Seit Januar darf sich Charleen Greve mit dem süßen Titel der Thüringer Stollenkönigin schmücken. Sie steht für die junge Generation, die auch mal experimentierfreudig ist, wenn es um neue Rezepturen geht.

DHZ: Frau Greve, haben Sie in dieser Weihnachtssaison schon viel Stollen genascht?
Charleen Greve: Gar nicht so viel, wie man von einer Stollenkönigin vielleicht erwarten würde (lacht). Im Betrieb habe ich quasi täglich mit ihm zu tun. Am 1. Advent habe ich ihn zum ersten Mal gegessen, beim Sonntagskaffee mit meiner Familie.
Es gibt zahlreiche Stollensorten. Welchen mögen Sie am liebsten?
Ich gebe es ehrlich zu: Ich bin nicht der größte Rosinen-Fan. Und trotzdem esse ich auch gerne einmal einen klassischen Butterstollen. Die Vielfalt der Produkte ist das Spannende. In der Schule haben wir die Rosinen zum Beispiel durch Nougat ersetzt. Das war eine sehr interessante Kombination, die eher selten ist.
Wie offen ist Thüringen für neue Stollen-Kreationen?
Wenn man an Stollen denkt, denkt man an Orangeat und Zitronat, Rosinen und viel Puderzucker. Und trotzdem sind die Thüringer relativ offen. Gerade die jüngere Generation probiert öfter neue Zutaten aus.
Sie sind die amtierende Thüringer Stollenkönigin. Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen und was sind Ihre Aufgaben?
Durch meine Ausbilderin, die im engen Kontakt mit dem Stollenschutzverband steht. Ich wurde angefragt, ob ich nicht Interesse hätte, das Amt zu übernehmen. Nachdem ich mir im Dezember 2023 den Stollenanschnitt auf dem Erfurter Domplatz angeschaut habe, habe ich mich dafür entschieden. Seitdem repräsentiere ich den Stollen und das Handwerk und nehme zum Beispiel am Konditorentag teil. Demnächst bin ich bei einer Thüringer Veranstaltung in Berlin eingeladen.
Was sollte eine Stollenkönigin mitbringen?
Sie muss das Produkt lieben und Ahnung von der Materie haben, also Bäckerin oder Konditorin sein. Es braucht viel Herzblut, schließlich fallen die Termine oft in die Freizeit.
Sie sind im dritten Ausbildungsjahr zur Konditorin. Wie kam es zu dem Berufswunsch?
Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen. Dank meiner Mutti und meiner Oma habe ich schon als Kind viel gekocht und gebacken. Ich habe den Weg ins Gymnasium eingeschlagen, wo mir immer gesagt wurde: Du machst Abitur und dann gehst du studieren. Ich habe aber keinen Studiengang gefunden, der mich so sehr interessiert hat, dass ich ihn mein Leben lang beruflich machen wollen würde. Gleichzeitig hat meine Backlust immer weiter zugenommen. Ich habe mir zu jedem Geburtstag neues Equipment gewünscht. Da war dann relativ schnell klar, dass ich ins Handwerk gehen möchte.
Welche Arbeiten in der Konditorei liegen Ihnen am meisten?
Ich mag die individuellen Torten am liebsten. Wenn ich aus einem kleinen Klumpen Fondant eine Figur, zum Beispiel einen Berg und einen Bergsteiger für einen Wanderer, formen und die Kunden damit überraschen kann. Ja, das Modellieren macht mir am meisten Spaß.
Wie geht es nach Ihrer Ausbildung weiter? Haben Sie schon Pläne?
Das werde ich in letzter Zeit oft gefragt, aber ich habe noch keine Antwort darauf. Ich fühle mich sehr wohl in meinem Ausbildungsbetrieb, dem Café Lobenstein, und würde gerne bleiben.
Zurück zum Stollen: Haben Sie einen Tipp für all jene, die nicht allein auf die Qualität der regionalen Bäcker setzen, sondern selbst backen möchten?
Es ist ein Hefeteig, der gut durchgeknetet werden muss, aber auch Zeit braucht zur Entspannung. Das ist eine feine Balance. Mein größter Tipp ist, früh zu beginnen. Denn je länger der Stollen nach dem Backen liegt, desto besser entfalten sich die Aromen.