"Wir machen Karriere mit Gefühl" Tag des Handwerks: Wie Betriebe davon profitieren können

Am 19. September ist Tag des Handwerks. Die Kampagne bietet mehr als einen Aktionstag. Fertige Anzeigenvorlagen, Gewerke-Clips und eine Gaming-Plattform stehen kostenlos bereit – und lassen sich das ganze Jahr einsetzen. Wie Betriebe den Tag kurzfristig nutzen können und langfristig profitieren.

Seit wenigen Tagen ist die zweite Welle der Jahreskampagne des Handwerks gestartet. Bundesweit auf Außenflächen und digital werden vier Erfolgsgeschichten erzählt. Darunter der mehrfache Paralympics-Sieger und Orthopädietechnik-Mechaniker Markus Rehm (2. v. l.). - © handwerk.de

Karriere klingt für viele nach Ellenbogen, Hamsterrad und Kälte. Der Tag des Handwerks 2026 setzt dagegen ein klares Signal: Aufstieg im Handwerk funktioniert anders – im Team, im Betrieb, in einer Gemeinschaft. Das diesjährige Motto lautet "Wir machen Karriere mit Gefühl" und richtet sich vor allem an Jugendliche und ihre Eltern – Menschen, die gerade vor der Frage stehen, welchen Weg sie einschlagen wollen.

Seit 2011 findet der Aktionstag jedes Jahr am dritten Samstag im September statt. Er bündelt auch dieses Jahr wieder bundesweit Veranstaltungen von Handwerkskammern, Innungen, Kreishandwerkerschaften, Fachverbänden und einzelnen Betrieben.

Eines der Gesichter der aktuellen Kampagne ist Paralympics-Star Markus Rehm – selbst gelernter Orthopädietechniker und damit ein Botschafter, der das Motto mit seiner eigenen Geschichte glaubwürdig verkörpert.

Gemeinsam mehr Aufmerksamkeit erzielen

Wer bei der Aktion dabei ist, kämpft nicht allein um Sichtbarkeit. Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, bringt es auf den Punkt: "Es lohnt sich für den Betrieb mitzumachen, weil er nicht alleine um die Aufmerksamkeit kämpft, sondern weil er zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen auch aus anderen Gewerken präsentieren kann, was Handwerk kann."

Genau das ist die Logik des Aktionstags: Einzelne Betriebe werden Teil einer bundesweiten Bewegung – und profitieren von einer Reichweite, die sie allein nicht erreichen würden.

Aktuelles Kampagnenmaterial für das ganze Jahr

Wer auf den letzten Drücker aktiv werden will, muss nicht bei null anfangen. Der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT) stellt über sein Werbeportal auf handwerk.de fertige Vorlagen bereit: Anzeigen, Plakatvorlagen und Schilder – alles anpassbar mit dem eigenen Logo. Silke Stark vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) weiß um die Strahlkraft der Kampagne: "Wenn man eine eigene Aktion macht, um zu werben, muss man sich nicht selber was ausdenken, sondern kann diese ganzen Kampagnenvorlagen nutzen."

Das Werbeportal wurde Ende Juni technisch neu aufgesetzt und ist laut Stark deutlich intuitiver geworden. Hinzu kommt ein gewachsener Fundus mit Clips zu einzelnen Gewerken – für Betriebe ein guter Ausgangspunkt, um eigene Inhalte damit zu verknüpfen.

Aktuell läuft die zweite Welle der Kampagnenmotive, die seit wenigen Tagen verfügbar ist. Wer sie noch nicht genutzt hat: Sie sind nicht auf den Aktionstag begrenzt, sondern lassen sich das ganze Jahr einsetzen – für Tage der offenen Tür, Schulbesuche oder Social-Media-Posts. Das Leitthema "Wir machen Karriere mit Gefühl" trägt dabei über den Samstag hinaus, wie Stark gegenüber der DHZ betont: "Das gilt ja auch nicht nur für den Tag des Handwerks, sondern für das gesamte Jahr."

Das Handwerk bespielt rund um den Aktionstag seine Kanäle auf Instagram, Facebook, YouTube und TikTok. Eigene Beiträge lassen sich in diesen Sog hängen – auch für kleine Betriebe ohne große Reichweite eine sinnvolle Option. Wer auf Instagram unterwegs ist, kann außerdem noch etwas mitentscheiden: es wird ein neues Emoji für das Handwerk gesucht. Zwei Kandidaten stehen zur Abstimmung.

Gaming als Brücke zu jungen Zielgruppen

Ein besonderes Element der diesjährigen Kampagne ist der Vorstoß ins Gaming. Auf einer eigenen Handwerk-Map in Fortnite hat das Handwerk in den vergangenen Wochen ein bundesweites Turnier ausgetragen – mit Qualifikationsphase und beispielsweise einem Auftritt auf der Gamescom in Köln. Am Aktionstag steigt das Finale mit den 32 schnellsten Teilnehmenden aus allen 16 Bundesländern.

Die Idee dahinter erklärt Silke Stark so: "Damit steigen wir in einen Kosmos ein, indem die jungen Leute sich sowieso bewegen. Wir sind dort präsent und platzieren über eine sehr intuitive, spielerische Art das Thema Handwerk. Auch ein gewisser Coolness-Faktor spielt da natürlich eine Rolle."

Dass das Konzept funktioniert, zeigt das Feedback aus der Community. Die Streamerin LostKittn – 33 Jahre alt, gelernte Friseurin – war von Beginn an Teil der Kampagne. Sie berichtet von durchweg positiven Reaktionen in ihrem Chat. Bemerkenswert: Es waren nicht nur Jugendliche, die sich angesprochen fühlten, wie sie im Gespräch mit der DHZ verriet. "Es kamen viele Leute in den Chat, die gesagt haben: Ich bin seit 30 Jahren im Handwerk und das jetzt so mitzubekommen, ist so schön, weil ich mein Handwerk liebe."

Gaming-Plattform als Aufhänger für junge Menschen

Für Betriebe bleibt nach dem Finale mehr als eine Erinnerung. Die Map bleibt als dauerhaftes Werkzeug bestehen – kostenlos und ohne großen technischen Aufwand nutzbar. Wer mit Schulen oder Vereinen zusammenarbeitet, kann sie als Gesprächsaufhänger nutzen – beim Schulbesuch, auf einer Ausbildungsmesse oder im Praktikumsgespräch.

Den Tag als Einstieg verstehen, nicht als Abschluss

Der Aktionstag entfaltet seine Wirkung nur, wenn er nicht mit dem letzten Besucher endet. Drei Ansätze:

  1. Kampagnenmaterial weiterverwenden: Die Vorlagen auf handwerk.de stehen das ganze Jahr bereit. Wer sie morgen noch nicht eingesetzt hat, kann das im Nachgang nachholen – für die nächste Berufsmesse, den nächsten Schulbesuch oder die nächste Social-Media-Aktion.
  2. Azubis als Botschafter einsetzen: Wer gerade ausbildet, hat ein unterschätztes Kommunikationsmittel im Betrieb. Azubis, die selbst aus ihrer Ausbildung berichten – in der eigenen Schule, auf einer Messe oder in einem kurzen Video – wirken authentischer als jede Anzeige.
  3. Kontakt zu Schulen und Vereinen aufbauen: Praktika, Kooperationen und Berufsmessen sind die Wege, über die Betriebe das ganze Jahr sichtbar bleiben.