Energiekosten im Handwerk Strom, Gas, Sprit: Wie Betriebe den Kosten gegensteuern

Mit 35,6 Cent je Kilowattstunde zahlen Handwerksbetriebe den höchsten Strompreis aller G20-Staaten. Dazu kommen Spritpreise auf Rekordniveau und volatile Gasmärkte. Was Betriebe bei Beschaffung, Kalkulation und Tourenplanung tun können.

Die hohen Spritpreise zwingen Handwerksbetriebe, ihre Kalkulation zu prüfen und Touren effizienter zu planen. - © studio v-zwoelf - stock.adobe.com

Hohe Energiepreise und volatile Märkte setzen kleine und mittlere Betriebe hierzulande zunehmend unter Druck. Die Strom- und Gaspreise liegen weiterhin über dem Vorkrisenniveau und schwanken stärker als früher. Hinzu kommt, dass die Betriebe unter den anhaltend hohen Spritpreisen ächzen. So hat etwa der Preis für Super E10 laut einer Analyse des ADAC mit einem bundesweiten Durchschnitt von 2,21 Euro/Liter Anfang September einen historischen Höchststand erreicht.

Auch bei den Strompreisen liegt Deutschland laut einer Untersuchung des Vergleichsportals Verivox im Vergleich der G20-Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer an der Spitze. Unter den G20-Staaten ist Strom in Deutschland demnach mit durchschnittlich 35,6 Cent je Kilowattstunde am teuersten. Der Durchschnitt der G20-Staaten liegt der Analyse zufolge bei rund 16,3 Cent. Ursächlich dafür ist laut Verivox-Angaben vor allem die hohe Steuer- und Abgabenlast in Deutschland. "Die Stromproduktion selbst macht nur etwa ein Drittel des Strompreises aus", sagt Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Den Daten zufolge entfallen aktuell über 60 Prozent des Strompreises in Deutschland auf Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte.

Unter den hohen Strom- und Gaspreisen leiden vor allem energieintensive Gewerke wie etwa Bäckereien oder Metallbaubetriebe. Im Durchschnitt – über alle Gewerke hinweg – machen die Energiekosten bei Handwerksbetrieben etwa drei Prozent vom Jahresumsatz aus, zeigt eine Analyse der von verschiedenen Handwerkskammern getragenen Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE).

"Eine Steigerung der betrieblichen Energieeffizienz trägt in allen Gewerken zu einer Reduktion des Energieverbrauches bei und sorgt für Kosteneinsparungen", erklärt MIE-Berater Frank-Peter Ahlers von der Handwerkskammer Hannover, der als Energieauditor und Ausbilder für Energieberater vom Fach ist. "Die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaftskraft eines Handwerksbetriebes können somit nachhaltig gesteigert werden." Als Beispiel nennt er einen Bäckereibetrieb aus Ostdeutschland, der von der MIE beraten wurde: Durch einen Austausch der über 30 Jahre alten Backöfen habe das Unternehmen eine jährliche Stromersparnis von 16.000 Kilowattstunden realisieren können.

Energieintensive Gewerke müssen Beschaffung strategisch planen

"Unternehmen stehen vor der Herausforderung, zentrale Kostentreiber zu bewerten und ihre Energieposition für unterschiedliche Marktentwicklungen robust aufzustellen", erklärt Simon Fahrenholz, Head of Sustainability Germany bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY-Parthenon. Volatile Energiepreise würden Beschaffung, Netzentgelte, CO₂-Kosten und Regulierung zu einer strategischen Aufgabe für energieintensive Unternehmen machen. Flexibilität sei dabei besonders wichtig – sie werde zunehmend zur Kosten- und Wettbewerbsfrage. "Speicher, Lastmanagement, verschiebbare Lasten und Eigenversorgung gewinnen an Bedeutung, weil Unternehmen künftig stärker von dynamischen Preis- und Netzentgeltstrukturen betroffen sind", so der Experte.

Entlastungsinstrumente des Gesetzgebers seien dabei nur bedingt hilfreich. "Es reicht nicht, einzelne Entlastungsinstrumente oder Beschaffungsentscheidungen isoliert zu betrachten", so Fahrenholz. "Unternehmen müssen verstehen, welche regulatorischen Voraussetzungen für sie relevant sind und wie diese mit Beschaffung, Netzentgelten und CO₂-Kosten zusammenspielen."

Für energieintensive Unternehmen sei es dabei entscheidend, die eigene Kostenposition nicht nur für ein erwartetes Marktumfeld zu optimieren, sondern über mehrere mögliche Entwicklungen hinweg belastbar aufzustellen. Denn wie sich die Energiepreise in der Zukunft entwickeln, sei nur schwer vorherzusagen, erläutert Fahrenholz. "Die Energiepreise hängen von mehreren Treibern ab: der Geschwindigkeit von Elektrifizierung und Nachfragewachstum, dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Verfügbarkeit von Flexibilitäten und gesicherter Leistung sowie dem Preisniveau an den europäischen Gas- und CO₂-Märkten."

Hohe Spritpreise an Kunden weitergeben

Die hohen Spritpreise wiederum sind für fast alle Handwerksbetriebe ein Problem. Zahlreiche Handwerker seien täglich mit Transportern unterwegs – zu Baustellen, Kunden oder Materiallieferanten, erklärt Liborio Manciavillano, Geschäftsführer der auf das Handwerk spezialisierten Unternehmensberatung HWS Handwerks-Schmiede GmbH. Wenn Diesel und Benzin deutlich teurer werden, würden die Betriebskosten daher unmittelbar steigen. "Wenn Spritpreise plötzlich stark steigen, trifft das direkt die Kalkulation – besonders bei kleinen Betrieben mit mehreren Fahrzeugen", so Manciavillano.

Betriebe seien daher gefordert, gegenzusteuern – durch Preisanpassungen oder auch eine effizientere Tourenplanung –, denn sonst sei schnell die gesamte Wirtschaftlichkeit in Gefahr. "Viele zögern, ihre Preise zu erhöhen – genau das ist jedoch ein häufiger Fehler", so der Experte. "Wenn die eigenen Kosten steigen, muss diese Entwicklung entsprechend weitergegeben werden." Zudem sei eine durchdachte Einsatzplanung wichtig, damit die Mitarbeiter nicht unnötig weite oder unstrukturierte Wege zurücklegen, sagt Manciavillano. "Außerdem sollten Aufträge gebündelt werden, anstatt mehrfach einzeln anzufahren."

Man kann die aktuelle Situation auch zum Anlass nehmen, über den Umstieg der Fahrzeugflotte auf Elektroantriebe nachzudenken. Wer dann noch eine Solaranlage auf die Werkshalle baut und sich einen Stromspeicher zulegt, kann sich schließlich von den Entwicklungen an den Ölmärkten unabhängig machen. Vorschnelle Entscheidungen seien in dieser Hinsicht aber nicht angebracht, schränkt Handwerksexperte Manciavillano ein. "Elektrofahrzeuge können durchaus sinnvoll sein, allerdings nur, wenn sie zum jeweiligen Betrieb passen." Es gelte, im Vorfeld die Wirtschaftlichkeit im Detail zu prüfen. "Entscheidend sind Faktoren wie Fahrstrecken, Ladeinfrastruktur, Einsatzzeiten und Gesamtkosten." Insbesondere im städtischen Bereich bieten elektrische Antriebe klare Vorteile, während sie bei längeren Strecken oft an ihre Grenzen stoßen. "Die aktuelle Situation ist daher ein guter Anlass, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen – jedoch nicht, um unüberlegt zu handeln."