9-Euro-Ticket, Grundsteuer und Energiepauschale Steuern: 15 Neuigkeiten für Handwerker

Steuern machen keine Sommerpause. Beinahe täglich gibt es neue Steuerurteile, Anweisungen und Trends. Hier eine Auswahl von 9-Euro-Ticket bis Energiepauschale.

Wer das 9-Euro-Ticket nutzt, um zur Arbeit zu fahren, darf ebenfalls die Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehen. - © gradt - stock.adobe.com

1. 9-Euro-Ticket I: Arbeitgeberzuschuss

Leistet ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern einen steuerfreien Zuschuss zu Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Personennahverkehr, muss er zwar in den Monaten Juni bis August wegen der 9-Euro-Tickets lohnsteuerlich nichts ändern. Selbst wenn der Zuschuss in diesen drei Monaten jeweils über 9 Euro liegt (was der Regelfall sein dürfte), bleibt der Zuschuss "zunächst" lohnsteuerfrei. Übersteigt der Zuschuss jedoch bezogen auf das Kalenderjahr 2022 die tatsächlichen Aufwendungen des Arbeitnehmers für seine Zug- oder Bustickets, muss er den übersteigenden Zuschuss als steuerpflichtigen Arbeitslohn besteuern (BMF-Schreiben v. 30.05.2022, Az. IV C 5 – S 2351/19/10002:007).

2. 9-Euro-Ticket II: Werbungskosten

Fährt ein Arbeitnehmer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, darf er die Entfernungspauschale von 30 Cent für die ersten 20 Kilometer der einfachen Strecke und 38 Cent ab dem 21. Entfernungskilometer als Werbungskosten abziehen, selbst wenn er in den Monaten Juni bis August ein 9-Euro-Ticket nutzt und die Entfernungspauschale deutlich darüber liegt. Das liegt daran, dass es die Entfernungspauschale für Fahrten zur Arbeit verkehrsmittelunabhängig gibt. Das bedeutet: Selbst wenn ein Arbeitnehmer mit dem Rad zur Arbeit fährt, darf er die Entfernungspauschale steuerlich absetzen.

3. Grundsteuerreform I: Vereinfachung

Gute Nachricht für alle, die am 1. Januar 2022 Eigentümer einer privaten Immobilie waren und im Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Oktober 2022 eine Grundsteuererklärung beim Finanzamt einreichen müssen. Normalerweise pochen die Finanzämter zwingend auf eine elektronische Übermittlung per Elster. Für einfach gelagerte Sachverhalte (bei unbebauten Grundstücken, Ein- und Zweifamilienhäusern und Eigentumswohnungen) gibt es unter grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de eine vereinfachte Übermittlungsform.

Kleiner Wermutstropfen: Die Vereinfachung gilt aktuell nur, wenn das Grundstück in einem Bundesland liegt, das das Bundesmodell der Grundsteuerreform anwendet. Begünstigt sind demnach vorerst nur Immobilieneigentümer mit Privatgrundstücken in Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

4. Grundsteuerreform II: Hilfeleistung

Wer Eltern mit Grundvermögen hat, darf bei Übermittlung der Grundsteuererklärung ausnahmsweise helfen und die Grundsteuererklärung der Eltern über seinen eigenen Elster-Zugang übermitteln. Alternative: Verfügen ältere Immobilieneigentümer weder über einen PC noch einen Internetanschluss und möchten auch keinen Steuerberater mit dem Ausfüllen der Grundsteuererklärung beauftragen, können sie beim Finanzamt nach § 150 Abs. 8 Abgabenordnung einen Härtefallantrag stellen. Geht dieser Antrag beim Finanzamt durch, darf die Grundsteuererklärung in Papierform ans Finanzamt übermittelt werden.

5. Energiepauschale I: Nur aktive Arbeitnehmer

Beschäftigt ein Handwerksbetrieb zum 1. September 2022 Arbeitnehmer, ist er grundsätzlich verpflichtet, diesen die Energiepreispauschale (EEP) auszuzahlen. Die EEP in Höhe von 300 Euro muss jedoch nur an aktive Arbeitnehmer ausbezahlt werden. Befindet sich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter am 1. September 2022 in Elternzeit, ist der Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet die EEP auszuzahlen. Dasselbe gilt, wenn das Arbeitsverhältnis vor dem 1. September 2022 beendet wurde. In beiden Fällen gibt es für diese Mitarbeiter dennoch die EEP. Die 300 Euro bekommen Arbeitnehmer dann vom Finanzamt, wenn sie für 2022 eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen.

6. Energiepauschale II: Ernsthaftigkeit

In den Medien wurde für Rentner und Studenten die Idee aufgeworfen, dass sie nur eine Stunde im Jahr 2022 arbeiten müssten (zum Beispiel als Betreuer der Enkel für zwölf Euro in der Stunde), um in den Genuss der EEP in Höhe von 300 Euro zu kommen. Einer Anfrage beim Bundesfinanzministerium kann jedoch entnommen werden, dass das nicht wirklich so einfach gehen wird. Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung eines Arbeitsverhältnisses ist in jedem Fall die "Ernsthaftigkeit" der Vereinbarung und deren tatsächliche Durchführung. "Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis" bedeutet, das vereinbarte Rechtsverhältnis dient der Einnahmenerzielung und nicht einzig der Erlangung der EEP. Reine Gestaltungen, nur um die EEP zu erhalten, dürften also eher in Leere gehen.

7. Energiepauschale III: Familienmitglieder

Natürlich gibt es die EEP in Höhe von 300 Euro auch für im Handwerksbetrieb angestellte Familienmitglieder. Erfolgt die Anstellung aber augenscheinlich nur wegen der EEP in Höhe von 300 Euro, dürfte eine Lohnsteuerprüfung oder eine Betriebsprüfung die Folge sein. Hier werden die Prüfer des Finanzamts sehr kritisch nachschauen, ob die Anstellung nur auf dem Papier erfolgte. Deshalb gilt: Nur wegen 300 Euro Energiepauschale eine Prüfung des Finanzamts zu riskieren, sollte überdacht werden.

8. Energiepauschale IV: Auszubildende

Für neue Auszubildende beginnt die Lehre in der Regel am 1. September 2022. Da Azubis ab diesem Tag im Betrieb angestellt sind, ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, dem Azubi mit seinem Lehrlingsgehalt auch die EEP in Höhe von 300 Euro auszubezahlen.

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9. Steuerklassenwahl 2022 neu

Ehepaare, bei denen beide Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit erzielen, können mit der optimalen Wahl der Lohnsteuerklasse ein möglichst hohes monatliches Nettogehalt erzielen. Gerade in Zeiten mit hoher Inflation und aufgrund der steigenden Energiepreise sicherlich erstrebenswert. Welche Lohnsteuerklassenkombination für Eheleute die beste ist, zeigt ein Merkblatt des Bundesfinanzministeriums vom 24. Mai 2022. Das bisherige Merkblatt zur Lohnsteuerklassenwahl musste wegen der rückwirkenden Erhöhung des Grundfreibetrags 2022 (geplant: 10.347 Euro) und wegen der Erhöhung der Arbeitnehmerpauschbetrags (geplant 1.200 Euro) aktualisiert werden.

10. Veräußerung der THG-Quote

Von 2022 bis 2030 kann jeder Fahrzeugbesitzer eines Batteriefahrzeugs von der THG-Quote (=Treibhausgasminderungsquote) profitieren und diese verkaufen. Bei Privatleuten ist der Verkaufserlös steuerfrei. Verkauft jedoch ein Unternehmer für seinen betrieblichen Firmenwagen die THG-Quote, muss er den Verkaufserlös als Betriebseinnahme versteuern. Zudem wurde auf Bund-Länder-Ebene klargestellt, dass es sich bei dem Verkauf um einen Teil der unternehmerischen Tätigkeit handelt. Die Vergütung unterliegt deshalb auch der Umsatzsteuer.

11. Investitionsabzugsbetrag I: Fahrtenbuch kein Muss

Wer den Kauf eines Firmenwagens in den Jahren 2023 bis 2025 plant, kann unter bestimmten Voraussetzungen bereits im Jahr der Planung – also im Steuerjahr 2022 – Betriebsausgaben in Höhe von 50 Prozent der voraussichtlichen Nettoanschaffungskosten vom Gewinn abziehen (sogenannter Investitionsabzugsbetrag). Weitere Voraussetzungen: Das Fahrzeug muss im Jahr des Kaufs und im Jahr danach zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Bisher konnte dieser Nachweis nur per Fahrtenbuch geführt werden. Ohne Fahrtenbuch kippte das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend. Aufgrund eines Urteils des Bundesfinanzhofs kann die mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung neuerdings jedoch auch durch andere aussagekräftige Unterlagen nachgewiesen werden (BMF-Schreiben v. 15.06.2022, Az. IV C 6 – S 2139-b/21/ 10001:001; Rz. 43). Unternehmer ohne Fahrtenbuch müssen also für eine zweifelsfreie Dokumentation der mindestens 90-prozentigen betrieblichen Nutzung sorgen.

12. Investitionsabzugsbetrag II: Voraussetzungen

Vom Investitionsabzugsbetrag profitieren Unternehmer, deren Gewinn im Abzugsjahr nicht mehr als 200.000 Euro betragen hat. Der abgezogene Investitionsabzugsbetrag darf hierbei aber noch nicht berücksichtigt sein. Beispiel: Ein Unternehmer erzielte im Jahr 2021 einen Gewinn von 250.000 Euro. Für geplante Investitionen möchte er einen Investitionsabzugsbetrag von 60.000 Euro abziehen. Sein Gewinn 2021 würde danach nur noch 190.000 Euro betragen.

Folge: Die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag sind 2021 nicht erfüllt, weil der Gewinn ohne Berücksichtigung des Investitionsabzugsbetrags mehr als 200.000 Euro zu betragen hat (BMF-Schreiben vom 15.06.2022, Rz. 13).

13. Bauleiter: Höhere Werbungskosten

Ordnet ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter am Unternehmenssitz eine "erste Tätigkeitsstätte" zu, kann er für die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebssitz nur die Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehen. Doch steht im Arbeitsvertrag nur der Hinweis "Einstellungsort ist der Unternehmenssitz", ist das nicht als Zuordnung einer ersten Tätigkeitsstätte auszulegen (FG Mecklenburg-Vorpommern v. 24.11.2021, Az. 3 K 6/20).

Folge: Für die Fahrten zum Unternehmenssitz darf der Arbeitnehmer die Dienstreisepauschale von 30 Cent für jeden gefahrenen Kilometer als Werbungskosten geltend machen. Ohne erste Tätigkeitsstätte befindet sich ein Arbeitnehmer praktisch täglich auf Dienstreise. Weiterer Vorteil: Dauert ein Arbeitseinsatz länger als acht Stunden, winkt für diese Tage der steuersparende Abzug einer Verpflegungspauschale von 14 Euro pro Tag. Leider setzen die Finanzämter dieses steuerzahlerfreundliche Urteil noch nicht um, weil nun der Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren das letzte Wort hat (BFH, Az. VII R 27/21). Aus diesem Grund empfiehlt es sich, in vergleichbaren Fällen Einspruch gegen nachteilige Steuerbescheide einzulegen und mit Hinweis auf den Musterprozess um ein Ruhen des Einspruchsverfahrens zu bitten.

14. Anstellung ukrainischer Flüchtlinge

Wer einen Geflüchteten aus der Ukraine in seinem Handwerksbetrieb anstellen möchte, benötigt von diesem zur Ermittlung der Lohnsteuer eine steuerliche Identifikationsnummer. Diese stellt das Bundeszentralamt aus. Hat der Geflüchtete aus der Ukraine noch keine Identifikationsnummer oder findet er diese nicht mehr, kann sie erneut beim Bundeszentralamt angefordert werden. Unter bzst.de finden Arbeitgeber und Arbeitnehmer dazu speziell ein Merkblatt für Geflüchtete aus der Ukraine. Dauert es mit der Beschaffung der Identifikationsnummer, ist das für die Lohnabrechnung kein Problem. In den ersten drei Monaten darf die Lohnsteuer nach den voraussichtlichen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) ermittelt werden.

15. Steueränderungen: Corona

Der Bundesrat hat am 10. Juni 2022 dem Vierten Corona-Steuerhilfegesetz zugestimmt. In diesem Gesetz sind insbesondere folgende Steueränderungen enthalten: Auch 2022 dürfen Arbeitnehmer und Unternehmer die Homeoffice-Pauschale in Höhe von 5 Euro am Tag, maximal 600 Euro im Jahr als Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben abziehen. Unternehmer, die im Jahr 2022 ins bewegliche Anlagevermögen investieren, dürfen die Abschreibung degressiv ermitteln. Die als Betriebsausgabe abziehbare degressive Abschreibung beträgt das 2,5-fache der linearen Abschreibung, maximal 25 Prozent der Anschaffungskosten. Das Vierte Corona-Steuerhilfegesetz enthält auch die erwarteten Fristverlängerungen für die Abgabe der Steuererklärungen 2020, 2021 und 2022. Die Erklärungen 2021 sind ohne Berater bis 31. Oktober 2022 abzugeben, bei Beauftragung eines Steuerberaters oder eines Lohnsteuerhilfevereins spätestens am 31. August 2023.