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Tesla Model S P90D im Test Tesla Model S: Lautlos am Porsche vorbei

Die Elektro-Limousine Tesla Model S ist schick, schnell und strotzt vor Technik. Ob Akku, Autopilot und Tablet-Navigation auch im Alltag überzeugen, zeigt der Praxistest.

Gut versteckt auf einem unscheinbaren Hinterhof in München-Feldkirchen befindet sich die Service-Zentrale von Tesla Motors. Wo einst Kühe Unterschlupf fanden, werden heute sündhaft teure Elektroautos gewartet.

Hier steht der Testwagen für die Deutsche Handwerks Zeitung bereit, ein Tesla Model S P90D in der jüngst überarbeiteten Version ohne Kühlergrill-Front. Knapp 130.000 Euro kostet das Fahrzeug in seiner Grundausstattung. Wer den Autopiloten, ein Kaltwetter-Paket oder die Musikanlage mit zwölf Lautsprechern dazu haben möchte, muss noch ein paar tausend Euro mehr ausgeben. Damit spielt das Tesla Model S P90D zumindest preislich in einer Liga mit Luxusherstellern wie Porsche.

Auch rein optisch muss sich das Model S nicht hinter deutschen Oberklasse-Autos verstecken. Ein sanfter Schwung zieht sich über fast fünf Meter von der tiefliegenden Frontpartie bis zur Heckklappe und verleiht dem Model S sportliche Eleganz. Besonders ins Auge fallen die verchromten Türgriffe, die komplett in der Fahrzeugtür versenkt sind und erst zum Vorschein kommen, wenn sich der Tesla-Fahrer mit dem Schlüssel in der Hosentasche nähert.

Tesla Model S kann Kommandos per Tablet empfangen

Reduziert auf das Wesentliche ist der Innenraum gestaltet. Dezente Chromleisten und kaum sichtbare Bedientasten lenken den Blick des Fahrers sofort auf den großzügig bemessenen 17-Zoll-Touchscreen. Er dient als Kommandozentrale des Model S. Egal ob im Winter die Sitzheizung benötigt wird oder im Sommer das Sonnendach geöffnet werden soll – fast alle Einstellungen am Fahrzeug erfolgen über den Bildschirm.

Um den Motor des Tesla zu starten, reicht ein kurzer Tritt auf die Bremse. Wer dann das bekannte Surren eines Benzin- oder Dieselmotors erwartet, wird bitter enttäuscht. Der Elektromotor im Model S ist so leise, das nur die elektronischen Anzeigen dem Fahrer versichern, jetzt losfahren zu dürfen.

Stiller Sprinter

An der großen Stille ändert sich auch nichts beim Fahren selbst. Sogar bei größerer Geschwindigkeit gleitet der Elektroflitzer kaum hörbar über die Straßen. Der Fahrer nimmt dabei nur einen Flüsterton und den Luftzug als Geräuschkulisse wahr.

Die Straßenlage des Tesla Model S ist hervorragend, man gleitet fast wie auf Schienen vor sich hin. Auch die unmittelbare Umsetzung der Leistung auf die Straße überzeugt. Jeder Geschwindigkeitsbefehl des Fahrers wird ohne Zögern umgesetzt.

Gewöhnungsbedürftig ist das Bremsverhalten des Tesla Model S. Die Rekuperationsbremse greift sofort ein, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht. Ein aktives Bremsen des Fahrers ist in vielen Situationen deshalb kaum nötig. Wer jedoch einmal kräftig das Bremspedal betätigt, bekommt die aggressiven Brembo-Bremszangen zu spüren, die das Model S prompt zügeln.

Trotz des geringen Aufhebens kann sich der Tesla im Verkehr problemlos mit den aufbrausenden Sportwagen von Porsche, Audi & Co. messen. Zwar nicht bei der Lautstärke, aber dafür bei der Beschleunigung.

Die verbaute Elektrotechnik mit zwei Drehstrommotoren vorne und hinten bietet eine Gesamtleistung von 772 PS. Die unmittelbare Beschleunigung, die die Elektrotechnik ermöglicht, hinterlässt Eindruck. Wer einmal den Sportwagen-Charakter des Model S austesten möchte, sollte über den Touchscreen den "Von-Sinnen"-Modus auswählen. Durch die Fliehkraft wird der Fahrer unweigerlich in seinen Sitz gedrückt. Im Praxistest beschleunigt der Model S in gut drei Sekunden von 0 auf 100 km/h und lässt den einen oder anderen Porsche neben sich stehen. 40 km/h erreicht der Tesla übrigens schon nach gut einer Sekunde - das ist bestes Sportwagenniveau.

Spazierfahrten erwünscht

Doch so viel Lust das schnelle Fahren auch macht, so ungeeignet ist dafür das Model S. Das liegt einzig und allein an den Grenzen, die einem die Akkus im Elektroauto auferlegen. Die Reichweite ist extrem stark von der Fahrweise abhängig, wie verschiedene Testfahrten im Model S zeigen.

Tesla selbst gibt eine Reichweite von bis zu 509 km an. Das ist jedoch selbst bei schleichender Fahrt kaum erreichbar. Mit einem mäßigen Durchschnittstempo von 120 km/h hält der Akku gut 400 Kilometer durch. Wer jedoch häufig im von "Sinnen-Modus" unterwegs ist, verliert schnell 100 Kilometer dieser Reichweite. Das ist trotzdem weit mehr als viele andere Elektroautos derzeit bieten. Wer sparsam fährt, kann es z.B. von München nach Frankfurt mit einer Akkuladung schaffen.

Tesla Model S im Detail - die selbstfahrende Elektrolimousine

Dennoch sollten Tesla-Interessierte, die z.B. einen neuen Firmenwagen suchen, sich vorher über ihren eigenen Fahrstil Gedanken machen und zudem das Netz an Tesla Schnellladestation, den so genannten "Superchargern", in der Region prüfen. Tesla hat angekündigt, das Netz in den nächsten Jahren erheblich ausbauen zu wollen. Derzeit sind die Ladesäulen bundesweit ziemlich unterschiedlich verbreitet. Während Süddeutschland schon gut von den Superchargern erschlossen ist, sieht es besonders im Osten noch mau aus.

Kostenlos volltanken

Im Test werden die Ladestationen in Aichstetten bei Memmingen und Ulm genutzt. Vor Ort finden sich immer wieder andere Tesla-Fahrer, die einen kurzen Plausch suchen. Man hat den Eindruck, unweigerlich Teil einer eigenen Gemeinschaft zu sein. Ein Fahrer berichtet von Problemen mit den Ladekontakten an einer Zapfsäule. Im Test gab es jedoch keine Probleme mit dem Aufladevorgang.

Acht Supercharger stehen an den Raststätten jeweils zur Verfügung. Innerhalb von 30 Minuten sind bereits 80 Prozent des Akkus wieder voll und damit deutlich schneller als an herkömmlichen E-Ladesäulen. Der restliche Ladevorgang bis zum vollen Akku dauert dann jedoch nochmal ähnlich lange.

Auch aus Kostengründen macht der regelmäßige Besuch der Supercharger Sinn. Tesla-Fahrer können die Ladesäulen komplett kostenlos nutzen. Nach Angaben von Tesla beträgt die Ersparnis (bei durchschnittlicher Fahrleistung) zusammen mit der Steuerbefreiung für Elektroautos in fünf Jahren rund 7.000 Euro. Allerdings plant Tesla beim deutlich günstigeren Model 3, das ab Ende 2017 ausgeliefert werden soll, Gebühren für die Supercharger einzuführen.

Hemmschwelle Autopilot

Eine der interessantesten wie auch umstrittensten Funktionen beim Model S ist die Autopilot-Funktion. Wer sich traut, kann sein Fahrzeug damit fast berührungslos durch den Straßenverkehr manövrieren. Die Betonung liegt dabei auf fast, denn der Bordcomputer fordert den Fahrer auch im Autopilot-Modus dazu auf, das Lenkrad zumindest leicht zu berühren.

Ein kurzes Antippen des Blinkerhebels genügt, und das Model S wechselt automatisch die Spur. Auch die Geschwindigkeit wird vollkommen autonom geregelt, denn die verkehrsadaptive Tempomatik bremst und beschleunigt selbst. Im Test zeigt die Autopilot-Funktion keine Schwächen. Trotzdem ist es ungewohnt, das Lenkrad einem Computer anzuvertrauen. An heiklen Verkehrsstellen wie Baustellen und Tunnel macht sich zumindest beim Tester ein mulmiges Gefühl breit und das Lenkrad wird schnell wieder übernommen.

Weniger aufregend ist das automatische Einparken in passende Parklücken mittels des Bordcomputers. Das funktioniert seit Kurzem auch über eine Smartphone-App, wenn der Fahrer selbst gar nicht im Wagen sitzt.

Surfen im LTE-Tempo

Die umfangreiche Ausstattung des Model S wird durch den Sinn für kleine Details ergänzt. So ist der Funkschlüssel der Silhouette des Model S nachempfunden. Tippt der Fahrer die passende Stelle des Schlüssels an, öffnet sich der Kofferraum automatisch. Von denen gibt es im Tesla dank den unter dem Auto verbauten Elektroakkus übrigens vorne und hinten einen.

Musikliebhaber dürften sich über die Millionen von Songs freuen, die Tesla-Nutzern dank eines kostenlosten Spotify-Abos zur Verfügung stehen. Das Abspielen von Multimedia-Inhalten und Öffnen von Webseiten klappt über das im Tesla integrierten LTE-Modem meist verzögerungsfrei.

Test-Fazit

Ob sich der Umstieg von anderen Oberklasse-Autos auf ein Tesla Model S am Ende lohnt, hängt von den Vorlieben des Fahrers ab. Trotz seiner Qualitäten als Sportwagen, spricht das Elektromobil im Alltag Fahrer an, die es gemütlich mögen und gerne mal eine Pause an der Raststätte einlegen. Dafür bekommen sie das wohl innovativste Elektroauto, das es derzeit zu kaufen gibt.

Tesla Model S P90D im Überblick

Leistung: 568 kW / 772 PS

Antrieb: 2 Drehstrom-Asynchronmotoren

Beschleunigung (0 - 100 km/h): 3,2 s

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Antrieb: Allrad, permanent

Navigation: 17-Zoll-Touchscreen

Autopilot-Funktionen:

  • Lenkautomatik
  • Verkehrsadaptiver Tempomat
  • Spurhalte- und Spurwechselautomatik
  • Parkplatzerkennung
  • Einparkautomatik für paralleles und frontales Parken

Komfort-Extras:

  • Automatischer schlüsselloser Zugang
  • Frontkofferraum für Gepäck oder Kinderwagen
  • Bis zu 894 Liter Stauraum

Garantie:

  • 4 Jahre, maximal 80.000 km (8 Jahre Garantie mit unbegrenzter Laufleistung auf Batterie und Antriebseinheit)

Grundpreis: 129.800 Euro

 
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Kommentare

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Thomas Maul

Guter Bericht, aber ...

... die Aussage "...hält der Akku gut 400 Kilometer durch.[...] Das ist trotzdem weit mehr als viele andere Elektroautos derzeit bieten." stimmt natürlich nicht. Es gibt lediglich überhaupt nur ein einziges Elektroauto, das nicht nur ansatzweise überhaupt so weit fahren kann, sondern noch ein bisschen weiter. Das ist das Tesla Model S P100D, das seit kurzem angeboten wird.

Ich würde auch widersprechen, daß der Osten Deutschlands schlecht mit Superchargern ausgerüstet ist. Ein Blick auf die Supercharger-Karte der Tesla Website zeigt es.

Es ist übrigens nicht wichtig, einen Supercharger in der Nähe zu haben. Es ist auch nicht sinnvoll, diesen einfach mal so zum laden, zu besuchen. Dafür geht viel zu viel Zeit drauf, bei viel zu geringer Kostenersparnis.
Da stelle ich doch das Fahrzeug lieber zuhause in die Garage und stöpsle es an und habe ab diesem Moment Freizeit und Feierabend. Zeit gespart! Das mache ich das ganze Jahr so. Sollte ich dann mal auf der Langstrecke sein, dann muß es schnell gehen. Dafür sind die Supercharger mit 125 kW absolut gut geeignet. Nach 300-350 km einen Stopp für einen Kaffee und einen Toilettenbesuch und weiter gehts.
es ist geradezu erschreckend, wie gut das System funktioniert, das Tesla exklusiv bietet.

Ich bleibe dabei: Guter Bericht! ;-)

Unterstaller

Erfahrungen mit Tesla S 85 D

Seit nunmehr 15 Monaten und über 20.000 km gibt es nur positives zu berichten. Vor allem auch extrem niedrige Betriebskosten und viel Fahrspaß. Die Reichweite liegt bei durchschnittlich 350 km bis über 400 km. Längere Reisen z.B. nach Wien (ca. 500 km) sind durch die (kostenlosen) Supercharger problemlos zu bewältigen. Darüber hinaus sind die Anschaffungskosten des in der Basis bereit sehr gut ausgestattet Fahrzeugs nicht höher als ein vergleichbar motorisierter Audi oder Mercedes. Peter Unterstaller

Holzinger

Guter Bericht. Schade nur ...

... dass immer nur das Top-Modell P90D / P100D getestet wird. Für den Einsatz als Geschäftswagen interessanter wäre IMHO das Model S 85D, also geringfügig kleinerer Akku, aber Allrad-Antrieb. Hier beginnt der Preis ab ca. 85.000,-- und mach damit einen realistischen Einsatz auch bei Mittelständlern sinnvoller, wenn man die deutlich geringeren Wartungs- und Instandhaltungs- sowie Verbrauchskosten berücksichtigt.

Ansonsten kann ich die Angaben des Berichts nur bestägigen.
MfG