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Neues im Steuerrecht Steuertipps 2019: 20 wichtige Tipps und Urteile

Steuern machen keine Sommerpause. Hier die wichtigsten 20 Tipps und Urteile für den Herbst: Für Kassensysteme gibt es eine Meldepflicht, wie der Vorsteuerabzug bei Bewirtungsbelegen gerettet werden kann und man eine Stolperfalle beim Baukindergeld vermeidet.

Von wegen Sommerloch. Im Steuerrecht sind in den letzten Wochen so viele neue Urteile, Verwaltungsanweisungen und Trends aufgeschlagen wie selten zuvor. Mit den 20 folgenden Finanz- und Steuertipps können Sie kräftig Steuern sparen, Steuernachteile vermeiden und finanzielle Vorteile genießen.

1. Geplante Abschaffung des Soli

Ab 1. Januar 2021 ist der Solidaritätszuschlag endlich Geschichte. Der Ende August vorgestellte Gesetzesentwurf hat aber einen Haken. Denn nur 90 Prozent aller Steuerzahler müssen keinen Soli mehr bezahlen. Spitzenverdiener mit einer Einkommensteuerbelastung von mehr als 16.956 Euro/33.912 Euro (Ledige/Zusammenveranlagte) werden weiterhin in Punkto Soli zur Kasse gebeten. Auch auf Kapitalerträge und die Körperschaftsteuer soll ab 2021 weiterhin Solidaritätszuschlag fällig werden.

2. Mitteilung über Kassensystem

Nutzen Sie in Ihrem Betrieb eine elektronische Kasse? Dann müssen Sie dem Finanzamt spätestens am 31. Januar 2020 eine Mitteilung mit Infos zum verwendeten Kassensystem übermitteln. Die Mitteilung muss auf einem amtlichen Vordruck erfolgen. Da es diesen noch nicht gibt, heißt es abwarten und den Termin vormerken.

3. Ausschlachten bringt Steuervorteil

Kaufen Sie gebrauchte Fahrzeuge, schlachten diese aus und verkaufen die Einzelteile weiter? Dann gibt es umsatzsteuerlich eine gute Nachricht für Sie. Sie dürfen bei der Umsatzsteuer die Differenzbesteuerung nach § 25a UStG anwenden (BMF, Schreiben v. 17.07.2019, Az.: III C 2 – S 7421/19/10003:001). Hier wird die Umsatzsteuer aus dem Differenzbetrag zwischen An- und Verkaufspreis herausgerechnet. Bisher verweigerten die Finanzämter die Differenzbesteuerung, weil der gekaufte Gegenstand (Auto) und die verkauften Gegenstände (Autoteile) nicht identisch sind.

4. GoBD: Schreiben zurückgezogen

Das Bundesfinanzministerium veröffentlichte ein Schreiben vom 11. Juli 2019 mit neuen Vorgaben zur Ordnungsmäßigkeit der Buchführung. Dieses Schreiben ist im Portal www.bundesfinanzministerium.de wieder verschwunden. Hintergrund: Es besteht noch Klärungsbedarf auf Bund-Länder-Ebene. Folge: Vorerst gelten weiterhing die Grundsätze zur Ordnungsmäßigkeit der Buchführung im BMF-Schreiben vom 14.11.2014 (Az.: IV A 4 – S 0316/13/10003).

Weitere Informationen zur GoBD finden Sie hier

5. Investitionsabzugsbetrag für Pkw

Sitzen Sie gerade an der Gewinnermittlung für 2018 und möchten für einen geplanten Pkw-Kauf in den Jahren 2019 bis 2021 40 Prozent des voraussichtlichen Kaufpreises als Betriebsausgaben 2018 abziehen (= Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG)? Wenn ja, funktioniert das nur, wenn Sie im Jahr des Kaufs und im Folgejahr ein Fahrtenbuch führen und nachweisen, dass der Pkw in dieser Zeit mindestens zu 90 Prozent betrieblich genutzt wurde. Ohne Fahrtenbuch kippt das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend (FG Münster, Urteil v. 20.07.2019, Az.: 7 K 2862/17 E).

6. Baukindergeld: Stolperfalle Immobilie

Kaufen oder bauen Sie ein Eigenheim und Sie haben Kinder, winkt Ihnen unter bestimmten Umständen  das Baukindergeld. Steuerfrei unterstützt Sie der Staat mit 1.200 Euro je Kind und das zehn Jahre lang. In einem Merkblatt der KfW vom 17. Mai 2019 wird jedoch ausgeführt, dass weitere Immobilien in Ihrem Eigentum beim Baukindergeld schädlich sein können. Gehört Ihnen oder Ihren Kindern am Tag, an dem der Notarvertrag für das neue Eigenheim unterzeichnet oder an dem die Baugenehmigung erteilt wird, weitere Immobilien, kippt der Anspruch auf Baukindergeld.

7. Steuererklärung für Erblasser

Haben Sie geerbt und mussten für den Verstorbenen (= Erblasser) Steuererklärungen beim Finanzamt einreichen, können Sie dem Finanzamt die dabei angefallenen Steuerberatungskosten präsentieren. Bei diesen Kosten handelt es sich um Nachlassverbindichkeiten, die bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer steuermindernd berücksichtigt werden (FG Baden-Württemberg, Urteil 15.05.2019, Az.: 7 K 2712/18).

8. Ex-Ehegatte verklagen

In dem Jahr, in dem Sie sich von Ihrem Ehepartner getrennt haben, steht Ihnen übrigens noch die steuergünstige Zusammenveranlagung zu. Weigert sich Ihr Ex-Partner, eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben, obwohl er nichts oder deutlich weniger verdient als Sie, müssen Sie bei der Einzelveranlagung wohl oder übel deutlich mehr Steuern bezahlen. Doch Sie können in diesem Fall einen Schadensersatz gegenüber Ihrem Ex-Ehegatten geltend machen (OLG Celle, Urteil v. 09.04.2019, Az.: 21 UF 119/18).

9. Vorsteuerabzug aus Bewirtungsbeleg

Stößt das Finanzamt bei einer Prüfung auf Bewirtungsbelege, bei denen Angaben zu den Gästen oder zum Grund der Bewirtung fehlen, ist zwar der Betriebsausgabenabzug verloren. Der Vorsteuerabzug kann jedoch gerettet werden, wenn Sie dem Finanzamt die fehlenden Infos nachträglich mitteilen (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 09.04.2019, Az. 5 K 5119/18). Weitere gute Nachricht: Das Finanzamt hat gegen dieses Urteil keine Revision beim Bundesfinanzhof beantragt.

10. Urteil zur Nettolohnvereinbarung

Haben ein Arbeitgeber und ein ins Ausland entsandter Arbeitnehmer eine Nettolohnvereinbarung getroffen, ist bei der Einkommensteuer auf den Bruttolohn hochzurechnen. Doch muss ein Arbeitnehmer auch die vom Arbeitgeber übernommenen Steuerberatungskosten versteuern, wenn der Arbeitgeber die Ausgaben für die Erstellung der Steuererklärung des Arbeitnehmers übernimmt und der Arbeitnehmer auf die Steuererstattungen verzichtet? Nein, so der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil v. 09.05.2019, Az.: VI R 28/17).

11. Kurios: Verdeckte Gewinnausschüttung

Erhält ein GmbH-Gesellschafter von seiner GmbH eine Gewinnausschüttung, unterliegt diese normalerweise der 25-prozentigen Abgeltungsteuer. Doch der Abzug von Werbungskosten ist hier tabu. Ausweg: Beantragt der Gesellschafter das Teileinkünfteverfahren, kann er von der Ausschüttung alle Werbungskosten abziehen und muss den Restbetrag nur mit 60 Prozent mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

Voraussetzungen: Beteiligung zu mindestens 25 Prozent an der GmbH oder mindestens 1 Prozent und Mitarbeit in der GmbH und Antragstellung mit Abgabe der Steuererklärung. Stellt das Finanzamt Jahre später bei einer Prüfung eine "verdeckte" Gewinnausschüttung fest (z.B. unangemessen hohes Gehalt), scheidet das Teileinkünfteverfahren aus, wenn kein Antrag in der Erklärung gestellt wurde (BFH, Urteil v. 14.05.2019, Az.: VIII R 20/16). Kurioser Ausweg: Stellen Sie stets vorsorglich einen Antrag auf Anwendung des Teileinkünfteverfahrens, selbst wenn Sie in einem Jahr gar keine Gewinnausschüttung erhalten haben.

12. Arbeitszimmer muss nicht erforderlich sein

Sind Sie bei Kunden vor Ort tätig und haben in der Einrichtung Ihres Arbeitgebers keinen Arbeitsplatz, an dem Sie Ihren Bürokram erledigen können? Dann dürfen Sie dem Finanzamt für ein häusliches Arbeitszimmer Werbungskosten von bis zu 1.250 Euro pro Jahr präsentieren. Das gilt selbst dann, wenn Sie das Arbeitszimmer zeitlich nur sehr selten nutzen. Das Finanzamt darf den Werbungskostenabzug nicht mit dem Argument verweigern, dass kein Arbeitszimmer erforderlich sei (BFH, Urteil v. 14.05.2019, Az.: VIII R 16/15).

13. Begleitung des Ehegatten

Nehmen Sie aus betrieblichen Gründen an einer Fachtagung teil und nehmen Ihren nicht im Betrieb angestellten Ehegatten mit, weil dieser Sie perfekt beim Aufbau und der Pflege Ihrer Geschäftskontakte unterstützt, sind die Kosten für den Ehegatten nicht als Betriebsausgaben abziehbar (FG Münster, Urteil v. 14.05.2019, Az.: 2 K 2355/18 E). Ausweg: Stellen Sie den Ehegatten in Ihrem Betrieb an und zeichnen Sie auf, wann er welche Tätigkeiten für Ihren Betrieb erledigt.

14. Beantragung einer Steuernummer

Haben Sie mit einem Unternehmen Schiffbruch erlitten und beantragen erneut eine Steuernummer für das nächste Unternehmen, darf Ihnen das Finanzamt die Zuteilung der Steuernummer nicht verweigern. Das gilt selbst denn, wenn Sie Ihre steuerlichen Pflichten in der Vergangenheit vernachlässig haben (BFH, Beschluss v. 17.7.2019, Az. V B 28/19).

15. Vorweggenommene Betriebsausgaben

Möchten Sie sich erst 2020 mit einem Handwerksbetrieb selbstständig machen und Ihnen entstehen bereits heute Ausgaben dafür, dürfen Sie diese Ausgaben 2019 als vorweggenommene Betriebsausgaben abziehen. Das Finanzamt verrechnet diese Verluste 2019 steuersparend mit positiven Einkünften 2019. Doch aufgepasst: Einer Verwaltungsanweisung kann entnommen werden, dass diese vorweggenommenen Betriebsausgaben bei Ermittlung der Gewerbesteuer außen vor bleiben. Denn ein Gewerbebetrieb im Rahmen der Gewerbesteuer ist erst anzunehmen, wenn eine Betriebseröffnung vorliegt.

16. Einkaufstour

Soll sich noch jeder ins Unternehmen investierte Cent als Betriebsausgabe 2019 auswirken, sollten Sie beim Kauf beweglicher Gegenstände auf den Preis achten. Bis zu einem Nettopreis von 800 Euro winkt der Sofortabzug bei den Betriebsausgaben.

17. Fristverlängerung

Die ersten Mahnungen des Finanzamts zur Abgabe der Einkommensteuerklärung sind Unternehmern bereits zugegangen. Um die Festsetzung eines Verspätungszuschlags zu vermeiden haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Beantragen Sie eine gut begründete Fristverlängerung (Krankheit, Krankheit in der Familie, Arbeitsüberlastung) bis zum 31. Oktober 2019.
  2. Beauftragen Sie einen Steuerberater mit der Erstellung der Erklärungen 2018 und teilen Sie das dem Finanzamt mit. Dann haben Sie mit der Abgabe Zeit bis Ende Februar 2020.

18. Einkommensteuervorauszahlungen

Kalkulieren Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen 2019 bereits heute bis zum Jahresende hoch. Liegt Ihr zu versteuerndes Einkommen deutlich unter dem Einkommen vom Vorjahr, beantragen Sie frühzeitig eine Herabsetzung der laufenden Einkommensteuervorauszahlungen 2019. Der Antrag muss vor dem 10. Dezember 2019 gestellt werden.

19. Vorsteuervergütung

Waren Sie oder Ihre Mitarbeiter im Jahr 2018 aus beruflichen Gründen im EU-Ausland und wurden dort mit ausländischer Umsatzsteuer belastet? Wenn ja, können Sie sich diese im Vorsteuervergütungsverfahren wieder erstatten lassen. Der Antrag ist bis spätestens 30. September 2019 beim Bundeszentralamt für Steuern zu stellen (Infos unter www.bzst.de). Eine Fristverlängerung ist ausgeschlossen.

20. Wertlose Aktien

Nach dem Entwurf des Jahressteuergesetz 2019 soll die Ausbuchung wertloser Aktien aus dem privaten Depot ab 2020 nicht mehr steuerlich berücksichtigt werden. Um Verluste zu retten, sollten Aktien, die aufgrund der drohenden Insolvenz der AG wertlos werden könnten, unbedingt noch 2019 mit Verlust verkauft werden. Im Veräußerungsfall muss das Finanzamt die Verluste steuerlich berücksichtigen.

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