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Eine Million Kamine und Schornsteine nachrüsten Teure Nachrüstpläne der Regierung: Darum warnen Schornsteinfeger

Wie können Öfen und Kamine noch umweltfreundlicher werden? Neue Pläne der Regierung sehen Umrüstungen für alle Schornsteine vor, die neu eingebaut oder ersetzt werden. Die Schornsteinfeger warnen vor hohen Kosten und technischen Problemen bei der Umsetzung.

Neue Pläne der Regierung zum Umbau von Schornsteinen sorgen für Unruhe bei den zuständigen Verbänden. Der Bundesrat diskutiert aktuell über einen Vorschlag aus Baden-Württemberg, der vorsieht, dass neue Schornsteine künftig „firstnah angeordnet sein und den First um mindestens 40 Zentimeter überragen“ müssen. Das Gesetz soll schon in wenigen Monaten in Kraft treten. Geplant ist: Wer ab dem 1. Juli 2019 einen Kamin, einen Ofen, eine Holzpellet- oder Kohleheizung einbaut oder ersetzt, soll sich an die neuen Vorgaben halten oder die Feuerstätte schließen müssen.

Da im Bundesemissionsschutzgesetz 2010 neue Emissionsgrenzwerte für Feuerstätten festgelegt wurden, müssen bis 2025 rund vier Millionen Haushalte ihre alten Öfen gegen effizientere und emissionsärmere Feuerstätten eintauschen Nach einer Hochrechnung des Schornsteinfegerhandwerks müssten davon rund eine Million im Zuge der Modernisierung nachgerüstet werden.

Verbände warnen

"Wir sehen das sehr kritisch", sagt Alexis Gula vom Verband der Schornsteinfeger und kritisiert, dass die zuständigen Verbände im Vorfeld nicht befragt worden seien. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Heizindustrie, dem Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima, dem Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband und dem Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik haben die Schornsteinfeger deshalb einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geschrieben.

Die Verbände sehen gleich mehrere Probleme bei der Umsetzung der Pläne. Zum einen wären die Vorgaben bei manchen Häusern aus statischen Gründen nicht umsetzbar, denn die Verordnung würde um mehrere Meter höhere oder entlang der Dachfläche verlängerte Schornsteine erfordern. "Manche Edelstahlkamine müssten zum Beispiel um drei bis vier Meter Erhöht werden", sagt Gula.

Die Pläne seien zudem unnötig teuer, da bisher kein Nachweis über die Wirksamkeit der Anforderungen erbracht wurde. Nicht zu unterschätzen sei außerdem der bürokratische Aufwand für Ausnahmegenehmigungen. "Wenn nur jeder Zweite eine Ausnahme beantragt, ist das ein immenser Aufwand für die Behörden", sagt Gula. Wie diese Ausnahmen genau aussehen und welche Kriterien angewandt werden, sei aber noch unklar. Wie die Verbände in dem Brief schreiben sind "Ausnahmen für Einzelraumfeuerungsanlagen, nicht aber für die im Rahmen der Energiewende besonders erwünschten Holzheizungen nur vorgesehen im Fall einer Erteilung einer behördlichen Ausnahmegenehmigung". Nicht zuletzt seien diese hohen Schornsteine auch aus optischen Gründen für viele Hausbesitzer keine Option, merkt Gula an.

Die Verbände hoffen die Pläne noch abwenden zu können. Es sei zielführender abzuwarten, bis alle Feuerstätten ausgetauscht sind und dann nochmals über Maßnahmen zu sprechen. Sonst würden in vielen Fällen die Öfen einfach geschlossen werden, was dem Wunsch nach einem besseren Energiemix in Deutschland nicht zuträglich wäre.

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