Energiewende Strom: Viel Potenzial für dezentrale Anlagen

Der Stromnetzausbau stockt, das Einspeisen von Solarstrom lohnt sich kaum noch und 2014 werden wieder mehr Großunternehmen von der Ökostrom-Finanzierung befreit: Bei den großen Projekten der Energiewende herrscht Stagnation. Immer wichtiger wird dadurch die dezentrale Energieversorgung. Das Handwerk könnte profitieren.

Mehr Stromtrassen sind nach Ansicht der Bundesregierung nötig, doch der Ausbau stockt. Viel Potenzial hätten allerdings auch dezentrale Anlagen, die den Ausbau überflüssig machen. - © Foto: flashpics/Fotolia

Galt die Energiewende einst als größtes Zukunftsprojekt der Bundesregierung, so wird sie derzeit eher als größte Baustelle Deutschlands betrachtet. Die stetig steigenden Strompreise haben sie ins Schwanken gebracht, die sinkende Förderung und die nicht vorhandene Planbarkeit für Unternehmen und Verbraucher. So bleiben auch die Pläne für die künftige Energiepolitik im Koalitionsvertrag von Union und SPD wage.

Stromnetzausbau: Ziel nicht erreicht

Fest steht allerdings: Der für die Energiewende unerlässliche Stromnetzausbau stockt. Von den Projekten des aktuell laufenden Ausbauprogramms EnLAG ist nach Angaben der Bundesnetzagentur im ganzen Jahr 2013 kein einziger neuer Leitungskilometer tatsächlich gebaut worden. Grund seien Einsprüche von Bürgern, Planungsänderungen und Verzögerungen bei der Zusammenarbeit verschiedener Behörden. Damit seien weiterhin nur 268 Kilometer des 2009 gestarteten und auf 1.855 Kilometer dringenden Bedarf veranschlagten Programms umgesetzt.

"Ursprüngliches Ziel war es, einen Großteil der EnLAG-Vorhaben bis zum Jahr 2015 zu verwirklichen. Bei realistischen Schätzungen ist jedoch davon auszugehen, dass bis 2016 nur etwa 50 Prozent erreicht werden", heißt es im Monitoringbericht 2013 der Netzregulierungsbehörde.

Doch die fehlenden Stromautobahnen alleine bringen die Großprojekt Energiewende allein noch nicht ins Schwanken. Die sinkende Einspeisevergütung lässt Investoren zweifeln, ob sich Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom noch lohnen. Profitable bleiben allerdings Anlagen, die Hausbesitzer vor allem deshalb installieren, um den Strom selbst zu verbrauchen.

Selbst verbrauchter Solarstrom rechnet sich noch

"Dezentrale Stromversorgung" lautet nun das Stichwort, von dem das Handwerk wiederum weit mehr profitieren könnte als vom Stromnetzausbau und anderen Großprojekten. Chancen bestehen für das Solarhandwerk aus Sicht des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) bei den Photovoltaik-Anlagen wie sie für Ein- und Zweifamilienhäuser typisch sind. Hier verzeichnet der Verband trotz der Förderkürzung der vergangenen Monate noch einen Zuwachs.

Auch Betriebe, aus dem Elektro- oder aus dem Heizungsbauerhandwerk, berichten immer wieder von gelungenen Umrüstungen und dem Aufbau regionaler und lokaler Anlagen, die nun völlig unabhängig von den großen Stromkonzernen und dem damit verbundenen Kostendruck funktionieren. Dezentralität und Regionalität sind die Stichwörter, die die Debatte um steigende Kosten und politisches Taktieren überflüssig machen.

Für Solaranlagen gilt: Die Förderung für in das Netz eingespeisten Solarstrom sinkt Monat für Monat. Aber Verbraucher können weiterhin davon profitieren, eine Anlage zu kaufen und Strom auf ihrem Hausdach zu produzieren – sie müssen ihn allerdings selbst verbrauchen.

Zwar sind die Zeiten, da mit Solaranlagen gutes Geld verdient wurde, für Neueinsteiger vorbei. So bekamen sie für eine im Juli 2009 ans Netz gegangene Anlage beispielsweise noch 43,01 Cent je Kilowattstunde. Für eine im Juli 2013 neu gemeldete Kleinanlage gibt es dagegen nur noch 15,07 Cent Vergütung. Daher rechnet sich eine Photovoltaikanlage mit Volleinspeisung kaum noch, denn die Einspeisevergütung sinkt weiter.

Zum 31. Oktober 2013 hat die Bundesnetzagentur die neuen Sätze für die Einspeisevergütung für November, Dezember 2013 und Januar 2014 bekanntgegeben. Sie verringert sich jeweils gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent. Im Dezember liegt sie bei 13,88 Cent je Kilowattstunde für kleine Dachanlagen bis 10 Kilowatt-Peak und bei 13,17 Cent für Dachanlagen von 10 bis 40 Kilowatt-Peak. Im Januar gibt es nur noch 13,68 Cent für Kleinanlagen auf dem Dach und 12,98 Cent für jene mit 10 bis 40 Kilowatt-Peak.

Speicherkapazität fehlt

Dagegen betragen die aktuellen Stromgestehungskosten einer Photovoltaikanlage, also der Preis, zu dem eine Kilowattstunde über die gesamte Laufzeit von 20 Jahren erzeugt wird, 15 bis 18 Cent pro Kilowattstunde. Wenn man den Strom, den man für 15 Cent erzeugt, nur für weniger Geld verkaufen kann, lohnt sich eine Volleinspeisung also immer weniger.

Wer den Strom selbst verbraucht, profitiert allerdings weiterhin. So kann man mit einer Solaranlage den Strom preisgünstiger erzeugen, als wenn man ihn von seinem Netzbetreiber bezieht. Derzeit spart man damit etwa 10 bis 11 Cent pro Kilowattstunde.

Der Haken ist jedoch: Die meisten Photovoltaikanlagen, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, verfügen über zu wenig oder gar keine Speicherkapazität. Ohne Speicher können nur etwa 20 bis 30 Prozent der Solarenergie selbst genutzt werden. Um die von ihnen selbst erzeugte Energie besser zu verwerten, müssen Betreiber von Solaranlagen in Speicheranlagen investieren. Denn damit könnten die Betreiber den Anteil ihres selbst genutzten Solarstroms mehr als verdoppeln. Immer mehr Handwerksbetriebe bieten dafür bereits passende Lösungen an.

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Für einen Solarstromspeicher mit Blei-Technologie rangieren die Preise durchschnittlich zwischen 7.000 und 9.000 Euro. Die Lithium-Technologie koste etwa 10.000 bis 13.000 Euro. Diese Preise gelten für ein 5-kWh-Speicher-System inklusive Installation (ohne Mehrwertsteuer) und es gibt für die Anschaffung eine Zuschuss vom Staat: Gefördert werden Speicher von Solarstromanlagen, die seit Jahresbeginn 2013 installiert wurden. Pro Kilowatt-Peak Leistung der Solaranlage beträgt der Zuschuss bis zu 660 Euro.

2014 mehr EEG-Ausnahmen

Obwohl einige Handwerksbranchen vom weiteren und speziell dezentralen Ausbau der Ökostromversorgung profitieren können, bleiben die Entlastungen bei der eigenen Stromrechnung geringer, da die wenigsten die bestehenden Sonderregeln für energieintensive Betriebe in Anspruch nehmen können. Vor allem die Großindustrie wird von der EEG-Umlage entlastet und treibt die Kosten der anderen nach oben.

So steigt die Zahl der von Umlagen zur Ökostrom-Finanzierung befreiten Unternehmen nächstes Jahr deutlich an. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, werden 2014 mehr als 2.700 Betriebsstellen in den Genuss einer Befreiung von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) kommen. Das wären etwa ein Fünftel mehr als heute, obwohl Union und SPD im Koalitionsvertrag das Gegenteil verabredet haben.

Das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bestätigte der Zeitung, dass die Unternehmen, die 2014 mit einer Bevorzugung bei den Stromkosten rechnen könnten, in diesen Tagen die schriftlichen Bescheide erhielten. Die Zahl der bevorzugten Abnahmestellen wurde mit 2.700 bis 2.800 angegeben – 400 bis 500 mehr als jene 2.300, denen das Bafa für dieses Jahr reduzierte Zahlungen der EEG-Umlage bewilligt hatte.

Unklar ist nach FAZ-Angaben noch, wie hoch der Betrag ausfällt, um den die Stromrechnung der Unternehmen nächstes Jahr reduziert wird. Beantragt worden sei eine Kürzung in Höhe von 5,1 Milliarden Euro. jtw/dpa