter ums Leben kam und elf seiner Kollegen schwer verletzt wurden, stehen plötzlich die Verantwortlichen der beteiligten Firmen im Fokus des öffentlichen Interesses. Ohne über rhetorische Erfahrungen zu verfügen, müssen sie gegenüber Polizei, Staatsanwaltschaft und Medienvertretern Auskunft geben. Doch sich selbst vorteilhaft zu präsentieren, lässt sich lernen. Hilfe versprechen spezialisierte Coaches.

Michael R. beispielsweise buchte vor dem Betriebsfest ein Coaching bei Jessica Wahl aus Berlin. Sie ist spezialisiert auf Persönlichkeits-, Medien- und Sprechcoaching und bringt ihre Klienten mit speziellen Übungen zur Innen- und Außenwahrnehmung dazu, sich selbst in einem anderen Licht zu sehen – und auf diese Weise ihren öffentlichen Auftritt vorteilhafter zu gestalten. Michael R. lernte dabei, dass es auch eine Welt außerhalb seiner Arbeit gibt, dass es sich lohnt, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen – und dass von der Kommunikation von Lebensqualität letztlich auch die Wirkung auf andere Menschen abhängt. Spielerischer, charmanter und humorvoller zu werden und auf diese Weise eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen und dabei an seiner Körpersprache zu arbeiten – das waren die wichtigsten Herausforderungen.

Dos und Don'ts beim Smalltalk

Aber so ein bisschen kommt es beim Smalltalk natürlich doch auf das Thema an. Es gibt jedenfalls Dinge, über die man bei solchen Gelegenheiten besser nicht sprechen sollte, sagt Coach Jessica Wahl: "Ein absolutes No-Go sind Beziehungsprobleme. Und auch Jobprobleme und Existenzängste sind keine guten Smalltalkthemen." Was hingegen immer geht, sind Gespräche über das Essen, das Wetter oder den letzten Urlaub.

Eine weitere große Herausforderung sind Reden und Vorträge – besonders, wenn sie mit der berühmt-berüchtigten PowerPoint-Präsentation einhergehen. Hier ist nämlich die Gefahr, sein Publikum zu langweilen, besonders groß. "Ein überzeugender Redner zeichnet sich in erster Linie durch einen beredsamen Geist und eine verständliche Sprache, gepaart mit schlagfertigem Humor und durchdachtem Tiefgang aus", erklärt Monika Matschnig, Persönlichkeitscoach aus Neufahrn bei Freising. "Doch auch das ist wertlos, wenn Wirkung und Ausdrucksweise nicht kongruent mit den präsentierten Inhalten sind." Eindrucksvolle Vorbilder für dieses Prinzip sind Politiker und Spitzenführungskräfte: Weder kämpfen sie sich durch eine endlose Folienschlacht, noch machen sie langweilige Lese-Übungen. Vielmehr erzeugen sie Präsenz durch ihr eigenes Wesen, überzeugen durch die eigene Persönlichkeit und vor allem auch durch ihre Körpersprache. Letztere sei besonders wichtig, so Matschnig: "Man glaubt dem Körper mehr als den Worten."

Beim öffentlichen Auftritt ist die Gestik und Mimik entscheidend

Deshalb sei es weniger wichtig, was man sagt, als wie man es sagt. Nur so lässt sich eine gemeinsame Wellenlänge mit dem Gesprächspartner erzeugen – und das wiederum "ist eine unabdingbare Voraussetzung für jeden geschulten Geschäftsmann", sagt Matschnig. Auch auf die Gestik kommt es dabei an: "Die beste Untermalung für die Inhalte und Aussagen, die ein Redner präsentiert, sind anschauliche Gesten, die zum Gesagten passen", sagt Matschnig. "Auch bildhaftes Sprechen ist kein Gottesgeschenk, sondern lässt sich üben."

Das lässt sich auch ohne Coach bewerkstelligen. Als Übungsmaterial sind emotionale Texte wie etwa Gedichte besonders gut geeignet. Werden sie laut gelesen und mit viel gestischer Untermalung vorgetragen, merkt jeder selbst, wie eine Stimmung erzeugt werden kann, indem man gezielt seine Hände einsetzt. Wichtige Vorraussetzung für eine passende und überzeugende Gestik: "Man muss sich vollkommen in die Situation fallen lassen und das, was man sagt, auch fühlen", erklärt Matschnig. "Nur dann ist die Körpersprache authentisch." Und nur dann entfaltet der Auftritt auch eine positive Wirkung – und keine verkrampfte.

So findet man den richtigen Coach

Die Coaching-Branche ist unübersichtlich: Mehr als 8.000 Coaches gibt es in Deutschland, sie sind in mehr als zwei Dutzend Verbänden organisiert. Coaches unterstützen ihre Klienten beim Bewältigen sämtlicher nur erdenklichen beruflichen Herausforderungen. Das Problem: Coach ist keine geschützte Berufsbezeichnung und so darf sich jeder so nennen, der sich dazu berufen fühlt. Daher ist die Gefahr durchaus vorhanden, an einen Abzocker oder Blender zu geraten. Experten raten daher, sich Empfehlungen von Freunden und Kollegen einzuholen. Hilfe verspricht zudem die Stiftung Warentest, die Mitte 2014 einen Leitfaden für die Suche nach dem richtigen Coach herausgegeben hat. Auf der Internetseite www.test.de kann er herunter geladen werden. czy

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