Teslas Model X ist der Elektro-SUV für Großfamilien mit großem Geldbeutel, die das gewisse Etwas suchen. So schlägt sich das Elektroauto in der Praxis.
Steffen Guthardt
Familienautos sind nicht unbedingt für ihr schickes Design oder ihre sportliche Beschleunigung bekannt. Ob Van oder Kleinbus, die Optik tritt meistens zugunsten des Nutzens in den Hintergrund und Platz ist wichtiger als Leistung. Doch das ändert sich langsam. Immer mehr Hersteller bieten ihre sportlichen SUVs gegen einen gewissen Aufpreis mit einer dritten Sitzreihe an. Sehr überschaubar wird das Angebot allerdings, wenn das Familienauto auch noch rein elektrisch fahren soll.
Im Tesla Model X: Wie unter freiem Himmel
Die Lücke füllt E-Auto-Pionier Tesla. Was die Limousine Model S für den Geschäftsmann ist, ist das Model X für die Familie . Allerdings nur für gut betuchte. Schon beim Einstiegsmodell werden 96.750 Euro fällig. Mit stärkerem Motor und einigen Extras werden es schnell 150.000 Euro.
Von Größe ist nicht nur der Preis, sondern auch das Erscheinungsbild des Model X. Über fünf Meter lang, zwei Meter breit und knapp 1,70 Meter hoch – der Elektro-SUV kommt nicht gerade bescheiden daher und wird im Straßenverkehr unweigerlich zum Blickfang. Das liegt auch am futuristisch anmutenden Design mit einigen Besonderheiten.
So zieht sich das Panoramadach über die Sitzreihen hinweg und die Reisenden fühlen sich fast wie in einem Cabrio. Der Vorteil: Es besteht keine Gefahr nass zu werden. Der Nachteil: Die große Glasfläche sorgt dafür, dass es bei Sonnenschein im Model X sehr schnell sehr warm wird. Ohne eingeschaltete Klimaanlage kann das unangenehm werden.

Nicht weniger erwähnenswert sind die so genannten "Falcon Wing Doors" . Die Flügeltüren in der hinteren Sitzreihe lassen sich wahlweise über den Autoschlüssel oder direkt über den 17 Zoll großen Bedienbildschirm öffnen. Auf dem Parkplatz sind dem Model X so alle Blicke sicher.
Die Flügeltüren sind aber nicht nur eine schöne Spielerei, sondern wirklich nützlich. Den Mitfahrern wird der Ein- und Ausstieg gerade in schmalen Parklücken deutlich erleichtert. In der vorderen Sitzreihe verzichtet Tesla auf den Flügeleffekt. Ein Extra gibt es für den Fahrer aber doch. Nach dem Einstieg genügt ein kurzer Tritt auf die Bremse und die Tür schließt sich automatisch.
Bis zu sieben Personen passen in den Tesla Model X
Der Innenraum des Model X bietet ein gutes Platzangebot mit viel Beinfreiheit , zumindest vorne. Deutlich enger wird es in der für ab 4.000 Euro optional erhältlichen dritten Sitzreihe. Die Plätze sind für Erwachsene auf längeren Fahrten nicht geeignet.
Wer das Model X als Familienauto kauft, wird die hinteren Plätze aber wohl ohnehin den Kindern vorbehalten, die dank der elektrisch verschiebbaren Sitzreihen ohne große Akrobatikeinlagen ins Auto gelangen. Auch eine längere Fahrt lässt sich problemlos mit sechs oder sieben Personen bewältigen. Sofern kein großes Gepäck dabei ist. Zum Glück findet sich unter der Motorhaube gar kein Motor, sondern ein zweiter Kofferraum als weitere Staufläche . Die Elektroakkus des Model X sind gut versteckt unter dem Auto verbaut.
Aufladen am Supercharger
Deren Leistung muss sich allerdings nicht verstecken. Je nach Variante und Fahrweise sind im Model X Reichweiten zwischen 300 und 400 Kilometern möglich . Damit lässt Tesla die meisten anderen Elektromodelle auf dem Markt deutlich hinter sich. Das gilt auch für die Beschleunigung. Ansatzlos schafft es das Model X in unter vier Sekunden von null auf hundert .Da lässt die Großfamilie den einen oder anderen Sportwagen bequem hinter sich.
Allerdings zehrt ein hohes Tempo schnell an der Akkuausdauer. Das Model X ist daher kein Auto für Schnellfahrer, sondern spricht eher den gemütlichen 120km/h-Fahrer an . Wer unterwegs dringend neue Energie braucht, kann eine der Supercharger-Stationen von Tesla anfahren. Das Netz soll im Zuge der Einführung des Model 3 noch deutlich ausgebaut werden. Die nächste verfügbare Station lässt sich ganz einfach über eine Karte auf dem großen Touchscreen anzeigen.
In rund 75 Minuten ist der Akku am Supercharger wieder voll aufgeladen. Model-X-Käufer, die ihr Auto bis zum 20. Mai 2017 gekauft haben, können an den Superchargern kostenlos aufladen und behalten dieses Privileg auch bei einem Wechsel auf ein anderes Tesla-Modell . Wer hingegen nach dem 20. Mai 2017 sein Model X kauft, muss nach einer Freigrenze von 400 kWh/Jahr für die Aufladung zahlen.
Spotify-Abo und LTE inklusive im Tesla Model X
Gratis gibt es für neue Model-X-Käufer aber weiterhin einen Zugang zum Musik-Streamingdienst Spotify. Über das Touchscreen lässt sich bequem nach gewünschten Titeln, Künstlern und Genres stöbern.
Auch im Internet surfen kann man über den großzügigen Bildschirm. Ein LTE-Modul ist im Model X serienmäßig mit an Bord. Videos, z.B. von YouTube, lassen sich aus Sicherheitsgründen jedoch nicht wiedergeben .
Steuerung per Autopilot
Ebenfalls an Bord ist der Autopilot. Es ist eines der interessantesten wie auch umstrittensten Funktionen der Tesla-Modelle. Wer sich traut, kann sein Fahrzeug damit fast berührungslos durch den Straßenverkehr manövrieren. Die Betonung liegt dabei auf fast, denn der Bordcomputer fordert den Fahrer auch im Autopilot-Modus dazu auf, das Lenkrad zumindest leicht zu berühren.
Ein kurzes Antippen des Blinkerhebels genügt, und das Model X wechselt automatisch die Spur . Auch die Geschwindigkeit wird vollkommen autonom geregelt, denn die verkehrsadaptive Tempomatik bremst und beschleunigt selbst. Im Test zeigt die Autopilot-Funktion wie auch beim Model S keine Schwächen. Trotzdem ist es ungewohnt, das Lenkrad einem Computer anzuvertrauen. An heiklen Verkehrsstellen wie Baustellen und Tunnel macht sich zumindest beim Tester ein mulmiges Gefühl breit und das Lenkrad wird schnell wieder übernommen.
Weniger aufregend ist das automatische Einparken in passende Parklücken mittels des Bordcomputers. Das funktioniert übrigens auch über eine Smartphone-App, wenn der Fahrer selbst gar nicht im Wagen sitzt.
Kurz gemeldet: Neues zur Elektromobilität
Kanzlerin gibt Ziel für E-Autos auf
Eine Million Elektrofahrzeuge sollten bis 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. So lautete der ursprünglich ausgegebene Plan der Bundesregierung. Doch bislang sind nicht einmal 100.000 Autos mit elektrischem Antrieb zugelassen worden. Die Bundeskanzlerin hält das anvisierte Ziel deshalb nicht mehr für machbar und hat sich von der Millionenmarke verabschiedet, wie sie auf einem Fraktionskongress in Berlin erklärte. Kritik kam nicht nur von den Grünen, sondern auch vom Koalitionspartner SPD.
Geringe Nachfrage für Prämie
Die Abwrackprämie für die Verschrottung alter Kraftfahrzeuge war 2009 ein großer Erfolg. Die Prämie für E-Autos sollte es nachmachen und viele Verbraucher zum Abschied vom Verbrenner bewegen. Für ein rein elektrisches Fahrzeug gibt es eine Prämie von 4.000 Euro, für ein Hybrid-Modell 3.000 Euro. Doch die Nachfrage bleibt gering. Bis 30. April 2017 wurden nur 17.937 Anträge auf eine Prämie gestellt, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mitteilte. Davon entfielen 10.065 Anträge auf reine Elektroautos und 7.869 Anträge auf Plug-in-Hybride.
Volvo kehrt Diesel den Rücken
Als erster namhafter Autohersteller hat Volvo seinen Ausstieg aus der Produktion von Dieselmotoren angekündigt. Eine neue Diesel-Generation soll nicht mehr entwickelt werden. Volvo will bei seiner Modelpalette stärker auf E-Antriebe setzen. Das erste rein elektrische Auto der Marke soll 2019 auf den Markt kommen.
Wertstabilstes Elektroauto
Die Schätzorganisation Eurotax Schwacke hat die Wertstabilität von Fahrzeugen untersucht. Bei den Elektroautos liegt nach einer Laufzeit von vier Jahren und einer jährlichen Laufleistung von 10.000 Kilometern der Hyundai Ionic Elektro mit einem Restwert von 60,65 Prozent vorne. dhz
