Adventszeit und Weihnachten Dresdner Christstollen: So wird das Kulturgut geschützt

Der Dresdner Christstollen ist weltweit als eines der beliebtestens Weihnachtsgebäcke bekannt. Doch nur wenige Bäcker und Konditoren dürften die Spezialität herstellen. Der Schutzverband Dresdner Stollen kümmert sich seit 30 Jahren um die Marke und ihr Image.

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Verbandes gab es für die Gäste ­einen zwei Meter langen Dresdner Christstollen. - © Schutzverband Dresdner Stollen/Norbert Neumann

Wer seinen geladenen Gästen einen echten Dresdner Christstollen auf dem ­Kaffeetisch servieren möchte, sollte sich vorher die Verpackung ganz genau ansehen. Den nur wenn das Weihnachtsgebäck das goldene ­Stollensiegel und das blau-gelbe EU-Qualitätssiegel trägt, handelt es sich um den echten Dresdner Christstollen.

Um den Erhalt der Marke kümmert sich der Schutzverband ­Dresdner Stollen, der vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde. "Die Gründungsväter waren sich bewusst, dass man dieses besondere Kulturgut schützen muss, um Herkunft, Herstellung und Tradition zu bewahren", sagt Karoline Marschallek, Geschäftsführerin des Verbandes.

Strenge Vorgaben für Bäcker

In der Satzung des Verbandes ist genau festgelegt, welche Handwerksbäcker- und -konditoren den Dresdner Christstollen backen dürfen. Voraussetzung ist unter anderem, dass sie im Stadtgebiet von Dresden oder einem eng gefassten Umkreis der sächsischen Landeshauptstadt mit einem Handwerksbetrieb ansässig sind, ganzjährig Backwaren verkaufen und natürlich die Grundsätze der Satzung anerkennen. Rund 110 Betriebe dürfen derzeit den Dresdner Christstollen backen und das goldene Stollensiegel des Verbandes nutzen.

Besonders engagierte sich Verband dafür, dass die Herkunft des Dresdner Christstollens europaweit durch das EU-Siegel geschützt ist. Acht Jahre hat der Verband dafür mit der Euro­päischen Union intensiv verhandelt. Nur wenige deutsche Lebensmittel, wie etwa das Lübecker Marzipan oder der Schwarzwälder Schinken, genießen ebenfalls diesen besonderen Schutz. Der Schutzverband arbeitet mit dem Ministerium für Landwirtschaft zusammen, um möglichst engmaschig zu kontrollieren, ob ein Betrieb gegen den Markenschutz verstößt. Dabei liege eine Rechtsverletzung schon vor, wenn ein Christstollen "Dresdner Art" verkauft würde oder die Verpackung auch nur ein Symbol zeige, das dem Kunden eine Verbindung zur Stadt Dresden suggeriere.

Verdeckte Qualitätsprüfung der Dresdner Christstollen

Die zugelassenen Stollenbäcker müssen sich jährlich einer verpflichtenden Qualitätsprüfung stellen, bei der die Stollen nach sensorischen Merkmalen von einer unabhängigen Kommission aus Bäcker- und Konditormeistern sowie Sachverständigen aus der Qualitäts­sicherung für Lebensmittel bewertet werden. Dabei geben sich die Tester beim Einkauf in der Bäckerei zunächst nicht zu erkennen, um sicherzustellen, dass ein Stollen gleicher Güte getestet wird, wie ihn jeder Kunde bekommt.

Seinen Mitgliedsbetrieben bietet der Verband regelmäßig weiterbildende Schulungen an. So wurde zum Beispiel mit der Technischen Universität Dresden ein Sensorik-Workshop speziell für den Dresdner Christstollen konzipiert.

Neben dem Markenschutz kümmert sich der Verband um Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für den Dresdner Christstollen. Jährlich wird etwa das Stollenmädchen gekürt, das selbst aus dem Bäckerhandwerk kommt und den Stollen weltweit bei Veranstaltungen repräsentiert. Zudem wird einmal in der Saison das Stollenfest veranstaltet, für das bis zu 70.000 Besucher nach Dresden strömen. "Der Stollen ist längst auch ein Tourismusfaktor für die Stadt", betont Karoline ­Marschallek.

Info: Aufgrund der pandemischen Lage musste das Dresdner Stollenfest in diesem Jahr ­erneut abgesagt werden.